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Lufthansa-Streik: Konzern rechnet mit 100.000 betroffenen Passagieren


Streik des Bodenpersonals
Lufthansa geht von 100.000 betroffenen Passagieren aus

Von dpa, t-online, reuters
Aktualisiert am 05.02.2024Lesedauer: 4 Min.
LufthansaVergrößern des BildesFlugzeuge der Lufthansa auf dem Airport in Frankfurt am Main (Symbolbild): Das Unternehmen geht davon aus, nur etwa zehn Prozent seiner Flüge anbieten zu können. (Quelle: Boris Roessler/dpa/dpa)
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Der Pilotenstreik bei der Lufthansa-Tochter Discover ist noch nicht vorbei, da droht bei Lufthansa bereits der nächste Ausstand. Hunderttausend Passagiere sind betroffen.

Die Lufthansa und ihre Kunden stehen vor der nächsten Streikwelle mit zahlreichen Flugausfällen und Verspätungen. Für diesen Mittwoch (7. Februar) hat die Gewerkschaft Verdi das Bodenpersonal mehrerer Lufthansa-Gesellschaften einschließlich der Technik zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Das Unternehmen rechnet damit, von rund 1.000 geplanten Flügen 100 bis 200 Verbindungen anbieten zu können. Das Unternehmen sprach von mehr als 100.000 betroffenen Passagieren, die ihre Pläne ändern müssen.

Betroffen seien vor allem die Flüge der Lufthansa-Kernmarke, erklärte ein Sprecher. Stattfinden sollen 10 bis 20 Prozent dieser Flüge von und nach Frankfurt und München, sowohl interkontinentale Verbindungen als auch Europa-Flüge. Die Details würde in die Datenbank der Website "lufthansa.com" eingepflegt und die Passagiere entsprechend informiert.

Bestreikt werden am Mittwoch die Lufthansa-Standorte Frankfurt am Main, München, Hamburg, Berlin und Düsseldorf, wie Verdi ankündigte. "Wir gehen davon aus, dass 80, 90 Prozent des Lufthansaprogramms und das der Töchter eingestellt wird", sagte ein Verdi-Sprecher am Montag. Allein am Flughafen München sind für Mittwoch rund 400 Flüge der Lufthansa geplant. Beginnen soll der Warnstreik am Mittwoch um 4.00 Uhr morgens und bis Donnerstag um 7.10 Uhr andauern.

Verdi fordert Gehaltserhöhung für Bodenpersonal

Die Gewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal der Lufthansa für Mittwoch zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. "Dieser Streik wäre unnötig, wenn Lufthansa den Bodenbeschäftigten die gleichen Erhöhungen zugestehen würde wie anderen Beschäftigtengruppen im Konzern. Dazu gab es am Verhandlungstisch jedoch keine Bereitschaft. Wir hoffen deshalb auf das Verständnis der Passagiere, denn auch sie wünschen sich, wie die Beschäftigten, ein Ende des Personalmangels und einen besseren Service", sagte Verdis Verhandlungsführer Marvin Reschinsky zum Verhandlungsstand.

Hintergrund des Streikaufrufs sind die konzernweit laufenden Tarifverhandlungen für die rund 25.000 Beschäftigten am Boden. Verdi zufolge wurde in den bisherigen Verhandlungen ein unzureichendes Angebot vorgelegt. Konkret bemängelt werden die acht Nullmonate ohne Vergütungsentwicklung zu Beginn, die niedrigen Erhöhungsschritte, die 36-monatige Laufzeit des laut Angebot vorgesehenen Tarifvertrags sowie gänzlich unbeantwortete Forderungen.

Das Angebot sehe im ersten Jahr beispielsweise eine durchschnittliche Erhöhung von weniger als zwei Prozent vor, so Verdi. Darüber hinaus sollen Beschäftigte außerhalb der Lufthansa Technik eine geringere Inflationsausgleichsprämie erhalten.

Flughafenverband: "Reisende werden zum Spielball"

Die Gewerkschaft fordert für das Bodenpersonal der Lufthansa 12,5 Prozent mehr Gehalt, was mindestens 500 Euro monatlich entsprechen würde, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem soll es eine konzerneinheitliche Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro für die Beschäftigten geben. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 12. Februar 2024 in Frankfurt am Main statt. Streiks der Beschäftigten am Boden hatten bei der vergangenen Tarifrunde massive Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Im Juli 2022 legte ein Ausstand des Bodenpersonals den Flugverkehr an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München weitgehend lahm.

Lufthansa kritisierte das Vorgehen der Gewerkschaft: "Noch vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen ist der Streik auch in Länge und Ausmaß völlig unverständlich", hieß es. Der Warnstreik belaste Gäste und Mitarbeitende unverhältnismäßig, meinte Personalvorstand Michael Niggemann. Er verwies auf das aktuelle Angebot, das unter anderem Erhöhungen von Vergütung und Zusatzleistungen von insgesamt über 13 Prozent in den nächsten drei Jahren sowie eine signifikante Inflationsausgleichsprämie beinhalte.

Kritik kommt auch vom Flughafenverband ADV: "Die Auseinandersetzung wird erneut auf dem Rücken Unbeteiligter ausgetragen. Der ohnehin durch hemmende Regulierungen benachteiligte Luftverkehrsstandort Deutschland nimmt Schaden. Reisende werden zum Spielball", so ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Auch Piloten bei Lufthansa-Tochter Discover streiken

Auch bei der Lufthansa-Tochter Discover wurde am Montag gestreikt: Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte die Piloten am Sonntag dazu aufgerufen, für 48 Stunden bis einschließlich Montagabend ihre Arbeit niederzulegen.

Am Montag, dem zweiten Streiktag, waren in Frankfurt nur zwei von ursprünglich zwölf geplanten Abflügen möglich, wie aus dem Online-Abflugplan des Flughafens hervorging. Neun Flüge waren gestrichen und eine Verbindung nach Windhoek in Namibia wurde auf Dienstag verspätet. Auch am Sonntag waren zehn von 16 geplanten Abflügen des Ferienfliegers gestrichen worden. Die von München aus geplanten Discover-Flüge im Auftrag der Muttergesellschaft Lufthansa sollten von dieser selbst angeboten werden.

Gewerkschaft will Tarifvertrag erkämpfen

Es ist bereits der dritte Ausstand nach einem fünfstündigen Warnstreik kurz vor Weihnachten und einem regulären Streik über einen ganzen Tag Ende Januar, nachdem die Piloten in einer entsprechenden Urabstimmung für Streiks gestimmt hatten.

VC streitet für einen Erst-Tarifvertrag bei der vor zweieinhalb Jahren gegründeten Fluggesellschaft, die insgesamt 24 Flugzeuge betreibt. Die Gewerkschaft sieht die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber vorerst als gescheitert an.

Ihren Mitgliedern teilte sie am Freitag mit, dass das Management in neuerlichen Gesprächen kein verbessertes Angebot vorgelegt habe. Weiterhin halte das Unternehmen an der Vorbedingung fest, vor einem Tarifabschluss eine sogenannte Sozialpartnerschafts-Charta abzuschließen. Aus Sicht der Gewerkschaft würde damit das Streikrecht massiv eingeschränkt.

Harte Kritik vom Arbeitgeber

Der Arbeitgeber kritisierte den neuen Streikaufruf. Man habe der Gewerkschaft angekündigt, bis zum 7. Februar ein verbessertes Angebot vorzulegen, sagte eine Sprecherin der Lufthansa-Tochter. "Die Tatsache, dass die VC nun ohne das von ihnen geforderte neue Angebot des Arbeitgebers abzuwarten, zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen zum Streik aufruft, macht deutlich, dass es hier nicht um gute Lösungen für die Mitarbeitenden geht, sondern andere Interessen verfolgt werden." Die Gewerkschaft wollte sich zu diesem Vorwurf nicht äußern.

Lufthansa verhandelt derzeit mit mehreren Beschäftigtengruppen in unterschiedliche Konzerngesellschaften über Arbeitsbedingungen und Entgelte. Bei der Discover gibt es Konflikte mit den Piloten und dem Kabinenpersonal. Bei der Mutter Lufthansa haben bereits die Flugbegleiter und die Bodenkräfte mit Warnstreiks gedroht. Zusätzlich schränken Arbeitskämpfe bei Dienstleistern wie zuletzt an den Sicherheitskontrollen und den Bodenverkehrsdiensten den Luftverkehr ein.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
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