Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Bei Ihrer Bank werden Sie ├╝bers Ohr gehauen

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 02.09.2020Lesedauer: 4 Min.
Bankberatung (Symbolbild): Viele Menschen lassen sich noch immer in der Bankfiliale beraten. Das kann aber teuer werden.
Bankberatung (Symbolbild): Viele Menschen lassen sich noch immer in der Bankfiliale beraten. Das kann aber teuer werden. (Quelle: getty-images-bilder)
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Traditionelle Banken und Sparkassen k├Ânnen den Interessenkonflikt zwischen eigenem Gewinn und Kundenbed├╝rfnissen immer schlechter ausbalancieren. F├╝r Anleger bedeutet das nichts Gutes.

Die Sache h├Ątte ganz einfach werden k├Ânnen: Das Kind bekommt als Azubi sein erstes Geld und will einen Sparplan abschlie├čen (die Eltern sind gro├čz├╝gig und verzichten auf Kostgeld und Mietbeteiligung, es bleibt also etwas ├╝brig). Bei einem der vielen Online-Bankdienstleister gar kein Problem, meint das Kind.

Die Eltern aber ÔÇô immer noch gepr├Ągt vom Weltspartag und dem Glauben, man werde fair beraten, wenn man die ├Ârtliche Bankfiliale aufsucht ÔÇô empfehlen den pers├Ânlichen Kontakt. Um es vorauszuschicken: Das war ein Fehler.

Es gibt eine Art Mainstream unter Anlageempfehlungen: Wer sich als Jugendlicher oder junger Erwachsener erstmals mit dem Thema Geldanlage besch├Ąftigt, sollte ein unkompliziertes Produkt aussuchen, das voraussichtlich ein bisschen Freude macht, im Notfall schnell fl├╝ssig zu machen ist, und in der Verwaltung nicht viel kostet.

Passive Fonds als beste Anlagem├Âglichkeit

Staatsanleihen und Sparb├╝cher bringen keine Zinsertr├Ąge, machen also keine Freude. Aktiv verwaltete Aktienfonds kosten hohe Verwaltungsgeb├╝hren, sind also zu teuer. Deshalb empfehlen die Anlageexperten in der Regel einen ETF, einen Exchange Traded Fund.

ETF sind eigentlich doofe Produkte. Sie bilden stur einen Aktienindex nach, indem entsprechend der Marktwerte und des Gewichtes eines Unternehmens in einem Index die entsprechenden Aktien zu einem Fonds zusammengebaut werden.

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Anpassungen werden vom Computer automatisch gemacht: Wenn beispielsweise ein Unternehmen wie Wirecard aus dem Index fliegt, wird es automatisch auch im ETF durch Delivery Hero ersetzt.

Bankberater will drei teure Vertr├Ąge verkaufen

Man sollte also annehmen, dass auch der ├Ârtliche Sparkassenberater seiner jugendlichen Kundin genau das empfehlen w├╝rde. Macht er aber nicht. Der Mann schreitet zum Flip-Chart und schreibt "250 ÔéČ" darauf.

Drei Pfeile f├╝hren von diesem monatlichen Sparbetrag zur vorgeschlagenen Anlagestrategie: ein Riester-Vertrag wird empfohlen, eine private Altersvorsorge angepriesen, der Rest soll in einen aktiv gemanagten Aktienfonds investiert werden.

  • Der Riester-Vertrag: F├╝r eine 17-J├Ąhrige, die nach der Berufsausbildung studieren will, eine denkbar fragw├╝rdige Empfehlung. Zwar gibt es die staatliche F├Ârderung, aber nach zwei bis drei Jahren muss der Vertrag erst einmal beitragsfrei gestellt werden, weil die Studentin ja eine Zeit lang nichts verdient. Nach drei bis f├╝nf Jahren Studium sieht die Welt wahrscheinlich anders aus. Will sie den Vertrag dann k├╝ndigen, bleibt beim R├╝ckkauf bestenfalls ein minimales Plus, au├čerdem m├╝ssen die staatlichen Pr├Ąmien zum gr├Â├čten Teil zur├╝ckgezahlt werden.
  • Die private Altersvorsorgepolice: Hier gilt dasselbe wie f├╝r das Riestern. Dazu aber kommt ein weiteres Argument, das der freundliche Sparkassenangestellte der Geldanlage-Anf├Ąngerin geflissentlich verschweigt. Junge Erwachsene wollen und m├╝ssen gelegentlich schnell an ihr Erspartes. Irgendwann werden sie vielleicht ihr Studentenzimmer einrichten wollen, eine Zusatzausbildung, eine Reise oder ein eigenes Auto finanzieren, im schlimmsten Fall m├╝ssen sie eine Zeit ohne Einkommen ├╝berbr├╝cken. Haben sie ihr Geld dann in gleich zwei langfristige Vertr├Ąge gesteckt, kommen sie nur mit Verlusten wieder heraus. F├╝r die Bed├╝rfnisse junger Erwachsener grenzt das an K├Ârperverletzung.
  • Der aktiv gemanagte Aktienfonds: F├╝r den vergleichsweise d├╝rftigen Rest der Spar-Summe einen Aktienfonds zu empfehlen, ist ebenfalls nicht fair. Zwar entwickeln sich die B├Ârsenpapiere zurzeit sehr erfreulich, doch aktiv gemanagte Fonds kosten neben Depot- und Transaktionsgeb├╝hren auch noch Geld f├╝r das Management. Fortgeschrittene Anleger, die an die Expertise ihrer Fondsmanager glauben, sind damit oft gut bedient. Aber eine Anf├Ąngerin, die das Depot m├Âglicherweise schon bald wieder liquidieren will?

Kunden werden nicht mehr fair beraten

Drei Vertr├Ąge, drei Provisionen f├╝r die Bank ÔÇô die am Ende nat├╝rlich vom Kunden bezahlt werden m├╝ssen. In diesem Fall von einer Auszubildenden. Der Sparkassenangestellte hat mit seiner Empfehlung in seinem eigenen Interesse beraten. Er wollte die Naivit├Ąt seiner jungen Kundin zu seinen Gunsten nutzen.

Diese Provisionsgesch├Ąfte werden f├╝r die Banken in Nullzinszeiten immer wichtiger. Daf├╝r verzichten sie jedoch darauf, junge (und wahrscheinlich auch ├Ąltere) Kunden fair zu beraten und langfristig an sich zu binden. Denn wenn den Jugendlichen nach ein paar Jahren aufgeht, dass sie ausgenutzt wurden, werden sie die Sparkasse aus ihrem Adressbuch streichen. Zu Recht.

Nur, weil die Auszubildende minderj├Ąhrig war und deshalb von ihren Eltern begleitet werden musste, wurde die Sache gestoppt. Einen ETF-Sparplan aber wollte der Mann auch dann noch nicht verkaufen. Die Sparkassen h├Ątten so etwas gar nicht, bedauerte er.

Auch der Verweis auf die Website der Sparkassen, auf der genau solche Sparpl├Ąne angepriesen werden, ├╝berzeugte ihn nicht. Die entnervten Eltern und die Auszubildende gaben auf. Sie haben ein kostenfreies Onlinedepot er├Âffnet, mit dem die Verm├Âgensbildung nun startet.

Filialbanken und Sparkassen graben sich Existenzgrundlage ab

Statt auf einen echten freundlichen Bankberater ("Wir duzen uns, ja?") zu setzen, wird die junge Frau ihr Geld k├╝nftig bei einem Online-Dienstleister anlegen. So graben sich die traditionellen Banken, die den Interessenkonflikt zwischen Eigen- und Kundeninteresse immer schlechter ausbalancieren k├Ânnen, ihre Existenzgrundlage ab.

Post Scriptum ÔÇô Mail vom Sparkassenmann: "Wenn Sie mir die Chance geben, Sie und Ihre Tochter von unseren Produkten zu ├╝berzeugen, verspreche ich Ihnen faire Beratung."

Warum erst jetzt? Und warum nur f├╝r die Kunden, die misstrauisch sind?

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Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Gemeinsam mit t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft produziert sie den Podcast .

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