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Sind knappe Medikamente ein Grund zur Sorge?

Von dpa
Aktualisiert am 21.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Medikamente: Am stärksten von Lieferproblemen betroffen waren unter anderem Blutdrucksenker, Magensäureblocker und Schmerzmittel.
Medikamente: Am stärksten von Lieferproblemen betroffen waren unter anderem Blutdrucksenker, Magensäureblocker und Schmerzmittel. (Quelle: Tempura/getty-images-bilder)
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Blutdrucksenker oder Schmerzmittel: Manche Arzneien sind immer wieder vor√ľbergehend nicht verf√ľgbar. Besonders die Pandemie sorgte zeitweilig f√ľr Turbulenzen. K√∂nnte das zu einem kritischen Engpass f√ľhren?

Den Apotheken und Haus√§rzten machen weiter Lieferengp√§sse bei wichtigen Arzneimitteln zu schaffen. Im vergangenen Jahr waren 16,7 Millionen Packungen nicht verf√ľgbar, f√ľr die es Rabattvertr√§ge mit den gesetzlichen Kassen gibt, ergab eine Auswertung des Deutschen Arzneipr√ľfungsinstitutes f√ľr den Deutschen Apothekerverband (DAV).


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Das waren etwas weniger als 2019 mit 18 Millionen Packungen. Am st√§rksten von Lieferproblemen betroffen waren unter anderem Blutdrucksenker, Magens√§ureblocker und Schmerzmittel. W√§hrend Haus√§rzte Lieferengp√§sse als Alltagsproblem beschreiben, betont das Bundesinstitut f√ľr Arzneimittel und Medizinprodukte, es st√ľnden oft alternative Medikamente bereit.

Herausforderungen in der Corona-Pandemie

Apotheken hätten jeden Tag personellen und logistischen Aufwand, um Patienten mit gleichwertigen Austauschpräparaten zu versorgen, wenn ein bestimmtes Medikament eines Herstellers nicht lieferbar ist, heißt es. In der Pandemie sei dies schwieriger geworden, da zur Reduzierung von Kontakten wiederholte Apothekenbesuche vermieden werden sollten.

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Die Lage etwas entschärft hätten rechtliche Erleichterungen bei der Auswahl von Ersatzmedikamenten wegen der Corona-Krise. "Diese pharmazeutische Beinfreiheit beim Einsatz vorrätiger Medikamente sollte unabhängig von der Pandemie erhalten bleiben", sagt der DAV-Vorsitzende Thomas Dittrich. "Lieferengpässe waren schon vor Corona da, und es wird sie auch danach geben."

Bestimmte Medikamente fehlen an "vier von f√ľnf Tagen"

Vor√ľbergehend nicht verf√ľgbare Arzneimittel sind ein allt√§gliches Problem bei Haus√§rzten, berichtet Hans-Michael M√ľhlenfeld, Vorstandsvorsitzender des Instituts f√ľr haus√§rztliche Fortbildung im Deutschen Haus√§rzteverband. "An vier von f√ľnf Tagen in der Woche erleben wir, dass gewisse Medikamente nicht zu bekommen sind." Eine Systematik, was warum fehle, sei nicht zu erkennen. "Gef√ľhlt ist die Lage in den vergangenen Jahren schlimmer geworden."

Teilweise k√∂nnten √Ąrzte auf wirkstoffgleiche Arzneien ausweichen, manche Tabletten schmeckten dann aus Sicht von Patienten anders oder lie√üen sich anders aufteilen, sagt der Mediziner. In anderen F√§llen seien auch Substanzen nicht verf√ľgbar, dann bleibe nur, etwas √Ąhnliches zu verschreiben.

Kein Grund f√ľr Alarmstimmung

M√ľhlenfeld sieht den Kostendruck im Gesundheitswesen als Problem. Die medizinische Versorgung lasse sich nicht marktwirtschaftlich l√∂sen. Er warnt aber vor einer Dramatisierung von Lieferengp√§ssen: "Vor einer gro√üfl√§chigen Unterversorgung mit Arzneien kann in Deutschland keine Rede sein."

Auch das Bundesinstitut f√ľr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sieht bei Lieferengp√§ssen keinen Grund f√ľr Alarmstimmung. Die Beh√∂rde beobachtet derzeit rund 190 Lieferengp√§sse bei rund 100.000 zugelassenen Arzneimitteln ‚Äď ein Anteil von knapp 0,2 Prozent. Unter den vor√ľbergehend knappen Medikamenten bef√§nden sich viele, f√ľr die es eine Reihe wirkstoffgleicher Nachahmerarzneien gebe. "Ein Lieferengpass muss also nicht gleichzeitig ein Versorgungsengpass sein, da oftmals andere Arzneimittel zur Verf√ľgung stehen."

Die Corona-Krise habe das Problem vor√ľbergehend versch√§rft, erkl√§rt das BfArM. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der gemeldeten Lieferengp√§sse zeitweise wesentlich h√∂her gewesen. Daher habe man gegengesteuert. Das Institut forderte Pharmaunternehmen und den Gro√ühandel auf, Arzneien nicht √ľber den normalen Bedarf hinaus zu beliefern, um eine √ľberm√§√üige Bevorratung zu verhindern. Derzeit sch√§tze der beim BfArM angesiedelte Beirat zu Liefer- und Versorgungsengp√§ssen die Lage aber "insgesamt als stabil ein".

Globalisierung sorgt f√ľr Lieferengp√§sse

Lieferengp√§sse bei Arzneien gibt es seit Jahren. Gewerkschaften sehen die komplexen Lieferketten in der Globalisierung als Ursache: Viele Wirkstoffe f√ľr Medikamente werden aus Kostengr√ľnden in China und Indien hergestellt. Kommt es in Fernost zu Fertigungsproblemen, Verunreinigungen oder gar zum Stillstand in der Produktion, kann sich das in Deutschland niederschlagen. Die Versorgungsengp√§sse will auch die EU mit ihrer neuen Arzneistrategie angehen.

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Die Gewerkschaft IG BCE forderte von der Politik, sich f√ľr eine wieder st√§rkere Arzneiproduktion in Deutschland und Europa einzusetzen. Andere wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) glauben nicht, dass sich die Produktion kurzfristig zur√ľckverlagern l√§sst. Wenn man vorrangig auf g√ľnstige Preise achte, rechne sich die Produktion bei Nachahmermedikamenten nicht, hie√ü es in einer fr√ľheren Stellungnahme.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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