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VL-Sparen: Wie Sie mit Geld vom Chef an der Börse starten


Vermögen aufbauen
Wie Sie mit Geld vom Chef an der Börse starten


05.02.2023Lesedauer: 4 Min.
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Geldregen vom Chef: Jeden Monat können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zu 40 Euro als vermögenswirksame Leistungen erhalten.Vergrößern des Bildes
Geldregen vom Chef: Jeden Monat können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zu 40 Euro als vermögenswirksame Leistungen erhalten. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn)

Vermögenswirksame Leistungen stecken viele noch immer in Zinsprodukte oder Versicherungen. Warum Sie das Geld lieber in Aktien investieren sollten.

Über Geschenke freut sich eigentlich jeder. Doch eines verschmähen Millionen Menschen in Deutschland: die vermögenswirksamen Leistungen (VL). Zwar haben 20 Millionen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Anspruch auf das Extra vom Chef, doch sieben Millionen nutzen es nicht. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der European Bank for Financial Services (ebase).

Ob es daran liegt, dass das Geschenk eher mickrig erscheint? Schließlich gibt es "nur" bis zu 40 Euro monatlich. Und die gibt es auch nicht auf das Konto, sondern sie landen in einem speziellen VL-Vertrag. Versteuert werden muss das Geschenk auch noch. Wahrscheinlich klingt das für viele wenig verlockend.

Auch kleine Beträge wirken

Gehören Sie auch zu denjenigen, die sich das Geld vom Arbeitgeber entgehen lassen? Das sollten Sie nicht tun! Auch mit den vermeintlich recht kleinen Beträgen kann über die Jahre ein nettes Sümmchen zusammenkommen. Vor allem, wenn Sie das Geld in Aktienfonds und börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETFs) fließen lassen. Was das ist, lesen Sie hier.

Wie das funktioniert? Eigentlich ganz einfach. Sie müssen sich nur einmal kümmern, schon läuft Ihr VL-Sparplan Jahr für Jahr vor sich hin; und Ihr Vermögen wächst. Erst einmal müssen Sie klären, ob Sie VL bekommen können. Informationen über die genaue Höhe der VL stehen im Arbeits- oder Tarifvertrag.

t-online-Kolumnistin Jessica Schwarzer
(Quelle: Michel Passin)

Die Börsenexpertin

Jessica Schwarzer ist Finanzjournalistin, Bestsellerautorin und langjährige Beobachterin des weltweiten Börsengeschehens. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit. Zuletzt ist ihr jüngstes Buch "Warum wirklich jeder entspannt reich werden kann" erschienen. Bei t-online schreibt sie über Investments und Finanztrends, die eine breit gestreute Basis-Geldanlage ergänzen. Sie erreichen sie auf LinkedIn, Twitter, Facebook und Instagram.

ETF-Sparplan schlägt traditionelle Produkte

Bei bis zu 40 Euro im Monat gibt es im besten Fall 480 Euro im Jahr als Extra vom Chef. Dann müssen Sie sich für eine Variante und einen Anbieter entscheiden. Neben Fondssparplänen und Sparplänen auf börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETFs) sind noch immer Banksparpläne, Bausparverträge und Versicherungen gefragt.

Banksparpläne bringen aber kaum Rendite, Bausparverträge und Versicherungen haben oft hohe Kosten. Ich würde deshalb immer den Fonds- oder ETF-Sparplan wählen. Welche Fonds und ETFs "VL-fähig" sind, erfahren Sie bei Ihrer Bank oder Sie googeln. Dann schließen Sie einen Vertrag ab und informieren Ihren Arbeitgeber. Schon fließt das Geld.

Hohe Renditen mit Fonds und ETFs

40 Euro im Monat? Das klingt erst mal nicht viel, doch wenn Sie das Geld an der Börse investieren, lockt langfristig eine sehr gute Rendite. Durchschnittlich 7,3 Prozent pro Jahr waren es rückblickend bei Fonds mit Schwerpunkt deutsche Aktien, wie der Fondsverband BVI für alle Sieben-Jahres-Anlagezeiträume seit Ende 1962 errechnet hat. Aus den geschenkten 2.880 Euro wurden so 3.857 Euro – eine stolze Summe. Wahrscheinlich unterschätzen viele die Wirkung von kleinen Sparbeträgen.

Warum eigentlich sieben Jahre? VL-Verträge haben eine Laufzeit von sechs Jahren, so lange werden sie bespart. Danach ruht der Vertrag ein Jahr. Schon nach dem sechsten Jahr kann ein weiterer VL-Vertrag bespart werden, das passiert meist automatisch.

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Die Sparzulage als Renditebooster

Ein echter Renditebooster ist aber die Arbeitnehmer-Sparzulage. Der Staat fördert das VL-Sparen nämlich und besonders hoch fällt die Zulage bei Aktienfonds aus. Ein VL-Fondsvertrag wird bis zu einem jährlichen Sparbetrag von 400 Euro gefördert. Die staatliche Zulage beträgt 20 Prozent, also bis zu 80 Euro jährlich.

Es bekommen sie aber lediglich Alleinstehende mit einem zu versteuernden Einkommen von bis zu 20.000 Euro und zusammen Veranlagte mit einem zu versteuernden Einkommen von bis zu 40.000 Euro. Mit Sparzulage stieg die Rendite von 7,3 Prozent sogar auf durchschnittlich 10,3 Prozent pro Jahr. Aus den eingezahlten 2.880 Euro wurden im Schnitt 4.337 Euro.

Keine Angst vor schlechten Börsenjahren

Nun sind das Durchschnittswerte und es gibt eben sehr gute und weniger gute Börsenjahre. Aber davor müssen Sie als VL-Sparer gar keine Angst haben. Von den 55 seit den 1960er-Jahren jeweils zum Jahresende startenden VL-Verträgen in Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland lag das durchschnittliche Ergebnis nur in sieben Fällen unter dem eingezahlten Betrag von insgesamt 2.880 Euro. Und das ohne Hinzurechnung der staatlichen Sparzulage.

Selbst der Aktiencrash zu Beginn des Jahrtausends richtete kaum Schaden an: Bei VL-Sparplänen, deren Sperrfrist Ende 2002, 2003 oder 2004 auslief, wäre zumindest der Einzahlungsbetrag nach einer weiteren Haltedauer (ohne weitere Einzahlungen) von weniger als drei Jahren erreicht worden. Denn natürlich können Sie die angesparten Fonds- und ETF-Anteile auch nach dem Sieben-Jahres-Anlagezeitraum einfach stehen lassen.

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Für wen geeignet? Mittel- bis Langfristanleger
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Gute Argumente für den Start an der Börse

Das ist sogar eine verdammt gute Idee für Ihren Vermögensaufbau. Je länger, desto besser. Denn an der Börse lohnt sich der lange Atem. Langfristig bringen Aktien bei breiter Risikostreuung durchschnittlich sechs bis acht Prozent Rendite. Trotzdem meiden viele Deutsche aus Angst vor Schwankungen und möglichen Verlusten die Anlageklasse Aktien.

Die vermögenswirksamen Leistungen in Aktienfonds und ETFs zu investieren, ist ein lohnenswerter Einstieg in die Börse. Mit dem geschenkten Geld können Sie selbst als vorsichtigster Sparer den Einstieg in Aktieninvestments wagen. Zumal die VL-Statistik des Fondsverbands eindrucksvoll zeigt, dass das Verlustrisiko gering ist. Die Chancen aber sind hoch.

Klingt super, oder? Es ist kaum zu verstehen, warum so viele auf die VL verzichten. Ob es daran liegt, dass uns dieses Geschenk nicht hübsch verpackt überreicht wird? Schließlich müssen wir selbst aktiv werden, um die VL zu bekommen. Oder liegt es daran, dass Steuern und Abgaben fällig werden? Es bleibt aber noch immer ein Geschenk. Und die Statistik des BVI sollte das beste Argument sein, gleich in den kommenden Tagen aktiv zu werden.

Transparenzhinweis
  • Der Artikel stellt keine Kauf- oder Anlageberatung dar. Auf Finanzanalysen von Dritten hat die t-online-Redaktion keinen Einfluss.
Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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