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Energiewende: So geht es nach dem Kohleausstieg weiter


So geht es nach dem Kohle-Kompromiss weiter

Von Helena Serbent

Aktualisiert am 28.01.2019Lesedauer: 4 Min.
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Die Co-Vorsitzenden der Kohlekommission mit dem Energieminister Peter Altmair: Stanislaw Tillich (l-r, CDU), Barbara Praetorius, Matthias Platzeck (SPD), Altmaier (CDU) und Ronald Pofalla (CDU) eröffnen die Sitzung.Vergrößern des Bildes
Die Co-Vorsitzenden der Kohlekommission mit dem Energieminister Peter Altmair: Stanislaw Tillich (l-r, CDU), Barbara Praetorius, Matthias Platzeck (SPD), Altmaier (CDU) und Ronald Pofalla (CDU) eröffnen die Sitzung. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa-bilder)

Wann heißt es Schluss mit der Kohle? Dazu hat die Kohlekommission letzten Freitag Vorschläge gemacht. Strom soll sauberer werden, die Kumpel neue Arbeit finden.

Im rohstoffarmen Deutschland war Kohleförderung lange die einzige Option, um massenhaft preiswerten Strom zu erzeugen. Zum Abbau von Kohle wurden viele Arbeitsplätze geschaffen. Doch diese Art der Energieproduktion schadet dem Klima.

Durch erneuerbare Energien könnte Strom sauberer erzeugt werden. Die Kohlekommission ist am letzten Freitag zusammengekommen, um darüber zu beraten, ob und wann Deutschland einen Ausstieg aus der Kohleenergie bewerkstelligen kann.

Was hat die Kohlekommission beschlossen?

Die regierungsunabhängige Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" empfiehlt in ihrem Bericht, dass Deutschland bis 2038 aus der Kohle aussteigt. Die Gremiumsmitglieder aus Politik, Industrie- und Energieverbänden, Gewerkschaften, Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und Klimaforschern wollen außerdem prüfen lassen, ob ein noch früherer Ausstieg möglich ist. Betreiber von Kohlekraftwerken können mit einer Entschädigung rechnen. Die Bundesregierung soll für Unternehmen und Privathaushalte ab 2023 etwa zwei Milliarden Euro bereitstellen, um die ansteigenden Strompreise abzufedern. Der von Umweltaktivisten und Kohleindustrie umkämpfte Hambacher Forst soll erhalten werden.

Wie sollen die Arbeitsplätze in der Kohleindustrie gerettet werden?

Die Kohlekommission geht davon aus, dass etwa 60.000 Arbeitsplätze von dem Ausstieg aus der Braunkohlewirtschaft direkt betroffen sind. RWE teilte jedoch mit, dass man mit einem signifikanteren Abbau bereits bis 2023 rechne.

Ein Strukturwandel wird durch die Einstellung der Kohleförderung zwangsläufig erfolgen. Jahrzehnte sicherten die Gruben Arbeitsplätze, besonders in den neuen Bundesländern. Um den Strukturwandel optimal aufzufangen und hohe Arbeitslosigkeit zu verhindern, will die Kohlekommission, dass die Bundesregierung die betroffenen Regionen angemessen subventioniert. Neue, hochwertige und zukunftssichere Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Das schließt nach den Wünschen der Kommission Arbeitsplätze aller Qualifikationsstufen ein. Die Kommission empfiehlt dem Bund, Ländern, in denen sich Kohleregionen befinden, bis 2039 mit insgesamt 40 Milliarden Euro zu unterstützen. Konkrete Maßnahmen sollen in einem separaten Gesetz festgeschrieben werden, das auch für kommende Regierungen bindend wäre.

Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke nannte diese Empfehlung "ein gutes Ergebnis für Brandenburg und für die Lausitz, für Klimaschutz, Energiesicherheit und akzeptable Strompreise." Jetzt seien Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat dran, um die Unterstützung möglichst schnell rechtlich umzusetzen, so Woidke.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kündigte zügiges Handeln vonseiten der Politik an.

Warum soll der Kohleabbau eingestellt werden?

Die Energiegewinnung und der Abbau von Braunkohle gelten allgemein als eine Ursache für den Klimawandel. In jedem Fall ist die Förderung und Energiegewinnung umweltbelastend. Kohle kann nur mit schwerwiegenden Eingriffen in das Bodengefüge und den Grundwasserhaushalt gefördert werden. Dadurch, dass auch Material unterhalb des Grundwasserspiegels entnommen wird, entstehen mancherorts neue Seen. Die Bodenfläche wird für die Land- und Forstwirtschaft auch nach Ende der Kohleförderung unbrauchbar. Außerdem wurde schon bei der Förderung von Steinkohle Kohlendioxid (CO2) vermehrt als Grubengas ausgestoßen.

Die anschließende Energieerzeugung durch Kohle ist ebenfalls besonders CO2-lastig. Steinkohle setzt pro Kilowattstunde zwischen 790 und 1.080 Gramm CO2 frei, bei Braunkohle sind es sogar zwischen 980 und 1.230 Gramm. Gas dagegen verursacht bei effizienter Verbrennung etwa 420 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Die Aufbereitung der Rohbraunkohle, die mehr als 50 Prozent Wasser enthält, ist erneut sehr energieaufwendig. Deshalb sind Braunkohlekraftwerke auch als "CO2-Schleudern" bekannt. CO2-Belastung gilt als einer der Hauptgründe für die Klimaerwärmung.

Wie wird die Energie ersetzt?

Um den Kohleausstieg umzusetzen, soll Deutschland den Ausbau von erneuerbaren Energien vorantreiben. Damit wird die Energieversorgung in Deutschland, die bislang bis zu 40 Prozent über Kohle versorgt wurde, neu ausgerichtet. Künftig soll Deutschland durch Gas- und Ökostrom versorgt werden. Die Genehmigungsverfahren für neue Gaskraftwerke sollen dafür beschleunigt, Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen weiterentwickelt und ausgebaut und wirtschaftliche Anreize für Investoren geschaffen werden.

Altmaier versicherte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die Versorgungssicherheit sei mit dem Konzept gewährleistet. Laut einer Studie, die der Kraftwerkbetreiber RWE in Auftrag gegeben hat, könnten die Strompreise jedoch um 20 Prozent steigen.

Wagen auch andere Länder den Kohleausstieg?

Ja, das große Vorbild ist Norwegen, das schon heute Strom zu 98 Prozent aus sauberer Energie gewinnt. Das Ziel lautet dort nun: 100 Prozent erneuerbare Stromquellen. Durch Gas- und Ölförderung war das Land jedoch schon vorher von Kohle unabhängig. Die schwedischen Nachbarn wollen hingegen bis 2022 komplett kohlefrei werden, wie auch Dänemark. Finnland ist das nordische Schlusslicht: 10 Prozent Kohleverstromung weist das Land noch auf. Es will aber bis 2029 ganz aussteigen.
Ein weiterer Vorreiter ist Belgien: Das Land hat den kompletten Ausstieg aus der Kohleindustrie bereits hinter sich.

Auch Großbritannien hat bereits in den Achtzigerjahren mit der Schließung von Kohlekraftwerken begonnen. Im Oktober 2025 soll das letzte abgestellt werden. Frankreich hat angekündigt, den Kohleausstieg von 2023 auf 2021 vorzuziehen. Aktuell produziert das Land nur noch drei Prozent des Stroms mit Kohle. Italien und Irland wollen den Ausstieg bis 2025, die Niederlande und Portugal bis 2030.

Verwendete Quellen
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