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Angst vor der Rezession: Wenn der Trump-Boom nach hinten losgeht

Finanzmärkte  

Wenn die Trump-Blase platzt

19.01.2017, 08:03 Uhr | Henning Jauernig, Spiegel Online

Angst vor der Rezession: Wenn der Trump-Boom nach hinten losgeht. Börse in New York: Nach dem Wahlerfolg des Immobilienmoguls Donald Trump schossen die Aktienkurse nach oben. (Quelle: AP/dpa)

Börse in New York: Nach dem Wahlerfolg des Immobilienmoguls Donald Trump schossen die Aktienkurse nach oben. (Quelle: AP/dpa)

Trumps Wahlsieg hat einen Börsenboom ausgelöst, insbesondere die Aktienkurse der Banken schossen nach oben. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass der Optimismus übertrieben war.

In den New Yorker Bankentürmen löste Donald Trumps Wahlsieg Euphorie aus, die Aktien der größten US-Institute steigen seit Monaten. Allein die Papiere der US-Investmentbank Goldman Sachs haben zwischenzeitlich um fast 40 Prozent zugelegt.

Feierlaune an der Wall Street

Für die Partystimmung an der Wall Street gibt es zwei Gründe. Erstens hoffen die Banker, dass Trump die Branche kräftig dereguliert. Der künftige US-Präsident hat angekündigt, die nach der Finanzkrise 2008 beschlossenen Maßnahmen zu überprüfen und möglicherweise zurückzufahren. Die Geldhäuser könnten, so die Hoffnung der Banker, bei einer laxeren Regulierung wieder größere Gewinne einfahren.

Zweitens profitieren die US-Banken vom brummenden Handel mit Wertpapieren an den Finanzmärkten. Die Aussicht auf schnelleres Wachstum durch ein von Trump angekündigtes Konjunkturprogramm hat die US-Börsen seit den Wahlen beflügelt. Der US-amerikanische Leitindex Dow Jones kletterte auf insgesamt elf neue Rekordstände und steht erstmals in seiner Geschichte kurz davor, die Marke von 20.000 Punkten zu durchbrechen.

Diese sogenannten "Trump-Trades" stärkten auch das Geschäft der US-Banken. Der Gewinn von Goldman Sachs vervierfachte sich fast im vierten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahr. Die Bank strich allein in den letzten drei Wintermonaten einen gigantischen Gewinn von rund 2,1 Milliarden Dollar ein. Auch die Investmentbank Morgan Stanley verdoppelte ihren Gewinn im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr.

Nervosität macht sich breit

Doch nun mehren sich an den Märkten die Zweifel, ob der derzeitige Aufwärtstrend nachhaltig ist. "Die derzeitigen Höchststände machen mich nervös", sagte Yousef Abbasi, Kapitalmarktstratege bei Jones Trading, dem "Wall Street Journal". Und Jeremy Klein, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter FBN Securities, sagte "CNBC": "Finanzwerte stehen weit, weit besser da, als es ihnen eigentlich geht." Die Rallye seit Trumps Wahlsieg sei völlig übertrieben.

Tatsächlich wirkt die Grundlage des Booms wacklig. Als Trump den Dollar nun als "zu stark" bezeichnete, fielen prompt die Kurse der Banken, weil ein möglicher schwächerer Dollar die US-Wirtschaft empfindlich treffen würde. Anleger würden ihr Geld dann lieber im Ausland investieren. Am Dienstag brach der US-amerikanische Bankenindex um rund 3,4 Prozent ein und verzeichnete damit den stärksten Kurseinbruch seit sechs Monaten. Trumps unorthodoxe Ansicht über die eigene Landeswährung machte die Banker nervös.

Die Kurse reagieren derzeit empfindlich auf jegliche Äußerung Trumps. "Die Unsicherheit ist hoch, weil völlig unklar ist, wie sich Trumps Maßnahmen insgesamt auswirken werden", sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan in Deutschland. Schließlich hassten Fondsmanager nichts so sehr wie Unsicherheit und unklare Aussagen.

Auch der am Dienstag veröffentlichte "Global Fund Manager Survey", eine renommierte Umfrage unter amerikanischen Großinvestoren, zeigt, dass Anleger vorsichtiger werden und große Risiken für die Finanzbranche sehen: Fast 30 Prozent aller Befragten fürchten im Jahr 2017 Handelskriege. 24 Prozent sehen die Gefahr, dass die amerikanische Regierung im neuen Jahr große Fehler begeht.

Trump-Boom könnte Rezession auslösen

Die dahinterliegende Sorge: Trumps Konjunkturprogramm könnte die bereits gut laufende US-Wirtschaft überhitzen. Der Boom würde die Preise nach oben treiben. Die Inflation steigt also - und um gegenzusteuern, müsste die US-Notenbank Fed die Leitzinsen erhöhen. Damit bestünde die Gefahr, dass das Land in eine Rezession rutscht.

Die Fed bereitet sich bereits auf ein mögliches "Boom-Bust-Szenario" vor: Sie steht bereit, die Zinsen zu erhöhen, um die Konjunktur abzukühlen. Auch private Investoren stocken ihre Bargeldbestände auf, um sich gegen drohende Risiken abzusichern. Laut der Studie stiegen die Bargeldvorräte der Fondsmanager im Durchschnitt deutlich an. Die Anleger wollen für den Trump-Boom gewappnet sein.

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