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Rente: Nullrunde – Fällt die Rentenerhöhung auch nächstes Jahr aus?


Kabinett beschließt Nullrunde  

Fällt die Rentenerhöhung auch nächstes Jahr aus?

27.04.2021, 18:26 Uhr
Rente: Nullrunde – Fällt die Rentenerhöhung auch nächstes Jahr aus?. Ältere Frau auf Balkon (Symbolbild): Die Rentenerhöhung fällt 2021 im Westen Deutschlands aus. (Quelle: Getty Images/Westend61)

Ältere Frau auf Balkon (Symbolbild): Die Rentenerhöhung fällt 2021 im Westen Deutschlands aus. (Quelle: Westend61/Getty Images)

Das Kabinett hat es beschlossen: Die Rentenerhöhung fällt 2021 für West-Rentner aus, im Osten gibt es nur eine Mini-Anpassung. Doch was heißt das genau? Und wie sieht es für 2022 aus?

Für rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner ist der Sommer eigentlich immer mit einer frohen Botschaft verbunden: Denn die Renten werden jedes Jahr erhöht – eigentlich.

Doch eben nur eigentlich. Denn wegen der Corona-Krise fällt die Rentenerhöhung in diesem Jahr aus, zumindest im Westen. Im Osten erhalten Rentner zumindest eine minimale Anpassung von 0,72 Prozent.

Das Bundeskabinett hat am Dienstag eine entsprechende Verordnung beschlossen, nachdem Sozialminister Hubertus Heil (SPD) diesen Schritt bereits Mitte März ankündigte. Wir erklären Ihnen, was Sie nun wissen sollten.

Was hat Corona mit der Rente zu tun?

Erst einmal nichts. Denn die Zahlungen aus der gesetzlichen Renten fließen auch trotz Corona aufs Konto der rund 23 Millionen Rentner. Allerdings: Die Grundlage für die jährliche Anpassung ist unter anderem die Lohnentwicklung im Vorjahr. So hatte es im Corona-Jahr 2020 zunächst noch einmal eine kräftige Steigerung um 4,2 im Osten und 3,45 Prozent im Westen gegeben.

Die Berechnung der Löhne basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Demnach betrug die maßgebliche Lohnentwicklung im vergangenen Jahr im Westen minus 2,34 Prozent – und zwar wegen der Corona-Krise.

Die Pandemie hat die deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt schwer getroffen. Im April gab es ein Rekordhoch von rund sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit, auch die Arbeitslosigkeit zog im Corona-Jahr an. Rund 2,7 Millionen Menschen waren 2020 im Schnitt arbeitslos, knapp 500.000 mehr als im Jahr 2019.

Gut zu wissen: Jedes Jahr wird der sogenannte Rentenwert angepasst. Das ist der Betrag, den man für einen gesammelten Rentenpunkt erhält. Der aktuelle Rentenwert (also noch ohne Anpassung im Sommer) liegt im Osten bei 33,23 Euro und im Westen bei 34,19 Euro. Mehr zu Rentenpunkten lesen Sie hier.

Könnte die Rente noch gekürzt werden?

Nein, das ist ausgeschlossen. Rein rechnerisch würde sich zwar aus der Lohnentwicklung des Jahres 2020 eine Rentenkürzung von 3,25 Prozent im Westen ergeben, das ist aber durch eine "gesetzliche Rentengarantie" nicht möglich – die Renten können demnach nicht gekürzt werden. Die Bezüge bleiben daher im Westen auf dem aktuellen Niveau.

Normalerweise behilft sich der Staat deshalb mit einem Trick und verrechnet diese eigentlich nötige Senkung mit möglichen Erhöhungen in den kommenden Jahren. Diese würden dann also geringer ausfallen. Nachholfaktor nennt sich dieser Mechanismus.

Aber: Er ist bis 2025 ausgesetzt, sodass die jetzige "theoretische Rentenkürzung" in den kommenden Jahren nicht negativ ins Gewicht fällt.

Gibt es nächstes Jahr noch eine weitere Nullrunde?

Das kommt darauf an, wie hart die Corona-Krise die deutsche Wirtschaft und somit die Reallöhne in Deutschland noch treffen wird. Zwar ist die Kurzarbeit wegen des Lockdowns Ende vergangenen Jahres wieder gestiegen – besonders etwa im Gastgewerbe. Und ein Ende der Pandemie ist angesichts steigender Infektionszahlen noch nicht in Sicht.

Dennoch erwarten Ökonomen als auch die Bundesregierung eine wirtschaftliche Erholung – und somit auch steigende Löhne. Jüngst hatte der Bund angekündigt, seine Konjunkturprognose von 3 Prozent auf 3,5 Prozent Wachstum für das laufende Jahr nach oben zu korrigieren. Es kann also sein, dass es nächstes Jahr keine erneute Nullrunde gibt.

Grundsätzlich gilt jedoch: Die jetzige Nullrunde wird nächstes Jahr nicht nachgeholt, denn der Nachholfaktor ist erst einmal ausgesetzt (siehe oben). Und ohnehin ist es noch zu früh, um realistische Prognosen für 2022 zu treffen.

Warum bekommen Ost-Rentner ein kleines Plus?

Das liegt an der sogenannten Angleichungstreppe. Diese soll dafür sorgen, dass die Ost-Renten sich denen im Westen anpassen. Denn: Die Löhne im Osten sind geringer als im Westen – und so auch die Renten. Das soll sich allerdings ändern.

Bis 2024 sollen die Renten in Ost und West gleich hoch sein. In Nicht-Corona-Zeiten sind die Renten im Osten daher in der Regel stärker gestiegen als im Westen, etwa vergangenes Jahr.

Hat die Nullrunde Folgen für die Grundrente?

Nein, die Grundrente ist von der aktuellen Nullrunde im Westen unberührt. Rentner sollten sich keine Sorgen machen. Die Grundrente wird trotzdem ausgezahlt.

Bis allerdings die Grundrente für Neurentner und Bestandsrentner ausgezahlt ist, dauert es noch. Erst ab Juli 2021 werden die Rentenbescheide versendet – diese enthalten dann gegebenenfalls einen Grundrentenzuschlag, so die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund.

Die Bestandsrentner werden ihre Bescheide allerdings deutlich später erhalten. Bis Ende 2022 sollen alle Rentner ermittelt worden sein, die Anspruch auf den Zuschlag auf Mini-Renten haben, so die Rentenversicherung. Grund dafür: der enorme Verwaltungsaufwand, der mit der Ermittlung der Ansprüche einhergeht.

Doch die Beträge, auf die Sie Anspruch haben, verfallen nicht – auch in Zeiten von Nullrunden. Sie erhalten in dem Fall eine Nachzahlung.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Deutsche Rentenversicherung Bund
  • sozialpolitik-aktuell.de
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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