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Studie: Braucht ein Herzschrittmacher Abstand zum Smartphone?

Studie klärt  

Wie gefährlich sind Smartphones für Herzschrittmacher?

08.09.2020, 11:21 Uhr | dpa-tmn

Studie: Braucht ein Herzschrittmacher Abstand zum Smartphone?. Smartphone: Handys können für die Schrittmacher-Funktion laut Experten zum Problem werden, wenn das Telefon direkt über dem Implantat liegt. (Quelle: dpa/tmn/Christin Klose)

Smartphone: Handys können für die Schrittmacher-Funktion laut Experten zum Problem werden, wenn das Telefon direkt über dem Implantat liegt. (Quelle: Christin Klose/dpa/tmn)

Menschen mit Schrittmacher haben teils Sorgen, dass Smartphones die Funktion des lebenswichtigen Gerätes stören. Jetzt zeigt eine Studie, ob die Befürchtungen begründet sind. 

Das Risiko, dass moderne Smartphones die Funktion von implantierten Herzschrittmachern oder Defibrillatoren stören, ist äußerst gering. Zu dieser Einschätzung kommen Experten auf Basis einer aktuellen Studie.

Wegen des Risikos von Interferenzen durch Surfen und Telefonieren gilt eigentlich die Empfehlung, einen Sicherheitsabstand von 15 Zentimetern zwischen Mobiltelefon und Implantat zu halten. "Diese allgemeine Empfehlung scheint uns überholt", sagt der Kardiologe Florian Blaschke von der Berliner Charité.

In der Hand oder auf dem Implantat

In einer Studie haben Blaschke und weitere Forscherinnen und Forscher mit einem iPhone 6 und einer Apple Watch (1. Generation) bei 148 Implantat-Trägern untersucht, ob sie die Funktion der Geräte stören – und zwar dann, wenn Smartphone oder Smartwatch im Bereich der Hand genutzt werden und wenn mit ihnen telefoniert oder gesurft wird, während sie direkt über dem Implantat liegen.

Das Ergebnis: Bei der Smartwatch gab es keinerlei Interaktionen. Das Smartphone aber löste eine Störung bei einem älteren Schrittmachermodell aus, als das Telefon bei der Nutzung direkt darüber lag. "In dem Fall hat der Patient Herzklopfen und Schwindel gespürt", sagt Charité-Kardiologe Philipp Lacour, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat. Das war aber der einzige Fall.

Lieber nicht in die Hemdtasche packen

Lacour schließt aus den Ergebnissen: "Es gibt keine Alltagseinschränkungen für Implantatträger bei der Nutzung von Smartwatches oder Smartphones." Man müsse als Patient keine unnötige Angst vor neuen Technologien haben. "Aber", fügt er an, "man sollte das Smartphone nicht unbedingt in einer Hemdtasche direkt über dem Implantat tragen."

Der Kardiologe Prof. Thomas Meinertz aus Hamburg schätzt die neue Studie positiv ein und hält sie für plausibel: "Es ist eine sehr gute Arbeit. Wir haben bisher klinisch sehr wenige Probleme mit dem Smartphone beobachtet. Diese Arbeit bestärkt einen in dieser Beobachtung", sagt der Experte aus dem wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Sicherheitsabstand nicht mehr zeitgemäß?

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin hatten schon im Sommer 2019 in einer gemeinsamen Stellungnahme geschrieben, dass dieser Sicherheitsabstand von 15 Zentimeter zum Implantat, wie er vor zehn Jahren empfohlen wurde, bei modernen Smartphones mit Internetfunktion wegen des sehr geringen Interferenzrisikos nicht mehr erforderlich sei. Die Leitlinien müssten gegebenenfalls angepasst werden.

Gleichzeitig hieß es: Zu induktiven Ladestationen sollten Träger von implantierten Schrittmachern oder Defibrillatoren einen Mindestabstand von zehn Zentimeter einhalten.

Störungen bei telemetrischer Abfrage

Auch wenn moderne Geräte – sofern sie nach Herstellerempfehlung programmiert sind – von elektromagnetischen Feldern in der Regel nicht beeinträchtigt werden, sollten Implantatträger dennoch im Umgang mit einigen elektrischen Alltagsgeräten Vorsicht walten lassen, heißt es in der Stellungnahme weiter. So sollten zum Beispiel zwischen Implantat und Induktionsherd mindestens 25 Zentimeter Abstand sein.

In der aktuellen Studie wurde außerdem untersucht, inwiefern Smartphones die telemetrische Abfrage der Implantate beim Arzt stören können – hier gab es bei 20 der 148 Testpersonen eine Interaktion, also in 14 Prozent der Fälle. Praktisch dürfte das aber kaum eine Rolle spielen: "Während der Schrittmacher abgefragt wird, wird man der Regel nicht telefonieren oder surfen", sagt Blaschke.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-tmn

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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