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"Die Rentner sind die Gewinner der Corona-Krise"

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 02.12.2020Lesedauer: 3 Min.
Senioren auf einer Bank (Symbolbild): Das Rentenniveau sinkt bis 2034 deutlich.
Senioren auf einer Bank (Symbolbild): Das Rentenniveau sinkt bis 2034 deutlich. (Quelle: Jochen Tack/imago-images-bilder)
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Im nächsten Jahr wird es wohl keine Rentenerhöhung geben. Sind die Älteren von der Corona-Krise also auch finanziell besonders betroffen? Experten widersprechen – zumindest teilweise.

Die Rentenerhöhung fällt kommendes Jahr im Westen voraussichtlich aus, das Rentenniveau sinkt bis 2034 drastisch. Bei solchen Nachrichten kommt schnell der Eindruck auf, dass die mehr als 21 Millionen Rentner in Deutschland durch die Corona-Krise besonders gelitten haben.

Doch ist dem wirklich so? t-online hat darüber mit mehreren Experten gesprochen – und ein geteiltes Echo hervorgerufen.

"Die Rentner sind die Gewinner der Corona-Krise", sagt etwa Bernd Raffelhüschen, der das Forschungszentrum Generationenverträge an der Uni Freiburg leitet. Er gilt als einer der wichtigsten Rentenfachleute Deutschlands, ist jedoch ob seiner Nähe zur Versicherungswirtschaft nicht gänzlich unumstritten.

Als Grund für seine These führt Raffelhüschen unter anderem die Rentengarantie an. "Die Löhne sind angesichts millionenfacher Kurzarbeit dieses Jahr deutlich gesunken", sagt er. "Im Gegenzug bleiben die Renten kommendes Jahr aber gleich – und sinken nicht."

Renten können nicht gekürzt werden

Dafür sorgt die gesetzliche Rentengarantie. Durch sie kann der Staat die absolute Höhe der Rente nicht verringern. Das heißt: Auch wenn die Durchschnittslöhne, an denen sich die Renten orientieren, sinken, bleiben die Altersbezüge zumindest auf dem bisherigen Level. So wird es auch 2021 sein.

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Hinzu kommt, so Raffelhüschen, ein weiterer positiver Effekt: das Aussetzen des sogenannten Nachholfaktors. Dieser regelt eigentlich, dass eine theoretisch notwendige Kürzung der Renten wie in der aktuellen Krise in den Folgejahren nachgeholt wird – durch geringere Anhebungen der Renten oder gar durch weitere Nullrunden.

"Sozialminister Hubertus Heil hat diesen Nachholfaktor aber bis einschließlich 2025 außer Kraft gesetzt", sagt Raffelhüschen. "Für den Sozialstaat rächt sich das jetzt. Die Rentner aber können sich freuen."

"Die Rentengarantie bedeutet Verlässlichkeit"

Florian Blank hält wenig von solchen Diskussionen. Der Rentenexperte vom gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) sagt: "Die Debatte um den Nachholfaktor halte ich für wenig zielführend. Die zentrale Frage wird sein, wie die Rente nach 2025 gesichert werden kann."

Überhaupt widerspricht er Raffelhüschen in dessen Auffassung, dass Rentner zu den Krisen-Gewinnern zählten. "Die Rentner müssen sehr wohl ihren Teil der Krise schultern", sagt Blank im Gespräch mit t-online. Schließlich müssen sie im kommenden Jahr – zumindest im Westen – mit einer Nullrunde rechnen.

Dass die Renten nicht sänken, sei deshalb kein Vorteil, sondern vielmehr eine Selbstverständlichkeit. "Die Rentengarantie ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Systems", so der Politikwissenschaftler. "Dass Renten auch in der Krise nicht gekürzt werden können, ist eine Sache von Verlässlichkeit."

Viele Deutsche haben kein Vertrauen in die Rente

Diese Gewissheit scheinen indes immer weniger Deutsche zu haben. Laut einer aktuellen Umfrage der Plattform "Weltsparen", die t-online vorliegt, hat mehr als ein Drittel der Bürger kein Vertrauen mehr in die gesetzliche Rente. Besonders groß ist das Misstrauen bei den 40- bis 49-Jährigen: In dieser Altersgruppe bezweifelt mehr als jeder zweite (53,2 Prozent), dass die staatlichen Renten die Grundlage für finanzielle Sicherheit im Alter sind.

Doch nicht nur die gesetzliche Rente leidet zusehends unter einem Vertrauensverlust. Auch die private Vorsorge, die die gesetzliche Rente unterstützen könnte, steht vor einem gewaltigen Problem: niedrige Zinsen.

Seit Jahren ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bei null Prozent. Eine Abkehr der ultralockeren Geldpolitik ist nicht in Sicht – durch die Corona-Krise könnte sie sich noch weiter verschärfen.

Niedrige Zinsen bereiten vielen Menschen Sorgen

Drei von zehn Deutschen machen sich aufgrund der Niedrig- und Negativzinsen finanzielle Sorgen um ihren Ruhestand, geht aus der "Weltsparen"-Umfrage weiter hervor. Mehr als 31 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Altersvorsorge unter Niedrig- und Negativzinsen leidet – jeder zwanzigste Deutsche (4,6 Prozent) ist laut der Studie schon von Strafzinsen auf das Vermögen betroffen.

RaffelhĂĽschen sieht indes einen Ausweg. "Deutschland hat nicht begriffen, dass es fĂĽr die Altersvorsorge den Kapitalmarkt braucht", sagt er und meint damit: Eine Altersvorsorge auf Basis von Aktien oder noch besser von ETFs.

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Von Christine Holthoff
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