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Wirecard-Skandal: Mehrheit der Deutschen verliert Vertrauen in den Finanzplatz


Mehrheit der Deutschen verliert Vertrauen in den Finanzplatz

  • Florian Schmidt
Von Florian Schmidt

Aktualisiert am 01.09.2020Lesedauer: 2 Min.
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Das Logo von Wirecard am Firmensitz in München: Die Pleite des Zahlungsdienstleisters schadet dem Ansehen des Finanzplatzes Deutschland.
Das Logo von Wirecard am Firmensitz in München: Die Pleite des Zahlungsdienstleisters schadet dem Ansehen des Finanzplatzes Deutschland. (Quelle: Peter Kneffel/dpa-bilder)
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Der Wirecard-Skandal verschreckt die Deutschen: Laut einer exklusiven Umfrage für t-online ist das Vertrauen in den deutschen Finanzplatz gesunken. Politiker und Experten fordern jetzt Aufklärung.

Der Bilanzskandal beim mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard hinterlässt auch in der deutschen Gesellschaft tiefe Spuren. Eine exklusive t-online-Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Civey zeigt: Das Ansehen der deutschen Finanzwirtschaft hat in Folge der Causa Wirecard schweren Schaden genommen.

Insgesamt gaben 55,4 Prozent der Befragten an, dass ihr "Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland seit der Wirecard-Pleite" gesunken oder eher gesunken ist. 37,5 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass ihr Vertrauen gleich geblieben sei. Lediglich 1,6 Prozent behaupteten, es sei gestiegen.

Etwas stärker sank das Vertrauen dabei in Ostdeutschland. Hier bewerteten 56,9 Prozent den Wirecard-Skandal als negativ, in Westdeutschland waren es 54,9 Prozent.

Neuer Wirecard-Untersuchungsausschuss im Bundestag

Erst am Mittwoch hatte der Wirecard-Skandal dafür gesorgt, dass die Opposition im Bundestag einen Untersuchungsausschuss einberufen will. Dessen Ziel könnte es unter anderem sein, zu erörtern, inwieweit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und die ihm unterstellte Bankenaufsicht Bafin ihrer Kontrollpflicht unzulänglich nachgekommen ist.

Die Grünen-Abgeordneten Danyal Bayaz (l.) und Lisa Paus (r.) sorgen sich auch um das Anleger-Vertrauen.
Die Grünen-Abgeordneten Danyal Bayaz (l.) und Lisa Paus (r.) sorgen sich auch um das Anleger-Vertrauen. (Quelle: Michele Tantussi/Reuters-bilder)

Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Paus, stellte im Nachgang zur Sondersitzung des Finanzausschusses auch auf das verloren gegangene Vertrauen der Aktionäre ab. Paus sagte t-online: "Wir brauchen 100-prozentige Aufklärung des Wirecard-Skandals und endlich eine konsequente Reform der Finanzaufsicht, um die Anlegerinnen und Anleger zu schützen."

Auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte Mitte Juni nach Bekanntwerden des Bilanzskandals im Interview mit t-online gefordert, diesen vollständig aufzuklären. "Es ist mir ganz wichtig, dass sich ein solcher Fall mit Blick auf das Vertrauen in den Bankenstandort Deutschland so schnell nicht wiederholt", sagte Altmaier. "Wir hätten eine solche Situation überall erwartet – nur nicht in Deutschland. Deshalb müssen wir, wo notwendig, hart durchgreifen."

Erst vor Kurzem hatten im Gespräch mit t-online mehrere Kleinanleger erzählt, welch hohe Verluste sie mit Aktien von Wirecard gemacht hatten. Einer von ihnen sagte in diesem Zuge auch, dass er nie wieder neue Aktien kaufen wolle – eine Ansicht, die derzeit eine wachsende Zahl von Anlegern haben dürfte.

Aktieninstitut fordert umfassende Untersuchung

Diese Sorgen sieht auch Christine Bortenlänger, Geschäftsführende Vorständin beim Deutschen Aktieninstitut (DAI) in den Ergebnissen der Umfrage. "Es ist verständlich, dass manche Menschen in Deutschland den Kapitalmarkt nun kritischer sehen", sagte sie t-online.

"Viele sehen aber auch, dass die ganz überwiegende Zahl der Unternehmen sich an Gesetze hält und nach den Regeln spielt", so Bortenlänger. "Wichtig ist es jetzt, den Wirecard-Fall schnell und umfassend zu untersuchen." Auch die entsprechenden Regularien könnten gegebenenfalls angepasst werden.

Der Anteil derer, die selbst Aktien besitzen, – die sogenannte Aktionärsquote – ist in Deutschland ohnehin relativ niedrig. Laut DAI besaßen 2019 nur 2,5 Millionen Deutsche Anteilsscheine an Unternehmen. Selbst unter Berücksichtigung von Anlegern im Besitz von Aktienfondsanteilen beläuft sich die Aktionärsquote hierzulande auf nur 15,6 Prozent. Zum Vergleich: In den USA besaß zuletzt jeder vierte Bürger Aktien.

Methodik
Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis der Umfrage die Antworten von 5.025 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten vom 29. Juli bis 1. September 2020. Das Ergebnis ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beträgt 2,5 Prozentpunkte.

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Verwendete Quellen
  • Exklusive Civey-Umfrage für t-online
  • Gespräch mit Grünen-MdB Lisa Paus
  • Statement von Christine Bortenlänger vom Deutschen Aktieninstitut (DAI)
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