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Der Leitzins der EZB: Was er bedeutet – und welche Zinssätze es noch gibt


Die Geldpolitik der Zentralbank  

Was der Leitzins der EZB mit Ihnen zu tun hat

Von Sabrina Manthey, Mauritius Kloft

22.04.2021, 16:37 Uhr
Was die EZB-Zinspolitik für Sie bedeutet

Was ist Zinspolitik und wie beeinflusst sie unseren Geldalltag? t-online erklärt die wichtigsten Fakten zur Senkung und Anhebung des Leitzinses. (Quelle: t-online)

Zinspolitik: t-online erklärt, wie sie unseren Geldalltag beeinflusst. (Quelle: t-online)


Seit Jahren verharren die Zinsen im Euroraum auf dem Nullpunkt. Eine Zinswende ist auch in Zukunft nicht zu erwarten. Was Sie zum Zinsentscheid und den Instrumenten der EZB wissen sollten.

Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihre geldpolitischen Sitzungen hält, sind alle Augen nach Frankfurt am Main gerichtet. Vor allem der Zinsentscheid, den EZB-Chefin Christine Lagarde regelmäßig verkündet, zeigt Ihnen als Privatanlegern, wie es um Ihre künftige Vermögensplanung bestellt ist.

t-online erklärt Ihnen, welche Zinssätze der EZB zur Verfügung stehen, was diese für die Anleger bedeuten – und welche Bedeutung der Zinsentscheid wirklich hat.

Welche Instrumente stehen der EZB zur Verfügung?

Die Europäische Zentralbank ist die Notenbank der Eurozone. Sie sorgt dafür, dass alle Mitgliedsstaaten ausreichend mit Geld versorgt sind. Außerdem hütet sie den Euro, die Gemeinschaftswährung vieler EU-Staaten.

Die EZB hat ein zentrales Ziel: Die sogenannte Preisniveaustabilität. Das heißt: Die EZB versucht, die Inflation, also die Teuerung, auf stabilem Niveau zu halten. Sie strebt in der Eurozone mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an.

Der Grund für das Ziel der Preisstabilität: Stagnierende oder fallende Preise können Verbraucher und Unternehmen verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das kann die Konjunktur bremsen.

Geldpolitisches Instrument Nr.1: Zinspolitik

Um dieses Ziel zu erreichen, stehen der EZB verschiedene geldpolitische Instrumente zur Verfügung, mit denen sie indirekt auf die Geld- und Kapitalmärkte einwirkt. Ein wesentlicher Aspekt der geldpolitischen Lenkung ist die Zinspolitik.

Drei Zinssätze sind hierbei von Bedeutung. Sie bestimmen, zu welchen Bedingungen sich Geschäftsbanken bei den Noten- und Zentralbanken entweder Geld beschaffen oder dieses anlegen können. Die Rede ist von dem Hauptrefinanzierungszins, dem Einlagenzins und dem Spitzenrefinanzierungszins (siehe unten).

Neben der Zinspolitik spielt auch der Ankauf von Anleihen seit einigen Jahren eine wichtige Rolle im Instrumentenkasten der Notenbank. Was Sie zu Staatsanleihen wissen sollten, lesen Sie hier.

Welche Zinssätze legt die EZB fest?

Nicht nur den Leitzins bestimmt die EZB. Auch weitere Zinssätze kann sie festlegen. Eine Übersicht:

Hauptrefinanzierungssatz

Der Hauptrefinanzierungssatz ist der wichtigste Zinssatz für den Euroraum. Auf ihn nimmt man Bezug, wenn man vom Leitzins spricht. Das etwas sperrige Wort ist einfach erklärt: Der Hauptrefinanzierungssatz meint den Zinssatz, zu dem sich Kreditinstitute bei der Zentralbank Geld beschaffen, sich also refinanzieren können.

Grundlage der zinspolitischen Kursrichtung ist die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum. Ziel der EZB ist, die Konjunktur am Laufen zu halten und bei einem stabilen Preisniveau die Inflationsrate mittelfristig auf knapp unter zwei Prozent zu bewegen. Um das zu erreichen, können Zinsen entweder angehoben oder auch gesenkt werden.

Erhöht die Zentralbank den Zinssatz, verteuert sich die Geldaufnahme für die Kreditinstitute. Senkt sie den Satz, stellt sie den Banken billiges Geld zur Verfügung. Die Banken wiederum geben diese Konditionen meist an ihre Kunden weiter.

Der Leitzins im Euroraum verharrt seit März 2016 bei null Prozent. Experten erwarten, dass dies noch weiterhin der Fall sein wird. Wegen dem Zinssatz spricht man auch von der Null-Zins-Politik der EZB.

Spitzenrefinanzierungssatz

Der Spitzenrefinanzierungssatz gibt an, zu welchen Konditionen sich Geschäftsbanken kurzfristig über Nacht Geld bei der Zentralbank beschaffen können.

Mit den Übernachtkrediten können sich Kreditinstitute sehr schnell refinanzieren – zum Beispiel auch um gesetzliche Mindestreserven zu erfüllen.

Einlagenfazilität

Die Einlagenfazilität bezeichnet den Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken über Nacht überschüssiges Geld bei den Notenbanken parken können, also kurzfristig anlegen können. Ziel der EZB ist, dass Unternehmen investieren, Verbraucher konsumieren und so die Konjunktur ankurbeln. 

Und hier wird es ebenfalls für Sparer und Konsumenten interessant. Die EZB will nämlich aus besagten Gründen nicht, dass die Banken das Geld der Anleger nicht nur parken, sondern tatsächlich an Verbraucher weiterreichen – etwa in Form von Krediten. Um den Druck auf die Banken zu erhöhen, senkte die EZB den Zinssatz für die Einlagenfazilität auf minus 0,50 Prozent.

Das heißt, die Banken bekommen kein Geld für das Parken ihrer Überschüsse, sondern sie müssen der EZB gar einen Zins zahlen – den Negativzins. Zwar gibt es auch Freibeträge, doch die reichen oft nicht aus, um die Kosten der Banken zu decken, die sie durch den Einlagenzinssatz haben. In der Praxis sieht es also so aus, dass die Banken die Kosten an ihre Kunden weiterreichen.

Während sich bereits manche Unternehmen und vermögende Anleger mit Negativzinsen anfreunden mussten, blieben Kleinsparer bislang von diesem Schritt verschont. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die Banken diese Kosten flächendeckend weiterreichen.

Welche Rolle spielt der Zinsentscheid der EZB?

Eine große. Die EZB, besser gesagt der EZB-Rat, tagt alle sechs Wochen zu geldpolitischen Fragen, immer donnerstags. Nach ihrer geldpolitischen Sitzung verkündet die EZB ihre Entscheidung über den Leitzins, die anderen Zinssätze – und das Anleihevolumen. Die landläufig auch als "Zinsentscheid" bezeichnete Sitzung wird von Investoren, Bankern und Politikern mit Spannung erwartet – doch auch für Privatanleger ist sie bedeutend.

Sollte die EZB Ihren Leitzins anheben, würde dadurch die Aufnahme von Krediten teurer – gleichzeitig könnte es auf dem Sparbuch wieder Zinsen geben. Doch auch wenn der Zins gleich bleibt, verkündet Lagarde womöglich noch andere Änderungen, etwa zu anderen Zinssätzen oder eine Ausweitung ihres Anleiheankaufprogramms.

Darüber hinaus beobachten Investoren genau, wie Christine Lagarde die geldpolitischen Schritte begründet – und ob sich zwischen den Zeilen eine Änderung des aktuellen geldpolitischen Kurses herauslesen lässt. Das kann Auswirkungen auf Aktien-, Anleihe- oder Wechselkurse haben.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Europäische Zentralbank
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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