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HDE-Chef: "Wir dürfen das Bargeld nicht aufs Abstellgleis schieben"


Das muss sich jetzt beim Bargeld ändern

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 06.08.2021Lesedauer: 4 Min.
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Bargeldauszahlung am Bankautomat (Symbolbild): Vielerorts werden Bankfilialen geschlossen. Das setzt auch dem Handel zu – weil die Bargeldversorgung teuer ist.
Bargeldauszahlung am Bankautomat (Symbolbild): Vielerorts werden Bankfilialen geschlossen. Das setzt auch dem Handel zu – weil die Bargeldversorgung teuer ist. (Quelle: Eibner/imago-images-bilder)
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Münzen und Scheine haben durch Corona

"Wenn's geht, mit Karte bitte", "Hier nur Kartenzahlung", "Nach Möglichkeit nicht bar zahlen": Ansagen wie diese dürften im Corona-Jahr fast allen Deutschen begegnet sein, an der Supermarktkasse, im Café, womöglich gar am Kiosk um die Ecke. Bargeld hat im beim Bezahlen durch die Pandemie stark an Bedeutung verloren.

Vergangenes Jahr wurden im stationären Einzelhandel nach einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI nur noch 40,9 Prozent der Umsätze bar bezahlt. Zum Vergleich: 2019 waren es noch mehr als 46 Prozent, 2018 noch rund 48 Prozent.

Damit verhalten sich die Deutschen so, wie es sich die Politik ohnehin seit Längerem wünscht. Münzen und Scheine sollen, so der mehr oder weniger deutlich formulierte Wunsch, unattraktiver werden. Seit 2019 etwa geben die Notenbanken keine 500-Euro-Scheine mehr aus. Um Geldwäsche zu bekämpfen, plant die EU zudem eine Bargeldobergrenze. Und das Geldabheben wird unabhängig davon sowieso mühseliger, schließlich machen immer mehr Banken ihre Filialen dicht.

"Wir dürfen das Bargeld nicht aufs Abstellgleis schieben"

Auch viele Einzelhändler waren bei dieser Entwicklung mit ihren eingangs erwähnten Schildern vorne mit dabei, warben der Hygiene wegen für die Kartenzahlungen. Jetzt aber schlägt der Handelsverband HDE Alarm – und warnt vor steigenden Kosten in der Bargeld-Logistik.

"Wir dürfen das Bargeld nicht aufs Abstellgleis schieben", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth im Gespräch mit t-online. Die aktuelle Entwicklung, besonders das Negativimage, das den Scheinen oftmals anheftet, will er so nicht akzeptieren.

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"Bargeld wird derzeit oft unter den Generalverdacht von Geldwäsche gestellt und künstlich kriminalisiert. Da muss mehr Sachlichkeit in die Debatte, das ist völlig unangemessen", so Genth weiter.

Besonders für sein Metier, den Handel, sei es immer noch sehr wichtig, wie er betont – trotz Corona und dem Wunsch nach mehr Hygiene beim Bezahlen. "Bargeld wird oftmals als selbstverständlich angesehen, das ist es aber nicht. Bargeld fällt nicht einfach vom Himmel, da steckt eine komplexe Logistik dahinter", so Genth. "Bargeld darf auf Dauer nicht zu teuer werden."

Der Aufstieg der Karte
Anstelle zu Scheinen und Münzen zu greifen, zückten die Deutschen an der Kasse 2020 deutlich häufiger die Girocard, früher EC-Karte genannt. 40,1 Prozent aller Umsätze wurden mit ihr vergangenes Jahr beglichen – ein Plus von 6,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Eine Entwicklung, die auch Boris Hedde vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH), nicht entgangen ist. "Die Deutschen lieben traditionell das Bargeld. Doch in der Pandemie haben sie gelernt, dass vieles auch ohne geht", sagt er t-online.

So funktioniert die Bargeldversorgung des Einzelhandels

Wer das verstehen möchte, muss sich damit beschäftigen, wie der Handel ans Bargeld kommt. Große Handelsketten werden von der Bundesbank mit Scheinen und Münzen beliefert – und müssen dafür eine Gebühr zahlen. Und kleine Händler besorgen sich das Bargeld bei einer herkömmlichen Geschäftsbank.

Das Problem: Sowohl Bundesbank als auch die Geschäftsbanken stampfen ihr Standort- und Filialnetz zunehmend zusammen. Die Folge: Viele Handelsfirmen müssen auf Dienstleister umsteigen, die sie mit Bargeld beliefern und sich das ordentlich bezahlen lassen.

"Bundesbank und die Geschäftsbanken ziehen sich systematisch aus der Bargeldversorgung zurück und die Politik schaut dabei zu. Das kann nicht unser Ziel sein", sagt Genth. "Es geht hier um große Summen, die der Handel zahlen muss – und das Jahr für Jahr."

Geld abheben an der Kasse ist für das Geschäft teuer

Ein weiteres Beispiel dafür sei ein beliebter Service, den zahlreiche Supermärkte, Discounter und Handelsunternehmen anbieten, so der HDE-Chef: dass Kunden Bargeld an der Kasse abheben können.

In der Praxis funktioniert das so: Eine Kundin bezahlt ihren Einkauf von beispielsweise 20 Euro mit der EC-Karte. Sie bittet den Kassierer, ihr zusätzlich Geld vom Konto abzuziehen und auszuzahlen, zum Beispiel 80 Euro. Das Problem dabei: Die Händler müssen für jede EC-Zahlung eine Gebühr, oftmals eine geringe Prozentzahl, an den Finanzdienstleister zahlen – auch für den Betrag, den sie nicht als Umsatz verbuchen können. In dem Fall also die 80 Euro.

"Der Handel bietet diesen Service für die Kunden gerne an. Doch in dieser Form lässt sich das ohne Hilfe der Banken nicht mehr stemmen", klagt Genth. "Hier muss die Lastenverteilung neu austariert werden."

Mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen fordert Genth wegen der Probleme "eine Bargeldstrategie von der neuen Bundesregierung, die dem Handel bei Münzen und Scheinen unter die Arme greift. Die Politik muss klare und verlässliche Ansagen zur künftigen Rolle des Bargelds machen." Und mehr noch: "Reine Lippenbekenntnisse reichen nicht mehr aus. Der Handel kann die Bargeldversorgung schließlich nicht alleine stemmen. Es braucht endlich eine faire Lastenverteilung zwischen Handel, Banken und dem Bund."

Das haben die Parteien mit dem Bargeld vor

In den Wahlprogrammen findet sich ein Vorstoß nach einer Bargeldstrategie derweil überhaupt nicht, was der Handelsverbands-Chef scharf kritisiert. Nur die FDP, die Linke und die AfD werden halbwegs konkret, was das Bargeld angeht.

So heißt es im Programm der Liberalen, man setze sich "für die uneingeschränkte Nutzbarkeit von Bargeld als Zahlungsmittel ein". Und weiter: "Bargeld ermöglicht uns, ohne staatliche Kontrolle und Überwachung Geld aufzubewahren."

HDE: "Es ist zu wenig, was die Parteien hier abliefern"

Am linken und rechten Rand gehen die Forderungen derweil noch weiter. So will sowohl die AfD als auch die Linke, Bargeld im Grundgesetz verankern. Die Union und die Grünen bleiben im Wahlprogramm relativ schwammig, das Programm der SPD enthält nicht einmal das Wort "Bargeld".

"Es ist schlicht zu wenig, was die Parteien hier abliefern. Der Handel und alle anderen Bargeldakteure brauchen Planungssicherheit, um auch weiterhin die Akzeptanz von Bargeld wirtschaftlich aufrechterhalten zu können", so Genth. "Die Parteien sollten dieses wichtige Thema deutlicher in ihren Wahlprogrammen verankern. Das Thema Bargeld muss unbedingt Teil der nächsten Koalitionsverhandlungen werden."

Handelsforscher Boris Hedde vom IFH findet jedenfalls, dass sich der Handel nach den Kunden richten sollte. "Wenn diese kein Bargeld mehr möchte, brauchen wir es auch nicht mehr." Bis das jedoch der Fall sein werde, dauere es noch Jahre.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Stefan Genth
  • Gespräch mit Boris Hedde
  • Wahlprogramme der Parteien
  • EHI: "Liebe zum Bargeld lässt nach"
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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Von Anna Sophie Kühne
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