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Deutsche Topmanager neigen zu "Realitätsverlust"

Dramatisches Umfrageergebnis  

Deutsche Topmanager neigen zu "Realitätsverlust"

03.12.2015, 12:41 Uhr | dpa, t-online.de

Deutsche Topmanager neigen zu "Realitätsverlust". Eine Umfrage bescheinigt Topmangern deutscher Unternehmen einen problematischen Führungsstil.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Umfrage bescheinigt Topmangern deutscher Unternehmen einen problematischen Führungsstil. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In einer Umfrage stellen Unternehmensberater den Top-Managern deutscher Betriebe kein gutes Zeugnis aus. Im Gegenteil: Rund die Hälfte der befragten Berater erkennt bei den Führungskräften einen Trend zu "Realitätsverlust" und "Überheblichkeit" - mit möglicherweise dramatischen Folgen, wie der Abgasskandal von VW zeigte.  

Die Befragung von 308 Beratern der Personalberatung LAB & Company im Auftrag der "Süddeutsche Zeitung" (SZ) fand unter dem Eindruck der VW-Abgasaffäre und der problematischen Führungskultur in dem Konzern statt. So wie bei den Abgaswerten wurden Zielvorgaben offenbar einfach nach unten weitergereicht, ohne zu bedenken, wie diese von den Untergebenen umgesetzt werden können. Die Betrügereien waren deshalb hausgemacht.  

Betrugsanfällig durch schlechte Führungskultur

Nach den Worten von einem der Berater gibt es einen ähnlichen Realitätsverlust auch bei Top-Managern anderer Unternehmen. Dieser äußere sich in "Überheblichkeit und unangemessenem Verhalten". Der Einschätzung des Beraters stimmten bei der Befragung immerhin 69 Prozent seiner Kollegen zu. 

In Unternehmen, die solch eine Führungskultur pflegen, könne es deshalb zu ähnlichen Betrugsfällen wie der Abgasaffäre kommen. Besonders anfällig seien Branchen, in denen - so wie bei den Software-Manipulationen von VW - die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden könnten, um unrealistische Zielvorgaben zu erfüllen.

Nach Branchen ist davon laut 75 Prozent der Befragten die Versicherungswirtschaft besonders bedroht, gefolgt von Banken (53 Prozent) und der Automobilindustrie samt Zulieferern (45 Prozent).

Nach Einschätzung eines weiteren Beraters führt der gestiegene Kostendruck dazu, dass Mitarbeiter die Vorgaben durch allzu kreative Lösungen einzuhalten versuchten. Ursächlich dafür ist laut 61 Prozent der Befragten der gestiegene Einfluss, den Aktionäre und Investoren auf das Management ausüben. 58 Prozent der Berater machen den erhöhten Wettbewerbsdruck durch die Globalisierung dafür verantwortlich.

Widerspruch nicht nur zulassen, sondern fördern

Die wichtigste Maßnahme gegen Manipulationen und Betrügereien in Betrieben ist nach Meinung von 78 Prozent der Befragten eine Unternehmenskultur, die Kritik und Widerspruch nicht nur zulässt, sondern auch befürwortet.

In einer angsterfüllten Unternehmenskultur bleibe Ehrlichkeit zwangsläufig auf der Strecke, sagte Marcel Ramin Derakhchan von LAB & Company der "Süddeutschen". Die Aufsichtsräte müssten bei der Auswahl von Führungskräften deshalb stärker als bisher auch auf deren moralische Integrität achten.

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