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Profitieren deutsche Unternehmen von Zwangsarbeit in China?

Von afp, fls

Aktualisiert am 02.03.2020Lesedauer: 3 Min.
Ein Uigure hält ein Plakat hoch: Die chinesische Regierung bezeichnet Gefangenenlager als "Berufsbildungszentren".
Ein Uigure hält ein Plakat hoch: Die chinesische Regierung bezeichnet Gefangenenlager als "Berufsbildungszentren". (Quelle: Jorge Silva/Reuters-bilder)
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In einem Bericht klagt ein australischer Thinktank zahlreiche westliche Firmen an: Sie sollen Nutzen aus Zwangsarbeit der Uiguren-Minderheit in China ziehen. Betroffen sind auch deutsche Unternehmen.

Dutzende internationale Unternehmen, darunter auch zahlreiche aus Deutschland, profitieren einer Studie zufolge von der Zwangsarbeit von Uiguren in China. Das geht aus einem Bericht des Australian Strategic Policy Institute (Aspi) hervor.

Demnach hätten die chinesischen Behörden zwischen 2017 und 2019 mehr als 80.000 Angehörige der muslimischen Minderheit, die in Arbeitslagern in der Provinz Xinjiang interniert waren, in andere Teile Chinas gebracht. Dort müssten sie unter strenger Überwachung in Fabriken arbeiten.

Diese Fabriken seien Teil der Zulieferketten von mindesten 83 bekannten internationalen und chinesischen Marken in der Technologie-, Textil- und Automobilbranche, erklärte Aspi am Montag. Zu diesen Unternehmen gehörten etwa Samsung, Sony, Microsoft oder Nokia, aber auch die deutschen Sportartikelhersteller Adidas und Puma.

Bericht: Auch Daimler, BMW und Volkswagen profitieren

Auch H&M, Lacoste oder Gap profitierten von der Zwangsarbeit. Unter den Autobauern werden BMW, Daimler, Volkswagen, Land Rover und Jaguar genannt. Diese Unternehmen müssten "schleunigst" und "genauestens" prüfen, ob in den Fabriken ihrer Zulieferer in China die Menschenrechte eingehalten werden, forderte Aspi.

Die chinesische Regierung steht wegen ihres Vorgehens gegen die Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Minderheiten in Xinjiang international stark in der Kritik. Schätzungen zufolge soll China rund eine Million Uiguren in Umerziehungslagern inhaftiert haben. Peking hatte die Existenz der Lager zunächst bestritten und spricht heute von "Berufsbildungszentren" zur Deradikalisierung.

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"Überzählige" Arbeitskräfte würden in andere Regionen gebracht, um die Armut zu bekämpfen. Der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wurden so 2019 mehr als 25.000 Arbeiter aus Xinjiang "transferiert".

Chinas Regierung weist Vorwürfe zurück

In dem Bericht des australischen Instituts wird im Detail auf eine Fabrik in Qingdao im Osten Chinas eingegangen. In dem Werk werden Sportschuhe für Nike hergestellt. Als weiteres Beispiel führt Aspi eine Fabrik in Kanton im Süden des Landes auf, in der Fertiungsteile für Apple produziert werden. In der Fabrik, die 2017 auch Apple-Chef Tim Cook besucht hatte, würden uigurische Arbeiter "umerzogen".

Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe des Aspi am Montag zurück. Dem Bericht lägen keine Fakten zugrunde, erklärte das Außenministerium in Peking. Vielmehr ziele die Studie darauf ab, die "Erfolge Chinas bei der Bekämpfung des Terrorismus und Extremismus" in der Provinz herabzuwürdigen.

Die beschuldigten Unternehmen reagierten zurückhaltend. Volkswagen bekräftigte seine Verantwortung in allen Bereichen, in denen der Konzern über "direkte Autorität" verfüge. Allerdings sei keines der in der Studie erwähnten Unternehmen ein direkter Zulieferer von Volkswagen.

Wie gut überwachen die Unternehmen ihre Lieferketten?

Auch Daimler erklärte, die genannten Unternehmen seien keine direkten Lieferanten. Diese fordere Daimler allerdings dazu auf, "seine Standards und vertraglichen Verpflichtungen" einzuhalten.

BMW teilte mit, die Abfrage von Nachhaltigkeitsstandards direkter Lieferanten bereits in den Vergabeprozess integriert zu haben. Die Einhaltung sei ein "maßgebliches Entscheidungskriterium".

Der Sportartikelhersteller Puma erklärte, er habe keine direkten Bezüge zum chinesischen Garnhersteller Huafu. Dennoch hätten Zulieferer von Puma Garn bei dem Großunternehmen gekauft. Puma verfolge die Entwicklung aufmerksam und habe mit seinen Partnern über den Fall gesprochen.

"Zwangsarbeit ist für uns ein Ausschlusskriterium"

Adidas hat seine Zulieferer nach eigenen Angaben bereits zuvor angewiesen, keine Produkte und kein Garn aus der Region Xinjiang zu beziehen. "Bei allen Zulieferern und Subunternehmern ist Zwangsarbeit für uns ein Ausschlusskriterium für die Zusammenarbeit", erklärte der Sportartikelhersteller.

Apple verwies lediglich auf eine frühere Erklärung, wonach sich das US-Unternehmen dafür einsetze, dass alle Beschäftigten in den Lieferketten mit "Würde und Respekt" behandelt werden.

Gyde Jensen, Vorsitzende des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie menschenrechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, äußerte dagegen deutliche Kritik an den Konzernen. "Bisher haben Unternehmen wie VW, BMW und Adidas weitestgehend die Augen vor den Menschenrechtsverstößen in Xinjiang verschlossen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Kein deutsches Unternehmen dürfe direkt oder indirekt von dem chinesischen "Unterdrückungssystem" profitieren. "Durch eine proaktive Aufklärung können die betroffenen Firmen jetzt zeigen, was ihre Bemühungen und Beteuerungen in dieser Hinsicht wert sind."

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