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Altersvorsorge: Ein Vorsorge-Experte gibt Tipps

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Nachgefragt  

Nachgefragt: Ein Vorsorge-Experte im Interview

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Niels Nauhauser  (Foto: privat)Niels Nauhauser (Foto: privat) Niels Nauhauser ist seit 2006 Referent für Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Im Interview mit t-online.de gibt er Hinweise, wie man am besten privat vorsorgen kann.

Die Möglichkeiten für eine private Altersvorsorge sind so vielfältig wie schwer einzugrenzen. Welche Maßnahme(n) empfehlen Sie jedem Sparer als erstes bzw. als Grundlage?

Bevor man sich mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt, sollte man ein paar Dinge klären.

1.: Prüfen Sie, ob Sie gut versichert sind. Denn es gibt Risiken, die Verbraucher finanziell ruinieren können, zum Beispiel die Haftung für unbeabsichtigt verursachte Schäden wie einen verschuldeten Unfall. Andere Risiken wie aufgrund von langer Krankheit wegfallendes Einkommen, können ebenfalls ernste finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen.

2.: Bilden Sie eine ausreichende Rücklage, zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto. Damit beugen Sie einer teuren Kontoüberziehung vor. Man weiß ja nie, was unerwartet an Ausgaben auf einen zukommt – z.B. wann die Waschmaschine, der Fernseher oder beides zusammen den Geist aufgibt.

3.: Tilgen Sie noch vorhandene Schulden. Denn der Zinssatz für Schulden ist häufig viel höher als der Zins, den Sie für Geldanlagen und Altersvorsorgeprodukte bekommen.

4.: Überlegen Sie, ob und wann größere Anschaffungen, etwa ein Autokauf oder Immobilien-Erwerb, anstehen. Entsprechend sollte man sich finanziell nicht länger binden bei der Geldanlage.

Die Altersvorsorge schließlich reicht am weitesten in die Zukunft. Weil die Lebensumstände sich aber immer wieder mal ändern, sollte man darauf achten, vor allem auf flexible Produkte zu setzen. Starre Vorsorgeprodukte wie zum Beispiel Lebens- und Rentenversicherungen lassen sich oft nur unter Inkaufnahme hoher Verluste an veränderte Lebensumstände anpassen.

Um flexibel zu bleiben, empfehlen sich also verschiedene Anlageformen. Wie sollte Ihrer Meinung nach ein sinnvoller Mix zur Altersvorsorge verteilt sein? 

Bei der Altersvorsorge ist eine ruhige Hand gefragt und eine ausgewogene Streuung über verschiedene Anlageklassen. Wer die langfristig im Vergleich zu sicheren Anlagen viel höheren Renditen der Aktienmärkte einstreichen möchte, sollte auf breit streuende Indexfonds setzen. Hier sind die Kosten besonders niedrig und die Chancen dafür umso höher. Für Stabilität sorgt ein Anteil an sicheren Produkten wie Tagesgelder, Festgelder, Sparbriefe oder Banksparpläne.

Noch breiter kann man sein Geld streuen, indem man dem noch einige verschiedene offene Immobilienfonds sowie ein paar Goldmünzen hinzufügt. Aktien, Immobilien und Gold besitzen gegenüber den herkömmlichen Zinsanlagen den Vorteil, dass sie bei einer Währungsreform nicht ganz wertlos werden können. Die Schuldenkrise in den südeuropäischen Ländern zeigt, dass dieses Risiko nie ganz und gar ausgeschlossen werden kann.

Sollte sich der Vorsorge-Mix mit der Zeit ändern? Wie sorgt ein heute 30-Jähriger vor? Wie ein heute 50-Jähriger?

Ganz entscheidend für den Vorsorge-Mix ist die Bereitschaft, Wertschwankungen hinzunehmen. Während die Sparraten bei einfachen Zinsanlagen nominal stets erhalten bleiben, schwanken Aktienfonds, Immobilien und Edelmetalle täglich. Nicht jeder hat ein entsprechendes Nervenkostüm. Die richtige Dosis wertschwankungsanfälliger Anteile der Altersvorsorge ist also individuell von der Risikobereitschaft abhängig.

Aber auch Sicherheitsorientierten rate ich wenigstens zu einer gewissen Streuung, denn was heute sicher ist, kann über 40 Jahren gesehen durchaus riskant sein, und sei es auch nur die Inflation, die stetig am Wert nagt. Solange sich die Risikobereitschaft aber nicht ändert, kann ein 50-Jähriger denselben Vorsorge-Mix haben wie ein 30-Jähriger. 

Stichwort Kosten: Mit welchen prozentualen Abschlägen muss ich rechnen?

Nun, Magier mögen es für gewöhnlich nicht, wenn man ihre Tricks verrät. Dasselbe gilt für die "Zauberer“ der Finanzindustrie, die in ihren Glaspalästen sitzen. Vor allem dann nicht, wenn ihre Zauberkunststückchen darin bestehen, Teile der Erträge aus den Geldanlagen ihrer Kunden über diverse Kostenposten völlig legal in die eigenen Taschen umzuleiten. Doch genau das ist der Trick, mit dem sie es schaffen, ihr eigenes Vermögen beständig zu mehren und unter anderem besagte Glaspaläste aus dem Hut zu zaubern.

Wichtig ist, Anlageformen zu wählen, die bei ähnlichen Erfolgschancen niedrige Kosten ausweisen. Wenn eine Lebensversicherung oder private Rentenversicherung in Frage kommt, sind die Wahl des Anbieters und dessen Kostenquoten entscheidende Gesichtspunkte für den langfristigen Erfolg der Anlage. Die einschlägigen Vergleiche in Finanzzeitschriften sind hier bares Geld wert.

Bei Fonds können Sie die laufenden Kosten generell minimieren, indem Sie sich für Fonds mit niedriger Kostenbelastung entscheiden. Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, abgekürzt TER) drückt aus, welcher Prozentsatz des Vermögens bei Fonds jährlich für Kosten anfällt. Die Spanne reicht von nahe Null bis über zwei Prozent jährlich.

Anlagevermittler leben von den Provisionen und kommen immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie angeblich nicht objektiv beraten. Sind Honorarberater die besseren Vermittler? Und: Für wen eignen sich diese am ehesten?

Wer als Finanzvermittler auf Provisionen angewiesen ist, kann nicht mehr ausschließlich im Interesse des Ratsuchenden beraten. Er wird bestimmte Produkte verkaufen und andere nicht. Das ist beim Honorarberater nicht der Fall. Das ist ein gewichtiges Argument und es gilt für Kleinanleger wie für Vermögende gleichermaßen.

Aber auch bei der Honorarberatung ist der Verbraucher nicht vor dem eigenen finanziellen Interesse des Beraters gefeit. Honorarberater leben davon, dass Verbraucher ihren Rat suchen, etwa wegen geänderter Trends oder neuer Entwicklungen an den Märkten, auf die man unbedingt reagieren müsse.

Solange es keine Finanzaufsicht gibt, die die Qualität der Vermittlung und der Honorarberatung überwacht und die Fehlverhalten sanktioniert, wird die miserable Beratung in diesem Land leider nicht verschwinden und den Anlegern bleibt nichts anders übrig, als ihrem Berater zu vertrauen oder sich selbst schlau zu machen.

Die Fragen stellte Wirtschaftsredakteur Martin Mrowka.

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