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Afghanistan: USA retten mit Hubschraubern Menschen von Hoteldach

Chaos in Afghanistan  

USA retten mit Hubschraubern Menschen von Hoteldach

21.08.2021, 11:46 Uhr | dpa, pdi

Afghanistan: USA retten mit Hubschraubern Menschen von Hoteldach. Ein Chinook-Hubschrauber des US-Militärs fliegt über Kabul (Symbolbilld): Die USA haben 170 Bürger von einem Hoteldach gerettet.  (Quelle: AP/dpa)

Ein Chinook-Hubschrauber des US-Militärs fliegt über Kabul (Symbolbilld): Die USA haben 170 Bürger von einem Hoteldach gerettet. (Quelle: AP/dpa)

Das Chaos in Kabul hält an: Es gibt schreckliche Szenen am Flughafen, die Evakuierungen laufen schleppend. Das US-Militär musste nun 170 Menschen von einem Hoteldach holen – eine dramatische Rettungsaktion.

Nach fast einer Woche Taliban-Herrschaft läuft die dramatische Rettungsaktion für gefährdete Menschen in Kabul unter Hochdruck weiter: Die USA mussten sogar Hubschrauber aussenden, um rund 170 US-Bürger von einem Hotel in der afghanischen Hauptstadt zum Flughafen in Sicherheit zu bringen. Die Bundeswehr flog auch in der Nacht zum Samstag erneut Menschen nach Usbekistan aus.

US-Präsident Joe Biden, der wegen des raschen Abzugs der US-Truppen aus Afghanistan mit der Folge der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban ebenfalls in der Kritik steht, sicherte am Freitag die Rettung aller Amerikaner aus dem Land zu. "Wir werden Sie nach Hause bringen", sagte Biden im Weißen Haus. Eine ähnliche Zusage machte er für die afghanischen Ortskräfte. Es sei aber "eine der größten, schwierigsten Luftbrücken der Geschichte".

Rettung mit Chinook-Hubschraubern

Wie gefährlich und chaotisch die Lage rund um den Flughafen von Kabul weiterhin ist, zeigte sich daran, dass US-Soldaten mit Hubschraubern losfliegen mussten, um am Freitag 169 Menschen sicher zum Flughafen zu bringen. Pentagon-Sprecher John Kirby teilte mit, die Menschen seien vom Baron Hotel nahe dem Flughafen von drei Chinook-Hubschraubern abgeholt worden. Grund sei eine "große Menschenmenge" vor dem Flughafen gewesen, ein Durchkommen sei unsicher gewesen.

Auch die Bundeswehr schickte zwei Hubschrauber nach Kabul, die inzwischen dort ankamen und ab Samstag einsatzbereit sein sollen. Die beiden Maschinen des Typs H-145M sind Spezialkräften zugeordnet und wurden von den USA angefordert. Die US-Truppen flögen hauptsächlich mit großvolumigen Hubschraubern und benötigten im städtischen Umfeld eine kleinere Maschine, erläuterte Generalinspekteur Eberhard Zorn am Freitag in Berlin.

Ein Bundeswehr-Hubschrauber vom Typ H-145M wird in ein Transportflugzeug verladen: Die Hubschrauber sollen in Kabul für die Rettung einzelner Deutscher oder auch Ortskräfte eingesetzt werden. (Quelle: dpa)Ein Bundeswehr-Hubschrauber vom Typ H-145M wird in ein Transportflugzeug verladen: Die Hubschrauber sollen in Kabul für die Rettung einzelner Deutscher oder auch Ortskräfte eingesetzt werden. (Quelle: dpa)

Im Einsatz sollen die Bundeswehrmaschinen immer von Helikoptern der USA begleitet werden. Im Hintergrund gebe es zudem von US-Seite eine "luftbewegliche Eingreifreserve". "Das ist eine wirkliche Luftoperation. Das ist kein 'Taxi-Service'", sagte Zorn. Die Helikopter seien sehr beweglich und könnten selbst in eng bebauten Städten landen.

Bundeswehr flog bisher 2.000 Menschen aus

Die USA hatten am Freitag über sechs oder sieben Stunden ihre Rettungsflüge von Kabul nach Katar unterbrechen müssen, weil dort die Kapazitäten zur Aufnahme von Menschen aus Afghanistan erschöpft waren. Nun soll auch die US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz als Drehscheibe für Evakuierungen genutzt werden. Seit vergangenem Samstag haben die USA laut Biden 13.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Fast 6.000 US-Soldaten sichern den Flughafen von Kabul.

Die Bundeswehr evakuierte bislang über 2.000 Menschen aus Kabul, zuletzt 172 am späten Freitagabend und weitere 7 in der Nacht zu Samstag, wie die Bundeswehr auf Twitter mitteilte. Auf dem Weg zum Flughafen war am Freitag ein Deutscher angeschossen worden, er wurde jedoch nicht lebensgefährlich verletzt. Ein weiterer Deutscher erlitt nach ZDF-Informationen in der Nähe des Flughafens leichte Verletzungen.

Chaos am Flughafen in Kabul: US-Soldaten sichern die Zugänge.  (Quelle: Reuters)Chaos am Flughafen in Kabul: US-Soldaten sichern die Zugänge. (Quelle: Reuters)

"Wir erwarten von den Taliban, dass sie allen ausländischen Staatsangehörigen und Afghanen, die das Land verlassen wollen, die sichere Ausreise ermöglichen", hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Freitag gesagt. Mehrere Tausend Menschen warten allein vor dem Flughafen auf einen Platz in einer Maschine. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel wollen am Samstag ein Erstaufnahmelager für afghanische Ortskräfte in Spanien besuchen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warnte die EU in einem Telefongespräch mit dem griechischen Regierungschef vor einer neuen "Flüchtlingswelle", falls Afghanistans Nachbarländern bei der Aufnahme von Flüchtlingen nicht geholfen werde.

"Ein riesengroßes Versagen"

In Deutschland sollen ausgeflogene Afghanen, die noch keine Aufenthaltszusage hatten, vorerst ein Visum für 90 Tage erhalten, meldete der "Spiegel". Ihr Status soll in dieser Zeit geklärt werden. Neben Ortskräften, die oft bereits auf Listen der Bundesregierung stehen, werden auch Frauen- oder Menschenrechtsaktivisten ausgeflogen. Die Linke forderte, auch Familienangehörige von bereits in Deutschland lebenden Afghanen aufzunehmen.

Angesichts der dramatischen Lage griff Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock die Bundesregierung scharf an. "Ich sehe ein riesengroßes Versagen", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" vor allem mit Blick auf Außenminister Heiko Maas (SPD) und Innenminister Horst Seehofer (CSU). Seit Monaten sei klar gewesen, dass afghanische Ortskräfte Schutz bräuchten. Die Linke sprach ebenfalls von einem "Totalversagen" von Maas und anderen Ministern. Nach der Wahl sei ein Untersuchungsausschuss sowie eine Überprüfung aller Auslandseinsätze der Bundeswehr nötig, sagte Linken-Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte der "Rheinischen Post" vom Samstag.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und afp

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