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Expertin fordert: Fr├╝hrentner sollen weniger Geld bekommen

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 15.02.2022Lesedauer: 4 Min.
Älterer Mann in einer Fabrik (Symbolbild): Frührentner sollen dauerhaft drastisch dazu verdienen dürfen.
Älterer Mann in einer Fabrik (Symbolbild): Frührentner sollen dauerhaft drastisch dazuverdienen dürfen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Die Ampelkoalition will Fr├╝hrentnern dauerhafte Zugest├Ąndnisse machen. Doch das halten ├ľkonomen nicht f├╝r durchdacht. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer macht einen Gegenvorschlag.

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer spricht sich daf├╝r aus, dass Fr├╝hrentner h├Âhere Abschl├Ąge auf ihre Rentenbez├╝ge in Kauf nehmen sollten. "Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente geht, sollte das st├Ąrker sp├╝ren", sagte sie t-online.

"Die Abschl├Ąge auf die Rentenbez├╝ge sollten deshalb steigen, sonst schafft die Ampel mit der dauerhaft erh├Âhten Hinzuverdienstgrenze falsche Anreize, zu fr├╝h aus der regul├Ąren Erwerbst├Ątigkeit auszuscheiden."

Hintergrund f├╝r ihre Aussage ist der Plan der Ampelkoalition, dass Fr├╝hrentner k├╝nftig bis zu 46.060 Euro pro Jahr hinzuverdienen d├╝rfen, ohne dass ihnen daf├╝r die Rentenbez├╝ge gek├╝rzt werden. Daf├╝r will die neue Bundesregierung eine entsprechende Corona-Ausnahmeregel entfristen, wie t-online exklusiv berichtete.

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Damit d├╝rften Fr├╝hrentner langfristig fast das Achtfache der eigentlich regul├Ąren Summe verdienen. Bis vor zwei Jahren lag sie noch bei 6.300 Euro. Wer mehr verdiente, musste K├╝rzungen bei seinen Rentenbez├╝gen hinnehmen.

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Im Zuge der Corona-Krise hob der Bund die Grenze 2020 zun├Ąchst auf 44.590 Euro an, 2021 dann auf 46.060 Euro. Eine Begr├╝ndung f├╝r diesen Schritt: der gestiegene Personalbedarf in vielen Berufszweigen, etwa im Gesundheitswesen.

Schnitzer: "Menschen in der Erwerbst├Ątigkeit halten"

Grunds├Ątzlich finde Schnitzer diesen Schritt zwar richtig. Mit Blick auf die Rentenkasse sei es jedoch wichtig, dass die Renten auch entsprechend gek├╝rzt werden. "Bei h├Âheren Abschl├Ągen auf die Fr├╝hrente k├Ânnte die Hinzuverdienstgrenze theoretisch auch ganz wegfallen", so die ├ľkonomin. "Ziel muss sein, die Menschen in der Erwerbst├Ątigkeit zu halten und so die Beitr├Ąge zur Rentenversicherung zu stabilisieren."

Monika Schnitzer: Die ├ľkonomin ist seit 2020 Mitglied im Sachverst├Ąndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem Rat der "Wirtschaftsweisen".
Monika Schnitzer: Die ├ľkonomin ist seit 2020 Mitglied im Sachverst├Ąndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem Rat der "Wirtschaftsweisen". (Quelle: Metodi Popow/imago-images-bilder)

Aktuell m├╝ssen Rentner einen Abschlag von 0,3 Prozent auf die Rentenbez├╝ge zahlen ÔÇô f├╝r jeden Monat, den sie vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen. Diese h├Ąngt vom Jahrgang der Senioren ab. Lesen Sie hier mehr dazu.

IW-Direktor: "Gleitenden ├ťbergang in den Ruhestand"

Michael H├╝ther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), bef├╝rchtet ebenso wie Schnitzer, dass die h├Âhere Hinzuverdienstgrenze falsche Anreize schaffen k├Ânnen. Er sieht aber auch die positiven Aspekte der geplanten ├änderung.

"Wer vor Erreichen der Altersgrenze seine Arbeitszeit reduzieren und eine Teilrente beziehen m├Âchte, hat mit der Hinzuverdienstgrenze die M├Âglichkeit, einen gleitenden ├ťbergang in den Ruhestand zu gestalten", sagte er t-online.

Michael H├╝ther: Er leitet als Direktor das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in K├Âln.
Michael H├╝ther: Er leitet als Direktor das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in K├Âln. (Quelle: J├╝rgen Heinrich/imago-images-bilder)

"Allerdings sollte dies nicht dazu f├╝hren, dass Arbeitnehmer bei zum Beispiel einer 50-prozentigen Teilrente mehr als 50 Prozent Teilzeit arbeiten ÔÇô dann entst├╝nde ein Anreiz, sich auf Kosten der Rentenkasse fr├╝hzeitig aus dem Erwerbsleben zu verabschieden."

Ob das tats├Ąchlich in gr├Â├čerem Umfang eintrete, m├╝sse man in den kommenden Jahren beobachten. "Denn angesichts der Bev├Âlkerungsalterung muss das Ziel bleiben, die Arbeitnehmer m├Âglichst lange ins Erwerbsleben zu integrieren", so H├╝ther.

CDU-Mann: Ampel muss "Win-Win-Situation" schaffen

Kritik am Plan der Ampel kommt auch aus die Opposition. Der CDU-Rentenpolitiker Kai Whittaker etwa schl├Ągt in dieselbe Kerbe wie Schnitzer. Er fordert, dass die Hinzuverdienstgrenzen f├╝r Fr├╝hrentner "komplett abgeschafft" werden sollten ÔÇô allerdings ohne dass die Abschl├Ąge angepasst w├╝rden. Immerhin w├╝rden ja noch Sozialversicherungsbeitr├Ąge und Steuern f├Ąllig, so Whittaker.

"Wer weiterhin arbeiten kann und m├Âchte, soll nicht von unn├Âtiger B├╝rokratie drangsaliert werden", sagte er. "Das halte ich f├╝r wichtig, um Fachwissen und auch ├Ąltere Arbeitskr├Ąfte unkompliziert in unsere Arbeitswelt einzubinden. Diese Win-Win-Situation muss die Ampel z├╝gig schaffen!"

Linke: Viele Menschen haben sich "kaputt gearbeitet"

Der rentenpolitische Sprecher der Linken, Matthias W. Birkwald, sieht zwar den Vorteil der h├Âheren Zuverdienstm├Âglichkeit in der Corona-Krise. "Auf Dauer halte ich den Weg, Fachkr├Ąfte erst in eine vorgezogene Rente mit lebenslangen Abschl├Ągen zu schicken, um sie dann zu oft schlechteren Bedingungen wieder einzustellen, aber nicht f├╝r sinnvoll. Warum halten sie die Unternehmen nicht gleich in ihrem Job?"

Er mahnt an, dass "attraktivere Hinzuverdienstm├Âglichkeiten nicht ├╝ber ein zu niedriges Rentenniveau, eine zu hohe Regelaltersgrenze und fehlende alter(n)sgerechte Arbeitspl├Ątze hinwegt├Ąuschen" d├╝rften. Viele entschieden sich f├╝r eine vorgezogene Altersrente, "weil sie sich kaputt gearbeitet haben und schlichtweg nicht mehr k├Ânnen. H├Âhere Hinzuverdienstgrenzen bringen ihnen nichts."

├ľkonomin warnt vor "neuen Ungleichheiten"

Auch die ├ľkonomin Carla Krolage vom M├╝nchener Ifo-Institut glaubt, dass die Hinzuverdienstgrenze ungerecht sei ÔÇô allerdings aus dem genau gegens├Ątzlichen Argument wie Birkwald. "Durch die dauerhaft hohe Hinzuverdienstgrenze werden wohl einige Menschen, die ohnehin l├Ąnger arbeiten wollten, fr├╝her in Rente gehen und parallel dazu arbeiten", sagt sie. "Doch das sind diejenigen, die lange eingezahlt haben und eine hohe Rente erhalten."

Schlie├člich darf im Regelfall in Fr├╝hrente nur gehen, wer mindestens 35 Jahre Wartezeit angesammelt hat ÔÇô das ist die sogenannte Rente f├╝r langj├Ąhrig Versicherte. Die landl├Ąufig als "Rente mit 63" bekannte Rente f├╝r besonders langj├Ąhrig Versicherte setzt indes 45 Jahre voraus, dann ist der Renteneintritt aber auch ohne Abschl├Ąge m├Âglich.

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Durch den Plan der Ampel entst├╝nden daher "neue Ungleichheiten, weil nur eine bestimmte Klientel von der hohen Zuverdienstgrenze profitiert", so Krolage. "Zudem kann das Vorhaben die ohnehin klammen Rentenfinanzen weiter unter Druck setzen, da es dadurch attraktiver wird, vorzeitig in Rente zu gehen."

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