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Inflation von 7,3 Prozent: Wohin steigen die Preise noch?

Von dpa
30.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Der Euro verliert noch mehr an Wert: Die jÀhrliche Teuerungsrate kletterte im MÀrz auf 7,3 Prozent.
Der Euro verliert noch mehr an Wert: Die jÀhrliche Teuerungsrate kletterte im MÀrz auf 7,3 Prozent. (Quelle: Marijan Murat/dpa./dpa)
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Frankfurt/Main (dpa) - Sechs Prozent? Sieben Prozent? Deutschlands Verbraucher blicken mit Sorge auf die Inflationsentwicklung. Der Krieg in der Ukraine heizt die Energiepreise weiter an, die schon zuvor Haupttreiber der Teuerung waren.

Im MĂ€rz kletterte die jĂ€hrliche Teuerungsrate auf 7,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt anhand einer ersten SchĂ€tzung mitteilte. Das ist der höchste Stand im wiedervereinigten Deutschland und auch in der bundesrepublikanischen Geschichte muss man bis zum Herbst 1981 zurĂŒckschauen, um Ă€hnlich hohe Inflationsraten zu finden. Damals waren die Mineralölpreise infolge des Ersten Golfkrieges stark gestiegen.

Wie stark sind die Verbraucherpreise zuvor gestiegen?

Die Hoffnung auf sinkende Inflationsraten nach dem Jahreswechsel erfĂŒllte sich nur kurzzeitig. Nach einem RĂŒckgang auf 4,9 Prozent im Januar stieg die Teuerung in Deutschland bereits im Februar 2022 wieder ĂŒber die FĂŒnf-Prozent-Marke: Die Verbraucherpreise lagen um 5,1 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats. Und nun also 7,3 Prozent Inflation im MĂ€rz, wobei Energie um 39,5 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor. Nicht nur die angespannte Lage auf dem Weltmarkt treibt die Preise, sondern auch die deutsche CO2-Abgabe: Seit Jahresbeginn werden 30 Euro je Tonne Kohlendioxid fĂ€llig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Wie sind die weiteren Aussichten?

Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland mĂŒssen sich nach EinschĂ€tzung von Volkswirten auf weiter steigende Preise einstellen. Im Februar lagen die Erzeugerpreise fĂŒr gewerbliche Produkte um 25,9 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats. FĂŒr Konsumenten könnten viele Produkte also noch teurer werden, weil Unternehmen auf höhere Einkaufspreise etwa fĂŒr Rohstoffe mit einem Preisaufschlag reagieren. Einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts zufolge planen immer mehr Firmen Preiserhöhungen in den nĂ€chsten drei Monaten.

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"Durch den Energiepreisschub aufgrund des Krieges dĂŒrfte sich der Verbraucherpreisanstieg vor allem kurzfristig nochmals spĂŒrbar verstĂ€rken", sagte Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel jĂŒngst. Der Bankenverband BdB erwartet in den nĂ€chsten Monaten Inflationsraten von mehr als sieben Prozent. "Auch fĂŒr die nĂ€chsten Jahre rechnen wir mit deutlich steigenden Preisen", sagte BdB-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Christian Ossig. Das Ifo-Institut prognostiziert fĂŒr das Gesamtjahr 2022 eine Teuerungsrate von bis zu 6,1 Prozent. Das wĂ€re die höchste Inflation in Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990.

Der SachverstĂ€ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet ebenfalls mit 6,1 Prozent Inflation in Deutschland in diesem Jahr. "Die große AbhĂ€ngigkeit von russischen Energielieferungen birgt das erhebliche Risiko einer geringeren Wirtschaftsleistung und höherer Inflation", erklĂ€rten die "Wirtschaftsweisen" in ihrer am Mittwoch vorgestellten Prognose.

Was heißt das fĂŒr Verbraucher?

Höhere Inflationsraten schmĂ€lern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich fĂŒr einen Euro dann weniger leisten können. Vor allem dann, wenn Waren teurer werden, die hĂ€ufig gekauft werden, spĂŒren die Menschen das im Portemonnaie: beim Tanken, im Supermarkt. Dazu kommt: In den von der Corona-Pandemie geprĂ€gten Jahren 2020 und 2021 mussten Deutschlands Arbeitnehmer jeweils Reallohnverluste hinnehmen. Im vergangenen Jahr wurde der an sich krĂ€ftige Anstieg der Bruttolöhne um knapp 3,1 Prozent mehr als vollstĂ€ndig von den um gut 3,1 Prozent gestiegenen Verbraucherpreisen aufgezehrt. FĂŒr das laufende Jahr sind wegen der noch stĂ€rker anziehenden Inflation ebenfalls keine Reallohngewinne zu erwarten.

Was tut der Staat, um Verbraucher zu entlasten?

Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche ein weiteres Paket geschnĂŒrt, um die Menschen angesichts der stark gestiegenen Energie- und Spritpreise zu entlasten. Darin enthalten ist eine auf drei Monate befristete Senkung der Energiesteuer, die den Liter Benzin um 30 Cent und Diesel um 14 Cent gĂŒnstiger machen soll. Zudem erhalten Arbeitnehmer einmalig 300 Euro Energiezuschuss auf ihr Bruttogehalt und Familien pro Kind 100 Euro Bonus auf den Kinderfreibetrag. Die Gesamtkosten fĂŒr den Staat werden nach SchĂ€tzung des Bundesfinanzministeriums an die 16 Milliarden Euro heranreichen, die das erste Entlastungspaket aus dem Februar umfasste.

Ist die Inflation nur in Deutschland so hoch?

Auch im Euroraum insgesamt treiben vor allem die Energiepreise die Teuerung. Im Februar erreichte sie mit 5,9 Prozent den höchsten Stand im WĂ€hrungsraum seit EinfĂŒhrung des Euro als VerrechnungswĂ€hrung im Jahr 1999. In den USA stiegen die Verbraucherpreise im Februar zum Vorjahr um knapp 8 Prozent, das war dort der höchste Wert seit 40 Jahren. Großbritannien erlebt den steilsten Anstieg der Verbraucherpreise seit 1992.

Hat die EuropÀische Zentralbank reagiert?

Angesicht der hartnĂ€ckig hohen Inflation forciert die EZB die Normalisierung ihrer seit Jahren ultralockeren Geldpolitik. Europas WĂ€hrungshĂŒter rechnen fĂŒr den Euroraum im laufenden Jahr mit einer Teuerungsrate von 5,1 Prozent. Die Notenbank strebt stabile Preise bei zwei Prozent Jahresteuerung an. Kritiker werfen der EZB schon lĂ€nger vor, mit ihrer Billiggeldflut die Inflation anzuheizen.

Am 10. MĂ€rz hat die EZB beschlossen, den Erwerb zusĂ€tzlicher Anleihen von Staaten und Unternehmen bereits bis Mitte 2022 zurĂŒckzufahren. "Sofern die NettokĂ€ufe wie derzeit vorgesehen im dritten Quartal enden, eröffnet das die Möglichkeit, bei Bedarf die Leitzinsen noch in diesem Jahr anzuheben", sagte Bundesbank-PrĂ€sident Nagel wenige Tage nach der Entscheidung des EZB-Rates, dem er angehört.

Die WĂ€hrungshĂŒter haben ein Augenmerk darauf, dass es nicht zu einer gefĂ€hrlichen Lohn-Preis-Spirale kommt. Steigen die Löhne als Reaktion auf die aktuell hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise noch weiter nach oben treiben, weil Unternehmen gestiegene Löhne als Rechtfertigung von weiteren Preiserhöhungen heranziehen. Löhne und Preise schaukeln sich dann gegenseitig hoch, die Inflation könnte sich dauerhaft auf hohem Niveau festsetzen. Bislang sieht die EZB aber keine Anzeichen fĂŒr eine solche Entwicklung.

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