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Windelkraftwerk schreibt schwarze Zahlen - ein Modell mit Zukunft?

Windelkraftwerk schreibt schwarze Zahlen - ein Modell mit Zukunft?

06.06.2011, 12:34 Uhr | dpa, dpa

Windelkraftwerk schreibt schwarze Zahlen - ein Modell mit Zukunft?. Manche Windel landete schon im Windel-Kraftwerk am Bodensee (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Manche Windel landete schon im Windel-Kraftwerk am Bodensee (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Es ist das einzige Kraftwerk weltweit, dass aus Inkontinenz-Abfällen Energie erzeugt: der "Windel-Willi" am Bodensee. Seit fünf Jahren ist das "WKW" im Betrieb - und ist inzwischen sogar profitabel. im Betrieb. Nachgebaut hat es allerdings noch niemand. Immerhin interessiert sich das Ausland für das neue Kraftwerk.

"WKW" könnte Großwäscherei mit Energie versorgen

"Die Feuerleistung beträgt 1240 Kilowatt", berichtet Marco Nauerz, Leiter der Bauabteilung bei der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren im Bodenseekreis. Der Bauingenieur ist der geistige Vater des "Windel-Willi". Die Leistung genügt für eine Wäscherei, die täglich acht Tonnen Wäsche verarbeitet, eine Großküche, die bis zu 3000 Essen täglich kocht und Gewächshäuser mit einer Nutzfläche von 96.000 Quadratmetern. "Die Energie wird also zu 100 Prozent genutzt." Die Stiftung hatte das Kraftwerk im November 2006 in Betrieb genommen.

Das Windelkraftwerk kann bis zu 4200 Tonnen Windeln pro Jahr verbrennen. "Im Moment stehen wir bei 3800", erklärt Nauerz. Er ist zuversichtlich, noch in diesem Jahr die Vollauslastung zu erreichen. 1000 Tonnen Windelabfälle bekommt er aus den Alten- und Pflegeheimen der Stiftung. Der Rest wird aus anderen Einrichtungen, Krankenhäusern und Gemeinden im Umkreis zugeliefert.

Windeln werden bei bis zu 1000 Grad verbrannt

Das Windelkraftwerk verbrennt die Windeln bei bis zu 1000 Grad. Die Abgase werden mehrfach gereinigt, zurück bleibt Asche, die entsorgt werden muss. Schwarze Zahlen schreibe die Anlage seit dem vergangenen Jahr - damals kamen immer mehr Windel-Lieferanten hinzu.

Kann die Idee auch an anderen Standorten verwirklicht werden? Professor Ewald Pruckner kam in einer Studie zu dem Schluss, dass es durchaus Sinn machen würde, auch anderenorts einen "Windel-Willi" zu bauen, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt seien.

Ein Windelkraftwerk ist demnach überall sinnvoll, wo die Energieabnahme gesichert ist und im Umkreis ausreichend Inkontinenzabfälle anfallen. "In urbanen Gebieten wie der Region Stuttgart könnten 20 bis 30 Kilometer Einzugsgebiet für ein Windelkraftwerk ausreichend sein, in ländlicheren Gebieten etwa 50 bis 60 Kilometer", sagt Michael Staiber, Elektroingenieur bei der Stiftung Liebenau.

Interesse aus dem Ausland, aber noch kein Nachbau

Diese Erkenntnis löste Interesse an dem Kraftwerk aus. Aus den USA, Italien, Spanien und aus Deutschland seien Gruppen an den Bodensee gereist, um die Anlage zu besichtigen. "Nachgebaut hat es aber bislang keiner", räumt Nauerz ein. Das System des "Windel-Willi" ist patentiert.

Warum es keiner kopiert hat? "Vielleicht liegt es daran, dass ich die Leute immer über die Risiken eines solchen Projekts aufgeklärt habe." Diese lägen im Betrieb: So müsse ein Notdienst eingerichtet werden, der rund um die Uhr zur Verfügung stehe. Manche Ersatzteile seien nicht innerhalb von 24 Stunden zu beschaffen, also müssten sie in einem Lager vorgehalten werden. Und außerdem sei ein Genehmigungsverfahren wie bei einer Müllverbrennungsanlage notwendig.

128 Euro pro abgenommener Tonne nimmt die Stiftung ein - rechnet man die Einnahmen aus dem Verkauf von Energie dazu, kommen pro Jahr 1,2 Millionen Euro an Erlösen zusammen. In den "Windel-Willi" wurden über die Jahre rund 3,5 Millionen Euro investiert. "Es hat sich also gelohnt", sagt Nauerz. Besonders, wenn man die Kosten für Öl bedenke, das die Stiftung kaufen müsste, wenn es das Kraftwerk nicht gäbe: Benötigt würden 800.000 Liter pro Jahr.

Der "Windel-Willi" ersetzt also diesen fossilen Brennstoff. Dessen Gründer findet, frühzeitig die richtige Idee gehabt zu haben: Inzwischen sei das Schlagwort dezentrale Energieversorgung ja in aller Munde.

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