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Grippesaison: RKI-Expertin hĂ€lt Entwarnung fĂŒr verfrĂŒht

Von dpa
Aktualisiert am 21.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Noch gibt es eher wenig Grippe-FĂ€lle in Deutschland.
Noch gibt es eher wenig Grippe-FÀlle in Deutschland. Doch die Viruszirkulation könnte sich in den kommenden Wochen verstÀrken. Eine RKI-Expertin rÀt noch zur Schutzimpfung. (Quelle: Maurizio Gambarini/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Eine Grippeschutzimpfung kann aus Expertensicht auch
in diesen Tagen noch ratsam sein - trotz bislang vergleichsweise
niedriger Infektionszahlen. Der weitere Verlauf der Influenzasaison
sei noch mit vielen UnwĂ€gbarkeiten verbunden, fĂŒr Entwarnung sei es
aber in jedem Fall zu frĂŒh, sagte Grippe-Expertin Silke Buda vom
Robert Koch-Institut (RKI).

Bislang seien die wissenschaftlichen Kriterien fĂŒr den Beginn der
Grippewelle in Deutschland zwar nicht erfĂŒllt. Dass sich der Erreger
aber in den kommenden Wochen noch verstÀrkt ausbreitet, ist Buda
zufolge nicht ausgeschlossen. "Es ist noch nicht zu spĂ€t fĂŒr
Impfwillige, sich die Grippeschutzimpfung geben zu lassen. Im
Gegenteil, in der derzeit unklaren Situation wÀre es sogar besonders
gut", sagte Buda.

Höhepunkt der Grippewellen oft Ende Februar

In der Regel beginnen saisonale Grippewellen nach dem Jahreswechsel,
der Höhepunkt wird hÀufig Ende Februar, Anfang MÀrz erreicht. Vor
diesem Hintergrund wird normalerweise ab dem Herbst geimpft.

"Die Besonderheit in dieser Saison ist, dass ein grĂ¶ĂŸerer Teil der
Bevölkerung wegen der ausgefallenen Grippesaison 2020/21 nicht durch
eine natĂŒrliche Infektion geboostert wurde. Dadurch lĂ€sst sich
weniger gut abschÀtzen, was passieren wird." Beim RS-Virus zum
Beispiel, das kleineren Kindern gefÀhrlich werden kann, habe sich
seit dem SpÀtsommer 2021 eine ungewöhnlich starke Verbreitung
gezeigt, auch unter dem Einfluss der Pandemie und der
KontaktbeschrÀnkungen.

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Vorteilhaft sei in jedem Fall, dass die Abstands- und Hygieneregeln
zum Schutz vor Corona auch die Ausbreitung der Influenza hemmen,
sagte Buda. "Auch die Maske hilft gegen alle Erreger von
Atemwegserkrankungen." Sie hoffe auch vor diesem Hintergrund, dass es
nicht zu einer zu starken Grippewelle diesen Winter komme, sondern
dass das Infektionsgeschehen langsam wieder in das ĂŒbliche saisonale
Muster ĂŒbergehe.

Weniger Grippe-FĂ€lle als in den Saisons vor der Pandemie

Die Zahl der bestÀtigten FÀlle von Grippe in Deutschland seien in den
vergangenen Wochen angestiegen, doch dann sei die Entwicklung
gedÀmpft worden - vermutlich auch beeinflusst durch Weihnachten, den
Jahreswechsel und die Schulferien. Gemeldet wurden dem RKI knapp 1000
FĂ€lle seit Anfang Oktober, von denen rund ein Viertel im Krankenhaus
behandelt wurde. Ob und wie stark die Grippe-AktivitÀt noch ansteigt,
sei nicht vorhersagbar, sagte Buda. Das bisherige Niveau an FĂ€llen
liegt ĂŒber dem des vergangenen Winters, aber niedriger als in den
Saisons vor der Pandemie.

Der Virustyp A(H3N2) zirkuliere derzeit hauptsÀchlich in Europa,
sagte Buda. Er sei erst mit der Influenzapandemie 1968 in die
Bevölkerung gekommen und habe in den folgenden Jahrzehnten hÀufig
schwerere saisonale Wellen verursacht. Kinder steckten sich hÀufig
damit an, problematische KrankheitsverlÀufe trÀfen jedoch vor allem
die Àlteren Menschen. "Die ersten Laborergebnisse zur Passgenauigkeit
des Impfstoffs sehen nicht schlecht aus", sagte Buda.

Es ist möglich, dass im Lauf des Winters ein anderer Virustyp, etwa
vom Typ B, das Geschehen ĂŒbernimmt und sich die Situation nochmals
verĂ€ndert. FĂŒr die WHO Region Europa habe die Grippesaison mit
erhöhter Influenza-AktivitÀt Anfang Dezember 2021 begonnen, schreibt
die Arbeitsgruppe Influenza (AGI) am RKI in ihrem Wochenbericht vom
Mittwoch zur internationalen Lage. In der ersten Januarwoche hÀtten
sechs LĂ€nder Raten von mehr als zehn Prozent positiver
Grippenachweise gemeldet.

Starke Viruszirkulation in Frankreich

Auch Frankreich wird neben LĂ€ndern wie Armenien, Belarus und Serbien
genannt. Die Impfkampagne gegen die Grippe ist in unserem Nachbarland
wegen der aktiven Viruszirkulation verlÀngert worden. Seit Anfang
Oktober kamen 72 Menschen mit schweren GrippeverlÀufen auf die
Intensivstation, sechs von ihnen starben. Die Zahl der Arztbesuche
wegen Grippe stieg zuletzt deutlich an, liegt aber noch deutlich
unter den Höhepunkten der Grippewellen in vorherigen Jahren.

Seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 befĂŒrchten Experten, dass es
etwa fĂŒr Kliniken und Praxen zu einer massiven Doppelbelastung durch
Corona und Grippe kommen könnte. Die StÀndige Impfkommission (Stiko)
empfiehlt die Grippeschutzimpfung unter anderem Menschen ab 60
Jahren, Schwangeren, Vorerkrankten und medizinischem Personal.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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