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Wirtschaftsweisen: Astrazeneca-Stopp hat "ganz klar wirtschaftliche Auswirkungen"


Wirtschaftsweisen  

Astrazeneca-Stopp hat "ganz klar wirtschaftliche Auswirkungen"

17.03.2021, 13:35 Uhr
Wirtschaftsweisen: Astrazeneca-Stopp hat "ganz klar wirtschaftliche Auswirkungen". Mehrere Packungen des Astrazeneca-Impfstoffs im Kühlschrank: Das Vakzin kommt aktuell nicht mehr zum Einsatz. (Quelle: imago images)

Mehrere Packungen des Astrazeneca-Impfstoffs im Kühlschrank: Das Vakzin kommt aktuell nicht mehr zum Einsatz. (Quelle: imago images)

Die Corona-Krise ist für die Wirtschaft weiter der bestimmende Faktor. Der Ausfall von Astrazeneca kommt nach Ansicht der Wirtschaftsweisen zur Unzeit. Sie mahnen deshalb auch eine bessere Teststrategie an.

Die Verzögerung der Impfkampagne durch den Impfstopp mit dem Astrazeneca-Vakzin sowie die dritte Infektionswelle droht die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der sogenannten Wirtschaftsweisen zu belasten. "Das Aussetzen hat ganz klar wirtschaftliche Auswirkungen", sagte die Ökonomin Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat, am Mittwoch.

Hilfsmaßnahmen für Unternehmen müssten mit großer Wahrscheinlichkeit verlängert werden, die Zahl der Insolvenzen könnte steigen – auch wenn die Nichtverfügbarkeit von Astrazeneca mittelfristig durch andere Impfstoffe kompensiert werden könnte. "Damit wir im September eine Durchimpfungsquote von 70 Prozent erreicht haben, müssten pro Tag 330.000 Menschen geimpft werden", sagte Grimm.

Durch den Ausfall von Astrazeneca lag die Zahl der Geimpften am Dienstag deutschlandweit jedoch nur bei rund 175.000 Menschen nach zuletzt mehr als 240.000 Geimpften am Freitag. Umso wichtiger sei es deshalb, unabhängig vom Impfstoff, die Hausärzte in die Kampagne einzubeziehen. "Das Impftempo muss sich deutlich erhöhen", sagte Grimm. Stünde genügend Impfstoff bereit, würden die Hausärzte ebenfalls Spritzen verabreichen, ließe sich das Ziel einer 70-prozentigen Durchimpfungsquote womöglich gar schon im Juli erreichen.

Dritte Corona-Welle ist für die Wirtschaft ein Risiko

Ebenso wichtig sei es, in den kommenden Wochen und Monaten noch mehr aufs Testen zu setzen sowie auf Apps zur Nachverfolgung von Kontakten. "Wir müssen Ansteckungen vorausschauend verhindern", sagte Grimm. "Durch die Tests ist es möglich, Infizierte schnell herauszufischen. Die Tests müssen deshalb strategisch eingesetzt werden. Derzeit ist da noch viel Luft nach oben."

Die Wirtschaftsweisen
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, kurz SVR, berät die Politik in ökonomischen Fragen. Die Experten werden landläufig auch als die "Wirtschaftsweisen" bezeichnet.

Eine dritte Welle kann nach Einschätzung des wichtigsten Beratergremiums der Bundesregierung in wirtschaftspolitischen Fragen verheerende Folgen haben – sofern es dadurch zu einer Rücknahme von Lockerungen oder einem längeren Lockdown kommt und schlimmstenfalls neben Handel und Dienstleistern auch die Industrie stärker in Mitleidenschaft gezogen würde. Konkret rechnen die Wirtschaftsweisen damit, dass drei Monate Lockdown das Wachstum der Wirtschaftsleistung in Deutschland um einen Prozentpunkt zurückwerfen könnte.

"Das größte Risiko für die Konjunktur in Deutschland stellt eine mögliche dritte Infektionswelle dar, und zwar dann, wenn sie zu Einschränkungen oder gar Betriebsschließungen in der Industrie führen würde", sagte Volker Wieland, Mitglied des Sachverständigenrates.

Arbeitslosigkeit sinkt nur langsam

In ihrer am Mittwoch vorgestellten Prognose für das laufende Jahr gehen die derzeit vier Volkswirte davon aus, dass die deutsche Wirtschaft um 3,1 Prozent wächst. Im November waren sie noch von einem Wachstum in Höhe von 3,7 Prozent ausgegangen.

Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit werden sich demnach in diesem Zuge reduzieren. Für das laufende Jahr rechnen die Ökonomen damit, dass die Arbeitslosenquote im Schnitt bei 5,9 Prozent liegen wird. Für 2022 gehen sie von einer Quote von 5,3 Prozent aus. Bis die Pandemie endgültig im Griff ist, sei es deshalb wichtig, dass die staatlichen Hilfen für Unternehmen weiter fließen. "Und das Geld muss auch ankommen", betonte der Ökonom Volker Wieland.

Dass die Corona-Krise eine große Welle von Insolvenzen auslöst, sehen die Experten indes nicht. Zwar werde es zu einem Anstieg der Firmenpleiten kommen, sobald die derzeit geltenden Ausnahmeregelungen zur Anmeldung von Insolvenzen zurückgenommen werden. Gleichwohl sei nicht damit zu rechnen, dass massenhaft größere Unternehmen betroffen sind – sondern eher kleine Unternehmen. "Das Risiko für das Finanzsystem, für die Banken, bei denen Kredite platzen, ist folglich begrenzt", so die Ökonomin Monika Schnitzer.

Verwendete Quellen:
  • Pressekonferenz des SVR
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters, AFP und dpa

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