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Was die Diagnose Diabetes fĂŒr Kinder bedeutet

Von dpa
Aktualisiert am 31.03.2021Lesedauer: 5 Min.
Bei einer Insulinpumpe gelangt das Insulin ĂŒber einen Katheter ins Unterhautfettgewebe.
Bei einer Insulinpumpe gelangt das Insulin ĂŒber einen Katheter ins Unterhautfettgewebe. (Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn./dpa)
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TĂŒbingen (dpa/tmn) - "Ihr Kind hat Diabetes." Das ist eine Schocknachricht fĂŒr Eltern. "Viele sehen die ZukunftsplĂ€ne einstĂŒrzen, eine lebenslange Krankheit, massive EinschrĂ€nkungen im Alltag, ein chronisch krankes Kind", sagt der TĂŒbinger Kinderdiabetologe Prof. Andreas Neu.

Aber nach dem ersten Schock geht der Blick irgendwann nach vorn: "Die allermeisten Familien haben nach etwa einem halben Jahr gelernt, damit umzugehen, und zwar nicht nur technisch: Blutzucker messen, Insulin geben, fĂŒr Notsituationen gewappnet sein", erzĂ€hlt Neu. "Sie haben dann auch gelernt: Das Leben endet nicht mit der Diagnose."

SchÀtzungen zufolge erkranken jÀhrlich rund 3000 Kinder in Deutschland an Typ-1-Diabetes, insgesamt haben hierzulande mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dieStoffwechselkrankheit.

Keine Vorbeugung möglich

Im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes, bei dem Bewegungsmangel, falsche ErnĂ€hrung und Übergewicht zu den Risikofaktoren zĂ€hlen, spielt hier der Lebensstil keine Rolle - es ist eine Autoimmunreaktion, die den Typ-1-Diabetes auslöst. Vorbeugung ist nicht möglich.

Was genau zum Ausbruch fĂŒhrt, ist Gegenstand der Forschung. Klare Antworten gibt es nicht. Genetische Voraussetzungen trĂŒgen einen kleinen Teil dazu bei, sagt Andreas Neu. "Außerdem sind da Trigger-Faktoren, die wir im Detail nicht kennen, die den Autoimmunprozess auslösen können."

Fakt ist: Ändern am Ausbruch kann niemand etwas. "Am Anfang beschĂ€ftigen sich die Eltern oft mit der Frage der Schuld: Was haben wir falsch gemacht, was hĂ€tten wir tun können?", sagt der VizeprĂ€sident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Doch sie haben nichts falsch gemacht.

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Wichtig ist aber, die möglichenSymptome eines Typ-1-Diabeteszu kennen: stĂ€ndiger Durst, hĂ€ufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme und stĂ€ndige MĂŒdigkeit. Bleibt der Diabetes zu lange unentdeckt, kann es zu einer möglicherweise lebensgefĂ€hrlichen Stoffwechselentgleisung kommen.

Veraltete Ansichten fĂŒhren zu Problemen

Marlies Neese engagiert sich seit Jahrzehnten fĂŒr Kinder mit Diabetes und deren Eltern. Und sie leistet AufklĂ€rung an Schulen und Kitas. "Da ist noch enormer Bedarf", sagt Neese. Es gibt aus ihrer Erfahrung immer wieder veraltete Ansichten zum insulinpflichtigen Diabetes bei den Lehrern und Erziehern, die es dem Kind schwer machten, einen normalen und möglichst unbeschwertenSchul- oder Kita-Alltagzu erleben.

Zwei Dinge sind aus Neeses Sicht wichtig: Die Lehrer und Erzieher des Kindes mĂŒssten ĂŒber ein gewisses Grundwissen zum insulinpflichtigen Diabetes verfĂŒgen. Dazu zĂ€hlt, eine gefĂ€hrliche Unterzuckerung zu erkennen und zu wissen, was vor und wĂ€hrend Sport, bei Klassenfahrten und sonstigen außergewöhnlichen AktivitĂ€ten zu tun ist.

Sie mĂŒssten auch verstehen, so Neese, dass das Kind manchmal wĂ€hrend des Unterrichts essen, Insulin abgeben und Blutzucker messen mĂŒsse. Generell sollte man das Kind als "normal" ansehen und da, wo es nötig ist, Hilfestellung geben - das wĂ€re der Idealfall fĂŒr eine gelungene Integration, sagt Neese.

Defizite bei der Schulung des Umfelds

Andreas Neu sieht in der Schulung des Umfelds große Defizite: "Es nĂŒtzt nichts, wenn ich die Eltern schule, aber das Kind ganztĂ€gig in der Kita oder Schule ist oder beim Training. Diese Betreuer der zweiten Reihe mĂŒssen auch geschult werden, und das ist in keinem Budget vorgesehen."

Die Langzeitbetreuung der Familien durch die Mediziner beinhaltet wiederum regelmĂ€ĂŸige Schulungen. Sie beschrĂ€nkten sich nicht nur auf den Umgang mit Insulin, sondern seien vielfĂ€ltig, sagt Neu. "Je nach Alter Ă€ndern sich die Themen." Zum Beispiel, wenn SchulausflĂŒge dazu kommen, in der Jugend erste Erfahrungen mit Alkohol und SexualitĂ€t gemacht werden, oder am Ende der Schulzeit die Frage nach dem FĂŒhrerschein im Raum steht.

Marlies Neese wird nicht mĂŒde, fĂŒr mehr Akzeptanz und AufklĂ€rung zu kĂ€mpfen. Sie ist Vorsitzende des Vereins fĂŒr Kinder und Jugendliche bei Diabetes mellitus, berĂ€t Kinder, Eltern, Kitas, Schulen, Krankenkassen und andere Institutionen.

Ihr Antrieb kommt aus der eigenen Erfahrung. Als ihre Tochter neun Jahre alt war, wurde bei ihr Diabetes Typ 1 diagnostiziert. "Ich war stock und steif, ich habe da erst mal nichts mitbekommen", sagt Neese und erzĂ€hlt: "Damals wie heute heißt es oft in der Schule: "Das betroffene Kind muss in eine Förderschule."" Oder, dass eine Aufnahme nur mit einer Integrationskraft erfolgt." Integration sehe anders aus.

Die wichtige Rolle der Eltern

Es zeigt sich der Expertin zufolge immer wieder, dass die Eltern eine zentrale Rolle einnehmen. Je besser diese geschult und dadurch in der Lage sind, sich mit dem Diabetes auseinanderzusetzen und diesen zu verstehen, umso besser könnten sie in Kita oder Schule fĂŒr ihr Kind einstehen.

Der Einfluss der Eltern hĂ€ngt auch vom Alter des Kindes ab, wie Diabetologe Neu sagt. Vor allem Ältere könnten durch die Diagnose in ein Loch fallen, wĂ€hrend betroffene Kinder im Kita- und Grundschulalter oft relativ schnell und problemlos zu ihrer Tagesordnung ĂŒbergingen und die Erkrankung darin integrierten, so der Experte.

Neuerkrankungsrate in 25 Jahren verdoppelt

Ein Typ-1-Diabetes kann bei Kindern jeden Alters auftreten. Und es gibt eine Verschiebung, so Neu: "In den vergangenen zehn Jahren haben wir erlebt, dass sich das Erkrankungsalter immer mehr zum jĂŒngeren Alter entwickelt."

Der Trend ist beunruhigend: "Die Neuerkrankungsrate hat sich in den vergangenen 25 Jahren verdoppelt, es gibt keine andere chronische Erkrankung im Kinder- und Jugendalter, die derart fortschreitet", sagt Neu. Beim Warum stochern die Forscher noch im Nebel. Als mögliche ErklĂ€rungsansĂ€tze im Raum stehen zum Beispiel UmwelteinflĂŒsse oder Änderungen bei der SĂ€uglingsnahrung.

Symptome erkennen und Entgleisung verhindern

Das Erkennen eines Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen basiert auf dem Wahrnehmen simpler Symptome - Leistungseinbruch, hÀufiges Trinken und Wasserlassen, Gewichtsabnahme zÀhlen dazu. Wenn solche Zeichen vorliegen, sollte eine rasche Diagnostik erfolgen, rÀt der Kinderdiabetologe Prof. Andreas Neu.

"Der Kinderarzt misst Blutzucker oder Urinzucker. Das ist innerhalb von wenigen Minuten gemacht und damit wird die Diagnose gestellt", so Neu. Danach setzten spezialisierte Medizinerinnen und Mediziner wie Neu die Behandlung und Therapie fort.

Bei jedem fĂŒnftem betroffenem Kind werden diese Symptome nicht erkannt, schĂ€tzt der Mediziner. "Weil die Bevölkerung nicht gut aufgeklĂ€rt ist, weil die Symptome nicht alarmierend sind. Niemand blutet, niemand hat Schmerzen, niemand ist schwer krank." Dabei sollten in so einem Fall die Alarmglocken schrillen - bei Eltern, bei Erziehern, bei Lehrern, bei allen, die mit dem Kind zu tun haben.

Unerkannt kann der Diabetes zu einer Stoffwechselentgleisung fĂŒhren, die schlimmstenfalls lebensbedrohlich ist. Sie zeigt sich durch Kopfweh, Übelkeit, Erbrechen und im Extremfall ein diabetisches Koma, also eine Ohnmacht. "Die Kinder können zum Teil nicht mehr gehen und stehen und sind in der Wahrnehmung eingeschrĂ€nkt", sagt Neu.

Sie erlebten dadurch die Diagnosestellung weitaus dramatischer als Kinder, bei denen die Symptome rechtzeitig erkannt werden, und sind dadurch mitunter traumatisiert.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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