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Trumps Militärschlag in Syrien: Kann das gut gehen? Wohl kaum.

MEINUNGMilitärschlag in Syrien  

Trump wollte nicht Obamas Fehler wiederholen

Ein Kommentar von Gerhard Spörl

14.04.2018, 17:29 Uhr
Trumps Militärschlag in Syrien: Kann das gut gehen? Wohl kaum.. Donald Trump bei seiner Ansprache in Weißen Haus: Es war klar, dass der US-Präsident Syrien angreifen wird, sagt unser Kolumnist.  (Quelle: Reuters/Yuri Gripas)

Donald Trump bei seiner Ansprache in Weißen Haus: Es war klar, dass der US-Präsident Syrien angreifen wird, sagt unser Kolumnist. (Quelle: Yuri Gripas/Reuters)

Mit dem Militärschlag in Syrien wollte US-Präsident Donald Trump zeigen, dass er anders kann als sein Vorgänger Obama. Doch die Konsequenzen können weitreichend sein. 

Am Freitagabend saß ich mit einem israelischen Freund zusammen, und natürlich tauschten wir uns über den Krieg in Syrien aus. Er macht wunderbare Dokumentationen, er kennt sich aus in der Welt, am Wochenende ist er zu Gast bei der International Crisis Group, die in Berlin tagt. Er sagte, er sei aufs Tiefste beunruhigt, dass sich Israel und der Iran in Syrien direkt gegenüberstehen. Kann das gut gehen? Wohl kaum.

Wir beide waren uns sicher, dass Trump seine Raketen auf Syrien abschießen würde, entweder heute oder morgen. Er hatte es angedroht, er hat es halb zurückgenommen – aber er hat zwei Gründe, das zu tun, was er am Samstagmorgen getan hat: Er wollte nicht denselben Fehler machen wie Obama und nach dem Giftgasangriff folgenlose Drohungen aussprechen. Und er hat ein persönliches Interesse daran, dass in den USA über Sinn und Unsinn der Luftschläge debattiert wird – und nicht über das Buch des gefeuerten FBI-Chefs James Comey, das peinliche Details über den Präsidenten enthält.

Ein Kampfflugzeug des französischen Militärs: Gemeinsam mit den USA und Großbritannien wurden drei Ziele in Syrien angegriffen. (Quelle: dpa/French Defense Ministry)Ein Kampfflugzeug des französischen Militärs: Gemeinsam mit den USA und Großbritannien wurden drei Ziele in Syrien angegriffen. (Quelle: French Defense Ministry/dpa)

Nach allem, was wir wissen, handelte es sich um begrenzte Angriffe mit Raketen und Flugzeugen: auf den Militärflughafen Dumair östlich von Damaskus, ein Forschungszentrum nördlich der Hauptstadt, in dem möglicherweise Giftgasangriffe vorbereitet wurden, sowie eine mutmaßliche Lagerstätte für Chemiewaffen westlich von Homs. Soweit möglich, hielten sie sich von russischen und iranischen Stützpunkten fern, um den Konflikt nicht auszuweiten.

Syrien – ein neuer 30-jähriger Krieg?

Das klingt gut: Begrenzung, Zurückhaltung, Vorsicht. Nur: Kann es all das in diesem schwärenden Bürgerkrieg geben, in dem so viele Länder mitmischen, die Eigeninteressen verfolgen? Ich lese gerade ein Buch über den Dreißigjährigen Krieg, und die Analogie ist gar nicht zu übersehen: Jeder gegen jeden, wechselnde Zweckbündnisse, Friedenszeichen, und dann noch mehr Verwüstung, noch mehr Tote, noch mehr Schlachten – und kein Ende in Sicht.

Entscheidend ist: War das typisch Trump? Wir hauen drauf, und dann werden sie schon beeindruckt sein von meiner Entschlossenheit und klein beigeben? Oder steckt dahinter eine neue Strategie? Es könnte ja sein (wenn wir ganz hoffnungsvoll sein wollen), dass vor allem Frankreich mäßigenden Einfluss ausübt. Ich mag Emmanuel Macron, ich schätze seine Entschlossenheit, ich bete dafür, dass er mehr will, als Nicolas Sarkozy in Libyen wollte – mehr als Angeberei und Protzerei. Dass Großbritannien dabei ist, imponiert mir nicht: Theresa May spielt Tony Blair. Für sie ist Syrien, was für ihn der Irak war: Dabeisein ist alles.

Putins Stärke ist die Schwäche der Anderen

Mich beunruhigt auch, wie die US-amerikanischen Zeitungen am Samstag über Russland schreiben: militärisch nicht sehr stark, ausschweifende Rhetorik, den USA weit unterlegen. Über Wladimir Putin lässt sich viel sagen, aber er ist entschlossen, in der Weltpolitik eine größere Rolle zu spielen, als seinem Land eigentlich zusteht. Dafür sind Gewalt und Missachtung des Völkerrechts die ihm gemäßen Mittel. Der rote Faden verläuft von Tschetschenien über Georgien, die Krim und die Ostukraine bis nach Syrien. Und in Syrien nutzte er sofort das Vakuum, das Barack Obama hinterließ, als der im Falle von Giftgasangriffen mit einer nachhaltigen Intervention drohte und dies nicht verwirklichte. Seine Stärke ist die Schwäche der anderen.

Donald Trump ist Donald Trump. Er schürzte die Lippen, twitterte in seiner Kindersprache, nannte Assad ein Tier, kündigte Luftschläge in Bälde an und fügte hinzu: Vielleicht aber auch nicht so bald. An ihm kann man verzweifeln, und deshalb ist es gut, dass Frankreich und Großbritannien mitmachen. Trumps Verteidigungsminister James Mattis erklärte, worum es ging: "Trump wollte mehr Muskeln zeigen und klarmachen, dass die USA solange eingreifen werden, bis Assad aufhört, Chemiewaffen einzusetzen."

Was sind die Folgen des Angriffs?

Der Krieg in Syrien ist eine Schande, eine Schmach, eine Barbarei, und zu viele haben zu lange zugeschaut. Er wird nicht so bald enden, das Grauen wird weitergehen. Welche Wirkung werden die Luftschläge vom Samstag haben? Es gibt drei Möglichkeiten. Erstens: Sie machen alles nur noch schlimmer, weil der Iran und Russland nicht nur die Vereinten Nationen anrufen werden, sondern auch die direkte Konfrontation mit den USA einerseits und mit Israel andererseits suchen. Zweitens: Sie bewirken gar nichts. Oder, drittens: Das Dreierbündnis USA/Großbritannien/Frankreich bleibt zusammen und versucht ernsthaft und auf allen Ebenen – politisch, strategisch und militärisch –, eine Wende in Syrien herbeizuführen.

Ziemlich einfach, worauf wir hoffen sollten.

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