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Wenn Kinderkrankheiten Erwachsene erwischen

Von dpa
Aktualisiert am 22.08.2018Lesedauer: 2 Min.
Steckt sich ein Erwachsener mit einer Kinderkrankheit wie Keuchhusten an, leidet er darunter meist viel stÀrker als betroffene Kinder.
Steckt sich ein Erwachsener mit einer Kinderkrankheit wie Keuchhusten an, leidet er darunter meist viel stÀrker als betroffene Kinder. (Quelle: Christin Klose./dpa)
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Hamburg (dpa/tmn) - Masern mit 20? Oder Ringelröteln als erwachsener Mann? Beides hat Jana Husemann, Allgemeinmedizinerin und Vorstandsmitglied des HausÀrzteverbands Hamburg, in den vergangenen Jahren in der Praxis erlebt.

"Infektiöse Kinderkrankheiten bei Erwachsenen kommen immer wieder vor", sagt sie. Nach Angaben von Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts, traten 2017 von den gemeldeten Keuchhusten- und MasernfÀllen mehr als ein Drittel bei Erwachsenen auf.

WĂ€hrend Kinder Masern, Mumps und Co. besser wegstecken, verlaufen die Krankheiten bei Erwachsenen hĂ€ufig mit mehr Komplikationen. "Warum Kinderkrankheiten bei Erwachsenen meist einen schwereren Verlauf haben, ist ein bisschen unklar", sagt Prof. Bernd Salzberger aus dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Infektiologie (DGI). "Die Medizin geht davon aus, dass das Immunsystem eines Erwachsenen einfach viel heftiger auf eine solche Infektion reagiert, weil es stĂ€rker ist als das eines Kindes."

Zwar wĂŒrden Erwachsene mit den sogenannten Kinderkrankheiten meist fertig, "sie fĂŒhlen sich aber sehr viel krĂ€nker und schlechter", sagt Salzberger. "Windpocken zum Beispiel sind fĂŒr Kinder schon unangenehm, aber ab dem 20. Lebensjahr möchte man sie wirklich nicht mehr haben. Es gab bei uns im UniversitĂ€tsklinikum Regensburg sogar FĂ€lle, dass Erwachsene auf der Intensivstation an Windpocken gestorben sind."

Auch die infektiöse Mononukleose - Pfeiffersches DrĂŒsenfieber - verlĂ€uft bei Erwachsenen deutlich schwerer als bei Kindern: "Wenn man die als Kind in den ersten zehn Lebensjahren bekommt, merkt man das kaum. Als Teenager wird man krank, als Erwachsener fĂ€llt man hĂ€ufig komplett aus", sagt Salzberger.

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Erwachsene sollten sich der möglichen Komplikationen einer Kinderkrankheit bewusst sein, findet Prof. Erika Baum, PrĂ€sidentin der Gesellschaft fĂŒr Allgemeinmedizin und Familienmedizin: "Bei Mumps können nach der PubertĂ€t die Hoden befallen werden und zur SterilitĂ€t fĂŒhren, die Röteln bei Schwangeren zu schweren FruchtschĂ€digungen." Kinderkrankheiten sind also alles andere als Kinderkram.

Vor den meisten Kinderkrankheiten schĂŒtzen Impfungen - auch noch im Erwachsenenalter. Vor allem Menschen, die nach 1970 geboren sind, sollten auf jeden Fall ihren Masern-Impfstatus ĂŒberprĂŒfen, sagt Husemann. In diesen JahrgĂ€ngen seien viele Personen nur einmal oder gar nicht geimpft worden.

Das Argument, man habe selbst möglicherweise wenig mit Kindern zu tun und mĂŒsse sich daher nicht impfen lassen, lassen die Mediziner nicht gelten: "Ich glaube, es gibt keine Menschen, die von sich klar behaupten können, sie haben ĂŒberhaupt keinen Kontakt mit Kindern. Da mĂŒsste man schon Einsiedler sein", sagt Salzberger.

Allerdings sind nicht gegen alle Kinderkrankheiten Impfungen möglich - gegen Scharlach zum Beispiel gibt es keinen Impfstoff. Vor solchen Infektionen schĂŒtzt nur: Abstand halten und auf eine gute Handhygiene achten - zumal wenn bekannt ist, dass jemand in der Umgebung an Scharlach erkrankt ist. Das gilt generell bei den sogenannten Kinderkrankheiten. Sie sind nĂ€mlich fast alle ĂŒber Tröpfchen ĂŒbertragbar. Das heißt: Ein Niesen oder Husten genĂŒgt im Zweifelsfall.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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