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Experten im Streit: Ölboom durch Fracking oder Heizöl-Preisexplosion

Von dpa, afp, t-online
27.02.2013Lesedauer: 4 Min.
In den USA boomt die Förderung von Erdöl
In den USA boomt die Förderung von Erdöl (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Der jüngste Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Thema Fracking in Deutschland hat die Diskussion um die Kosten von Öl, Erdgas und Heizöl neu entfacht. Steht die Welt dank der von vielen gefürchteten Technologie vor einem neuen Ölboom? Und werden deswegen die Energiepreise sinken? Oder steigen die Preise für Heizöl und Benzin wegen der Bevölkerungsexplosion und der Inflationspolitik in den kommenden 20 Jahren auf ungeahnte Höhen? Für beide Szenarien gibt es Argumente.

Grüne befürchten Verdoppelung des Heizöl-Preises

An vorderster Front der Energiepreis-Skeptiker stehen die Grünen: Die Bundestagsfraktion hat zwölf Millionen Haushalte mit Ölheizung in der vorletzten Woche heftig erschreckt. Der Preis für einen Liter Heizöl, der im vergangenen Jahr mit 90 Cent im Durchschnitt ein Rekordniveau erreicht hat, werde bis 2030 auf 1,84 Euro steigen, heißt es in einer Studie des Hamburger Energieexperten Steffen Bukold im Auftrag der Fraktion.

Damit werde Heizöl nicht nur zu einer klimapolitischen Herausforderung, sondern auch zu einem drängenden sozialpolitischen Problem. Die Kosten für eine Tankfüllung von 3000 Litern könnten sich auf 5520 Euro mehr als verdoppeln. Verglichen mit dem Jahr 2002 würde Heizöl dann sogar das Fünffache kosten. Betroffen wären nicht nur Eigenheimbesitzer, sondern vor allem Mieter in älteren Mietshäusern. Beim Neubau von Wohnungen spielt die Ölheizung kaum noch eine Rolle.

Ölwirtschaft hält dagegen

Die Ölwirtschaft hat andere Argumente: "Bei derartigen Studien tut sich der Verdacht eines leicht durchschaubaren Täuschungsmanövers auf", erklärte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV). "Hier soll offenbar von der Debatte um die explodierenden Stromkosten aufgrund des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG-Umlage) abgelenkt werden." Noch nie seien die Ölreserven so groß gewesen wie heute; die weltweite Ölversorgung sei auf viele Jahrzehnte hinaus gesichert. Durch die Gewinnung unkonventionellen Öls würden derzeit neue Reserven erschlossen.

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Die Hoffnungen der Ölbranche richten sich auf Tiefseeöl, auf Ölsände und auf Schieferöl. Mit der Methode des hydraulischen Aufbrechens von tiefen Gesteinsschichten, bekannt als Fracking, haben die USA schon einen neuen Öl- und Gasboom eingeleitet.

Billiges US-Öl durch Fracking

Ein Barrel (159 Liter) Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) ist in den USA regional bereits 20 Dollar billiger als Brent aus Europa. In den USA sinken die Importe, das Land ist auf dem Weg zum Selbstversorger.

Die Experten der Commerzbank wiesen auf Anfrage von t-online.de darauf hin, dass Fracking in den USA in der Tat für günstigere Preise sorge - die US-Rohölbestände haben demnach in der vorigen Woche auf dem höchsten Stand für diesen Zeitpunkt des Jahres seit über 30 Jahren notiert.

"Eine langfristige Erschließung der weltweiten Schieferölvorkommen würde den Ölpreis langfristig deutlich sinken lassen und das globale Wirtschaftswachstum beflügeln", heißt es in einer Marktstudie der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC). Rohöl könne nach dieser Studie bis 2035 sogar billiger werden als heute.

Auch der Energieriese BP, der schon aus eigenem Interesse viel Geld und Sorgfalt in die Erforschung der Energiemärkte steckt, rechnet mit steigender Bedeutung für unkonventionelles Öl und Gas. "Bis 2020 wird dieses Öl das gesamte Wachstum der globalen Ölversorgung abdecken, anschließend bis 2030 immer noch 70 Prozent", sagt BP-Chefvolkswirt Christof Rühl. "Die Sorge, dass uns das Öl ausgehen könnte, scheint immer weniger begründet." BP habe diese Sorge im übrigen nie geteilt.

Bevölkerungsexplosion und Inflationspolitik

Bukold lässt diese Argumente nicht gelten: "Seit mehr als zehn Jahren werde Rohöl immer teurer. Warum sollte dieser Trend plötzlich stoppen?", fragt der Experte. "Die Kräfte, die für steigende Ölpreise gesorgt haben, sind weiter aktiv." Laut Bukold ist die globale Rohölförderung aus konventionellen Quellen auf einem Plateau angelangt, von dem es kaum mehr aufwärts gehen kann. Zudem wachse die Weltbevölkerung bis 2035 nochmals um 1,5 Milliarden Menschen, die globale Wirtschaftsleistung verdoppele sich. Damit dürfte die Nachfrage das Angebot klar übertreffen und den Ölpreis in die Höhe treiben.

Es gibt für t-online.de ein weiteres Argument für steigende Energiepreise: Derzeit drucken sämtliche wichtigen Notenbanken auf der Welt Geld – unter dem Stichwort Quantitative Easing pumpt die Federal Reserve Milliarden in den Markt, auch die Europäische Zentralbank hat Anleihen von Krisenstaaten gekauft. Zudem kurbeln auch Russland und China seit Jahren mit frisch gedrucktem Papiergeld die Wirtschaft an, was dort zu Inflationsraten von über sieben Prozent geführt hat. Diese Geldpolitik ist einer der Gründe für die jahrelange Gold-Hausse und die Verteuerung von Lebensmitteln.

Fracking in Deutschland weiter unsicher

Damit stellt sich die Frage nach dem Fracking in Deutschland - ob dadurch in Deutschland zusätzliche Ölvorräte erschlossen werden oder nicht, ist im globalen Maßstab eher unerheblich. Wohl könnte Deutschland seine Importabhängigkeit von Energierohstoffen etwas reduzieren, falls die Vorräte so reichlich sind wie erhofft und auch abgebaut werden könnten. Das gilt vor allem für Gas. Nach der Einigung von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) über die Rahmenbedingungen des Frackings von Ölschiefer ist der politische Prozess weiter in vollem Gange. Da viele geologische, politische, wirtschaftliche und rechtliche Fragen noch offen sind, wird frühestens in einigen Jahren Gas aus gefracktem deutschen Schiefergestein fließen - oder auch nie.

Der Begriff "Fracking" steht für "hydraulic fracturing", was so viel wie hydraulisches Aufbrechen bedeutet. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein gepresst und dadurch Druck erzeugt, um Gas oder auch Öl freizusetzen. Kritiker bemängeln vor allem den Einsatz der Chemikalien, in denen sie eine Gefahr für das Trinkwasser sehen. In Trinkwasserschutzgebieten soll das Fracking in Deutschland laut Verordnungsentwurf verboten sein.

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