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Coronavirus-Pandemie: Wie weit ist die Impfstoff-Forschung gegen Covid-19?

Curevac, Moderna, Sanofi und Co.  

So weit ist die Impfstoff-Forschung gegen Covid-19

Von Nicole Sagener

25.05.2020, 14:25 Uhr
Coronavirus-Pandemie: Wie weit ist die Impfstoff-Forschung gegen Covid-19?. Suche nach einem Impfstoff: Etliche Unternehmen forschen mit Hochdruck nach einem Corona-Mittel. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)

Suche nach einem Impfstoff: Etliche Unternehmen forschen mit Hochdruck nach einem Corona-Mittel. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa)

Forscher und Pharmaunternehmen suchen weltweit nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Manche testen ihre Wirkstoff-Kandidaten bereits an Menschen. Wir stellen einige der Projekte vor.

Wann kommt ein Impfstoff gegen Covid-19? Seit Monaten bewegt diese Frage die Welt. Wer auf die Zahl der mittlerweile laufenden Impfstoffprojekte schaut, könnte eigentlich guter Dinge sein – auch wenn die Weltgesundheitsorganisation WHO gerade die Zuversicht gedämpft hat, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 bald durch ein Gegenmittel ausgerottet werden könnte.

Dennoch: Dass weltweit ein wahres Wettrennen um einen Impfstoff gestartet ist und neue Technologien die Forschung teilweise enorm beschleunigen, dürfte die Chancen auf einen Erfolg zumindest erhöhen. Mindestens 133 Forschungsprojekte gibt es zu SARS-CoV-2 laut dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) inzwischen. Mehrere Firmen und Institute testen ihre potenziellen Mittel bereits in klinischen Studien an Freiwilligen oder wollen damit in wenigen Monaten beginnen. Doch wie genau ist der aktuelle Stand? Wir stellen eine Auswahl an Projekten in verschiedenen Stadien der Forschung vor.

Erprobung einiger Impftstoffkandidaten schon fortgeschritten

Einige Projekte sind in der klinischen Erprobung bereits in Phase zwei von insgesamt drei. Das heißt: Nachdem die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Impfstoffkandidaten zuerst an Tieren und in der ersten klinischen Phase an einer kleinen Gruppe von zehn bis 30 Probanden erfolgreich getestet worden ist, wird der Wirkstoff nun an einer größeren Gruppe von 50 bis 500 Freiwilligen erprobt. Dabei liegt das Hauptaugenmerk neben der Verträglichkeit auch auf der Dosierung und der Art der Immunantwort.

Das US-Unternehmen Moderna: Erfolgreiche erste Tests an Menschen

Kürzlich vermeldete etwa der US-Konzern Moderna erfolgversprechende Zwischenergebnisse für seinen Impfstoffkandidaten namens mRNA-1273. Moderna hatte Mitte März in den USA mit der ersten Phase der Erprobung an Freiwilligen begonnen. Die Teilnehmer dieser ersten klinischen Studie entwickelten laut dem Biotech-Unternehmen nach zwei Impfungen Antikörper, die mindestens so hoch konzentriert waren wie bei genesenen Corona-Patienten. Sie wurden also infolge der Behandlung immun gegen SARS-CoV-2.
 

 
Auch in Tierversuchen mit Mäusen stoppte eine Impfung mit mRNA-1273 die Vermehrung des Erregers in der Lunge. Die US-amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA hat Moderna bereits eine Genehmigung für eine Phase-2-Studie erteilt. Phase 3 soll noch im Sommer folgen. 

So funktioniert die mRNA-Technologie
Die mRNA (messenger RNA) ist ein natürlicher Botenstoff, der die menschlichen Zellen dazu anregt, die eigenen Abwehrmechanismen gegen einen bestimmten Erreger zu aktivieren. Die mRNA wird dazu mit Informationen über ein Protein des Coronavirus bestückt und in die menschlichen Zellen eingeschleust. Daraufhin erkennt der menschliche Organismus das von den eigenen Zellen produzierte Protein als fremd und schaltet seine Immunzellen ein. Diese produzieren Antikörper und T-Zellen gegen das Virus – der körpereigene Abwehrmechanismus baut sich also auf, wie bei einer natürlichen Infektion mit dem Virus.

CanSino Biologics aus China kooperiert mit Kanada

Auch das chinesische Unternehmen CanSino Biologics arbeitet mit dem Beijing Institute of Biotechnology an einem Impfstoff, der in China bereits Phase 2 der klinischen Erprobung erreicht hat.

Eine Studie der Phase 2 soll mit dem Vektorvirus-Wirkstoff mit der Bezeichnung Ad5-nCoV in Kanada stattfinden und wurde dort bereits genehmigt. Der Nationale Forschungsrat von Kanada hatte Mitte Mai eine Zusammenarbeit mit CanSino Biologics Inc. bekanntgegeben. Im Fall einer erfolgreichen Testung könnte das Mittel in Kanada hergestellt werden.

Oxford University mit Unterstützung durch AstraZeneca

Die renommierte britische Oxford-Universität forscht an einem sogenannten Vektorviren-Impfstoff. Seit Ende April läuft in Großbritannien die erste Testphase an Freiwilligen. An der Entwicklung beteiligt ist unter anderem der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca. Er verfügt nach eigenen Angaben über Herstellungskapazitäten für eine Milliarde Impfdosen und hat gerade die Zusage für eine Finanzspritze von den USA bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar erhalten.
 

 
Das von der US-Behörde Barda mitfinanzierte Forschungsprogramm sieht auch eine Studie der fortgeschrittenen Phase 3 an etwa 30.000 Patienten sowie eine Testreihe mit Kindern vor. Das Vereinigte Königreich soll schon ab September mit dem Impfstoff beliefert werden, in den USA ist der Start für den späten Herbst vorgesehen.

Wie Vektorviren-Impfstoffe funktionieren
Als Basis für diese Impfstoffe dienen andere, harmlosere Viren wie etwa das Impfvirus Vaccinia oder aber ein abgeschwächter Impfstamm des Masernvirus. Diese Viren werden mit Bestandteilen des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 bestückt. Die menschliche Immunabwehr reagiert im Idealfall auf dieses harmlose, als SARS-CoV-2 getarnte Virus, indem es Antikörper gegen das neue Coronavirus produziert.

Das Biotech-Unternehmen Curevac aus Tübingen

Das Unternehmen Curevac ging im Jahr 2000 aus der Universität Tübingen hervor. Gründer waren die beiden Professoren Günter Jung und Hans-Georg Rammensee, die vorher bereits an der Universität Tübingen an der Erforschung von Impfstoffen, unter anderem gegen Krebs beteiligt waren.

Curevac entwickelt einen genbasierten Impfstoff (mRNA), der ausgewählte Gene des Virus enthält. Laut dem Unternehmen hat der Testkandidat in präklinischen Studien bereits positive Ergebnisse erzielt. Ab Juni soll der Kandidat an Probanden in Deutschland und Belgien getestet werden, produziert wird er in einer firmeneigenen Anlage in Tübingen. Curevac-Gründer Rammensee sorgte im Mai 2020 für Aufsehen, als er einen Selbstversuch mit dem Wirkstoff unternahm.

Finanziell unterstützt wird Curevac für seine Impfstoffentwicklung von der EU-Kommission, der Bill & Melinda Gates Stiftung sowie der Defense Advances Research Projects Agengy (DARPA), einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums. Miteigentümer ist zudem Dietmar Hopp, Mitbegründer des IT-Unternehmens SAP und Mäzen des Fußball-Bundesligisten Hoffenheim.

Sanofi plant baldige Tests an Menschen 

Der französische Pharmakonzern Sanofi sorgte zuletzt für Aufregung, weil er den USA laut Berichten zusagt hatte, einen möglichen Corona-Impfstoff bevorzugt in die Vereinigten Staaten zu liefern. Grund sei, dass die  amerikanische Gesundheitsbehörde Barda 30 Millionen Dollar investiere, um die finanziellen Risiken bei der Entwicklung eines möglichen Corona-Impfstoffs abzufedern. Nach heftiger internationaler Kritik ruderte der Pharmariese aber zurück und hob dieses Vorhaben wieder auf.
 

 
Sanofi forscht an einem Totimpfstoff mit gentechnisch hergestelltem Virusantigen. An Menschen erprobt wurde er bislang noch nicht. Erste Testungen an Menschen sind ab der zweiten Jahreshälfte 2020 geplant.

So wirken Totimpfstoffe
Die Variante der Impfung beruht auf inaktivierten Erregern und kann auf zwei Arten funktionieren: Entweder enthalten sie bestimmte Virusproteine oder aber das gesamte Material von inaktivierten SARS-CoV-2-Viren. Auch die Impfung gegen Grippe oder gegen Hepatitis B ist so konzipiert.

Breite Produktion von Impfstoffen startet schon jetzt

Sollte absehbar ein sicherer und wirksamer Impfstoff gefunden werden, steht aber noch eine weitere Herausforderung bevor: die schnelle Produktion von großen Mengen an Impfdosen und deren Verteilung in der Bevölkerung.

Um eine breite Herstellung zu beschleunigen, wollen mehrere Unternehmen und Forschungsinstitute ihre Produktionskapazitäten für einen Covid-19-Impfstoff ausweiten. Einige, darunter Moderna und die Oxford University, wollen bereits mit der Großproduktion von Impfstoffkandidaten beginnen, bevor die Erprobung an Menschen abgeschlossen ist – trotz des Risikos, die produzierten Dosen im Falle negativer Testergebnisse entsorgen zu müssen.

Zudem haben auch Unternehmen, die nicht an eigenen Covid-19-Impfstoff forschen, zugesagt, die Herstellung von Impfstoffen anderer Firmen zu unterstützen. Dazu zählen etwa das japanische Unternehmen Takeda sowie das Unternehmen Bayer.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
  • European Medicines Agency (EMA)
  • European Centre for Disease Prevention and Control: "Covid-19"
  • Bundesgesundheitsministerium: "Aktuelle Informationen zum Coronavirus"
  • WHO: "Coronavirus disease (COVID-19) outbreak"
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "Antworten auf häufig gestellte Fragen zum neuartigen Coronavirus"
  • Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
  • Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa)
  • Robert Koch-Institut: "Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2"
  • Robert Koch-Institut: "COVID-19 - Übersicht"
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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