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Immobilienkauf: So können sich auch junge Leute das Eigenheim leisten

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So können sich auch junge Leute das Eigenheim leisten

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

06.07.2021, 11:47 Uhr
Immobilienkauf: So können sich auch junge Leute das Eigenheim leisten. Bauarbeiten in einem Neubaugebiet (Symbolbild): Junge Leute sollten nicht auf die Hausfinanzierung durch ihre Eltern setzen, sagt Kolumnistin Ursula Weidenfeld. (Quelle: imago images/ULMER Pressebildagentur)

Bauarbeiten in einem Neubaugebiet (Symbolbild): Junge Leute sollten nicht auf die Hausfinanzierung durch ihre Eltern setzen, sagt Kolumnistin Ursula Weidenfeld. (Quelle: ULMER Pressebildagentur/imago images)

Angeblich können junge Erwachsene sich heute kein Wohneigentum mehr leisten. Es geht der Mythos um, dass sie auf elterliche Finanzspritzen angewiesen sind. Das stimmt nur für wenige Großstädte.

Wenn junge Leute sich eine Wohnung kaufen oder ein Haus bauen wollen, schicken die Bankberater sie heutzutage erst einmal zu den Eltern, und danach zu Oma und Opa. Dort sollen sie um Geld betteln, damit aus dem Traum vom Eigenheim etwas wird. Entschuldigung, aber das ist verrückt!

Wer sich mit Mitte dreißig, Anfang vierzig am Ersparten der Eltern bedienen muss, sollte sich die Sache mit dem eigenen Haus vielleicht doch noch einmal überlegen. Die Eltern sollten die Bauwilligen viel eher aus einem anderen Grund um Rat bitten: Sie sollen ihnen erzählen, wie hart es ist, für eine eigene Immobilie zu sparen, sie zu bauen, und sie anschließend abzubezahlen. Wer danach immer noch nach etwas Eigenem strebt, sollte zügig anfangen.

Auch Jüngere können sich ein Eigenheim leisten

Es ist ein hartnäckiger Mythos, der sich um den Traum von der Eigentumswohnung im 21. Jahrhundert rankt: Anders als die Generation ihrer Eltern könnten sich die Dreißig- bis Vierzigjährigen von heute kein Haus mehr leisten, sie seien dazu verdammt, ein Mieterdasein zu fristen – es sei denn, die Eltern helfen.

Dazu ist einiges festzustellen:

Erstens: Die Deutschen waren schon immer ein Volk von Mietern. Zwar träumen 80 Prozent der jungen Erwachsenen davon, irgendwann ein eigenes Haus zu beziehen. Doch nur die Hälfte tut es später tatsächlich. Nicht bei allen ist fehlendes Geld der Grund.

Manche möchten sich nicht für Jahrzehnte auf eine Stadt, eine Straße, einen Arbeitgeber festlegen. Andere haben keine Lust, für jeden Rohrbruch selbst verantwortlich zu sein. Vielen fällt es schwer, über Jahre auf schöne Urlaubsreisen oder ein neues Auto zu verzichten. Und einige wenige können rechnen: Die Erwartung, am Eigenheim oder der selbstgenutzten Eigentumswohnung zu verdienen, ist oft trügerisch. Nicht alle Häuser steigen im Wert. Die meisten nutzen sich ab und bringen keine Rendite, wenn sie nach ein paar Jahrzehnten verkauft werden. Unterhalts-, Sanierungs- und Renovierungskosten erreichen oft den Charakter einer zweiten Miete. 

Immobilienkredite sind günstig zu haben

Zweitens: Sind Immobilien tatsächlich zu teuer für junge Erwachsene? In einigen wenigen Großstädten – München, Frankfurt, Hamburg, Berlin – sind sie das. Doch für die allermeisten Hausinteressierten stimmt es nicht. Zwar sind die Hauspreise in den vergangenen Jahren auch in kleineren Städten und auf dem Land deutlich gestiegen. Doch die verfügbaren Einkommen sind innerhalb einer Generation genauso schnell gewachsen, die Zinsen für Immobilienkredite dagegen dümpeln nahe ihres historischen Tiefststandes.

Für die Eltern, die vielleicht in der Mitte der siebziger Jahre gebaut haben, war eine Immobilie weniger erschwinglich. Sie haben sich dauerhaft eingeschränkt, um den Traum zu verwirklichen. Dazu ist die heutige Bauherrengeneration nur noch bedingt bereit.

Drittens: Größe kostet. Anfang der neunziger Jahre hatte jeder Einwohner durchschnittlich eine Wohnfläche von knapp 35 Quadratmetern zur Verfügung. Heute sind es 47. Für eine vierköpfige Familie heißt das: Statt 140 Quadratmetern Wohnfläche muss sie knapp fünfzig Quadratmeter mehr finanzieren. Klar, das ist nur der Durchschnitt, im Einzelfall sieht die Rechnung gerade bei Familien anders aus.

Doch es wird nicht nur größer gebaut als früher, es muss auch aufwendiger geplant werden: Klima- und Wärmeschutzauflagen machen das Bauen teurer, die Steuern und Nebenkosten für das Bauen sind gestiegen. Das freistehende Einfamilienhaus wird für viele ein Traum bleiben.

Immobilienkauf bedeutet langfristige Sparsamkeit

Viertens: Eigenkapital. Wer in den eigenen vier Wänden wohnen möchte, fängt am besten sehr früh an zu sparen und Geld anzulegen. Das ist im Augenblick zwar nicht attraktiv, weil es keine Zinsen für das Guthaben gibt. Doch es führt kein Weg daran vorbei. Nicht nur, weil man etwa zwanzig Prozent der Kaufsumme als Eigenkapital mitbringen sollte, wenn man wegen des Immobilienkredits zur Bank geht – hier sind die gestiegenen Preise natürlich eine schwere Belastung. Sondern auch, weil man anschließend weitermachen muss damit.

Niemand sollte eine Wette darauf machen, dass die Anschlussfinanzierung ebenfalls zum Fast-Nullzins möglich ist. Mindestens ein Drittel des verfügbaren Einkommens sollte für das Wohnen reserviert werden, besser mehr. Denn spätestens zu Beginn des Ruhestands sollte die Immobilie abbezahlt sein. Denn wer im Alter mietfrei wohnen kann, hat mehr von der Rente. Das aber bedeutet, sich im Erwerbsleben dauerhaft zu beschneiden, was Konsum- und Urlaubswünsche betrifft.

Fünftens: Die Eltern. Die Grundsatzfrage aber lautet: Muss man für den Eigenheimbau heute, anders als früher, die Hilfe der Eltern oder Großeltern in Anspruch nehmen? Abgesehen von den Großstädten ist das keine Generationen-, sondern eine Geschmackssache. Fast ein Drittel der Eltern in Deutschland unterstützt auch die erwachsenen Kinder regelmäßig mit Geld.

Klar: Es ist bequemer, wenn man einen Vorgriff auf das erwartete Erbe bekommen kann. Doch erwachsen ist es nicht, und unabhängig wird man auch nicht, wenn man dauerhaft über die eigenen Verhältnisse lebt.

Erwachsen zu werden heißt, die eigenen Träume an die Lebenswirklichkeit anzupassen. Sich ein Leben lang vom Konto der Eltern abhängig zu machen, bremst diesen Prozess.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Im August erscheint ihr neues Buch: Die Kanzlerin. Porträt einer Epoche. Sie können es jetzt schon vorbestellen. 

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