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Der Hanf-Hype: Immer mehr Cannabis-Produkte im Handel

Von dpa
Aktualisiert am 07.12.2020Lesedauer: 3 Min.
Hanfsamen haben keine berauschende Wirkung.
Hanfsamen haben keine berauschende Wirkung. Sie dĂŒrfen ohne grĂ¶ĂŸere Verarbeitung in Deutschland legal verkauft werden. (Quelle: Uli Deck/dpa./dpa)
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Braunschweig (dpa) - Hanfaufstrich, Hanfsamenöl, Hanftee, Hanfmehl - die Liste der im Markt erhĂ€ltlichen Hanfprodukte ist lang. Zunehmend entdecken nun auch Start-ups die Palette rund um die Hanfpflanze fĂŒr sich. Es gibt dabei ziemlich ungewöhnliche Ideen wie etwa Hundefutter mit Cannabidiol (CBD).

"Fast jede zweite Woche erreichen uns Anfragen. Das sind mitunter Start-ups, die ĂŒberlegen, was zu grĂŒnden", sagt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Branchenverbands Cannabiswirtschaft, JĂŒrgen Neumeyer.

Unterschied zwischen CBD- und THC-Produkten

Unterscheiden muss man zwischen CBD-Produkten, die keine berauschende Wirkung entfalten sollen, und solchen, die - etwa fĂŒr medizinische Anwendungen wie Schmerzlinderung - höhere GehĂ€lter von Tetrahydrocannabinol (THC) haben. Ein nicht-medizinisches Hanfprodukt darf in Deutschland nach Angaben des Bundesamtes fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Braunschweig nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten. FĂŒr KonsumgĂŒter mĂŒssen Firmen, die damit handeln, eine berauschende Wirkung ausschließen. Es gibt zudem natĂŒrliche Produkte der Hanfpflanze wie Hanfsamen, die ohne grĂ¶ĂŸere Verarbeitung in Deutschland legal verkauft werden dĂŒrfen.

Beim Pforzheimer Start-up Signature Products laufen besonders CBD-Öle auf Kokosöl-Basis gut, berichtet GrĂŒnder Florian Pichlmaier. Kunden bestellten solche Öle etwa, um besser schlafen zu können - Kundinnen hĂ€tten weniger Periodenschmerzen. Dass die Produkte auch Beschwerden lindern können, nimmt Pichlmaier durchaus an. Offene Werbung mit medizinischen Heilversprechen sei verboten. Er glaube aber, dass sie bei CBD-Produkten auch nicht notwendig sei, erzĂ€hlt der GrĂŒnder. Gerade Menschen, die auf Heilpraktiker schwörten und eher natĂŒrliche Heilwege suchten, wĂŒrden darauf zurĂŒckgreifen.

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Heilwirkung von CBD wird noch erforscht

Die Forschung zur Heilwirkung von CBD steckt in Deutschland allerdings noch in den Kinderschuhen. "Es ist mehr AufklĂ€rung ĂŒber die Produkte notwendig", sagt Simone Graeff-Hönninger. Die Agrarwissenschaftlerin beschĂ€ftigt sich an der UniversitĂ€t Hohenheim mit dem Anbau verschiedener Nutzpflanzen - unter anderem auch Cannabis. "Die Konsumenten hören ĂŒberall, dass es gesund ist, und sind dadurch bereit, dafĂŒr mehr zu zahlen. Wie viel CBD letzten Endes in einem Produkt drin ist, um daraus auf eine mögliche Wirkung schließen zu können, bleibt hĂ€ufig im Unklaren."

Bei der Debatte um Regulierungen gehe es nicht um Cannabis als Droge, betont Verbandschef Neumeyer: "Die legale Wirtschaft mit Cannabis als Wirtschaftsgut wirft so viele Fragen auf, da ist die Legalisierung was ganz anderes." GeklĂ€rt werden mĂŒsse beispielsweise die Einstufung eines Produktes, wobei Kategorien oft nicht eindeutig seien. Ein medizinisches Arzneimittel muss von Ärzten verschrieben werden. Seit der Liberalisierung 2017 können Patienten in Deutschland medizinisches Cannabis regulĂ€r beim Arzt bekommen.

Arzneimittel oder "Neuartiges Lebensmittel"

Nach Angaben des Bundesamtes fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit brauchen CBD-haltige Erzeugnisse eine Zulassung als Arzneimittel oder als "neuartiges" Lebensmittel. Dabei mĂŒsse auch garantiert werden, dass das jeweilige Produkt sicher ist. "Neuartige Lebensmittel" werden von der EU-Kommission als "Novel Food" gekennzeichnet. Das bedeutet, sie wurden vor Mai 1997 "in der EuropĂ€ischen Union nicht in nennenswertem Umfang fĂŒr den menschlichen Verzehr verwendet". Eine solche Zulassung fĂŒr ein CBD-Produkt ist dem Bundesamt bisher nicht bekannt. Ob ein Produkt in den Markt darf, entscheiden letzten Endes aber auch die Gewerbeaufsichten der LĂ€nder.

"Es ist ein komplexes Thema und aktuell Gegenstand vielfĂ€ltiger Diskussionen", heißt es bei der niedersĂ€chsischen Gewerbeaufsicht. "Die Produkte sind im Einzelfall zu beurteilen", so eine Sprecherin. "Je nach Fallgestaltung können verschiedene Rechtsgebiete berĂŒhrt sein. Hierzu zĂ€hlen das Lebens-, Arznei- und BetĂ€ubungsmittelrecht, aber auch die Vorschriften fĂŒr Kosmetika oder Medizinprodukte."

Rechtliche Unsicherheiten fĂŒr HĂ€ndler

Ein Verbot von rechtmĂ€ĂŸig produziertem CBD darf es wiederum nach einem Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs nicht geben. Im November ging es um ein Unternehmen aus Frankreich, das E-Zigaretten mit CBD-Ölen vermarktet. Die UN-Kommission fĂŒr Suchtstoffe hatte jĂŒngst Cannabis aus der Liste der gefĂ€hrlichsten Drogen gestrichen. Es liegen so verschiedene BeschlĂŒsse auf globaler, europĂ€ischer, nationaler und Landesebene vor, die bei der Entscheidung, ob ein Produkt verkauft werden darf oder nicht, eine Rolle spielen können.

Solche Unsicherheiten kĂ€men fĂŒr Firmen in jungen MĂ€rkten oft vor, erklĂ€rt der Sprecher des Bundesverbands Deutsche Start-ups, Paul Wolter. "Es gibt bei gewissen Teilaspekten des Handels mit CBD-Produkten immer wieder neue rechtliche und regulative Entwicklungen."

UrsprĂŒnglich seien Hanf-Produkte eher in BiolĂ€den als Naturprodukte erhĂ€ltlich gewesen. Neumeyer vergleicht den Hanf-Hype daher auch ein wenig mit dem Vegan-Trend. Auch da gehe es um ein "gesundes und natĂŒrliches" Image. Mit dem Unterschied freilich, dass die Dosierung von Cannabis eine entscheidende Rolle spielt.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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