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Corona-Varianten: Lambda breitet sich aus – wie gut wirken die Impfstoffe?

Corona-Varianten im Überblick  

Lambda breitet sich in Europa aus – wie gut wirken die Impfstoffe?

22.07.2021, 15:16 Uhr
Corona-Varianten: Lambda breitet sich aus – wie gut wirken die Impfstoffe?. Laboruntersuchung (Symbolbild): Dass das Coronavirus immer weiter mutiert, ist nicht ungewöhnlich. (Quelle: Reuters/Kham/File Photo)

Laboruntersuchung (Symbolbild): Dass das Coronavirus immer weiter mutiert, ist nicht ungewöhnlich. (Quelle: Kham/File Photo/Reuters)

Neue Mutationen des Coronavirus sind weiter auf dem Vormarsch. Die in Südamerika entdeckte Lambda-Variante hat bereits Europa und auch Deutschland erreicht. Was wissen Forscher über diesen Typ?

Seit Beginn der Pandemie hat das Coronavirus SARS-CoV-2 schon mehrere potenziell ansteckendere und gefährlichere Varianten ausgeprägt. Mehr als 4.000 verschiedene sind weltweit bekannt, nur die wenigsten werden jedoch in Studien untersucht und regelmäßig beurteilt.

Zunächst bürgerte es sich ein, die Mutanten nach dem Land zu benennen, in dem sie als erstes auftraten – beispielsweise "britische" oder "indische" Variante. Die Weltgesundheitsorganisation WHO wollte jedoch ein Zeichen gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit setzen und vereinfachte deshalb im März 2021 die Benennung der Varianten.

Seitdem sind sie nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt:

  • Alpha (B1.1.7)
  • Beta (B.1.351)
  • Gamma (P.1)
  • Delta (B.1.617.2) und Delta Plus (B.1.617.2.1)
  • Epsilon (B.1.427 / B.1.429)
  • Zeta (P.2)
  • Eta (B.1.525)
  • Theta (P.3)
  • Iota (B.1526)
  • Kappa (B.1.617.1)
  • Lambda (C.37)

Diese elf für die Pandemie relevanten Varianten stehen auf der WHO-Liste für besorgniserregende oder unter Beobachtung stehende Virusvarianten. Ein Überblick, was die Forschung bislang zu ihnen weiß – und was nicht (Stand: 21. Juli 2021).

Die WHO teilt Corona-Varianten in zwei Kategorien ein:
Varianten unter Beobachtung ("variants of interest"): Sie führen zu gehäuften Fällen oder treten in mehreren Ländern auf.
Besorgniserregende Varianten ("variants of concern"): Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen.

Lambda (C.37)

Die zuerst in Lateinamerika aufgetretene Corona-Variante Lambda steht seit Mitte Juni unter besonderer Beobachtung der Weltgesundheitsorganisation. Sie wurde erstmals im August 2020 in Peru identifiziert und verbreitet sich nun auch in Europa – unter anderem in Spanien, Großbritannien und Deutschland.

Aufgrund ihrer Mutationen könnte die Virus-Version möglicherweise noch ansteckender als bisherige Varianten sein. Doch noch werten Wissenschaftler Daten dazu aus. Wie die Genfer UN-Behörde Mitte Juni berichtete, könnte Lambda auch schwieriger durch das Immunsystem zu bekämpfen sein und so zu schwereren Covid-19-Verläufen führen. Dies gilt bisher aber nicht als erwiesen.

Auch zur Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe gegen die Lambda-Variante ist bislang wenig bekannt.

Studie: Wie gut schützen Corona-Impfstoffe vor Lambda?

Einer vorveröffentlichten US-Studie zufolge gebe es eine "hohe Chance", dass die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna gegen die Lambda-Variante unverändert wirksam seien. Die Forscher konnten die Virusvariante demnach in Laboruntersuchungen neutralisieren.

Die Datenlage ist allerdings zu gering, um verlässliche Angaben über die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe zu machen.

Sinovac-Präparat weniger wirksam bei Lambda?

Zuvor hatte es vermehrt Berichte über Impfdurchbrüche in Lateinamerika aufgrund der Lambda-Variante gegeben. In Chile etwa steigen die Infektionszahlen weiter rasant, obwohl über 65 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind.

Eine mögliche Erklärung: Fast 80 Prozent der Geimpften haben das Vakzin Coronavac des chinesischen Herstellers Sinovac erhalten. Experten gehen davon aus, dass das Vakzin zwar vor schweren Krankheitsverläufen bei Covid-19 schützt, aber weniger gut Infektionen mit dem Virus verhindert.

Insbesondere bei der Lambda-Variante sei dieser sogenannte "Immun escape" hoch. Das bedeutet, dass das Virus mithilfe der Mutationen auch nach einer Impfung der Abwehr durch das Immunsystem entgehen kann. In diesem Zusammenhang wird auch von einer "undichten Impfung" gesprochen. 

Undichte Stellen dürfte es bei den mRNA-Vakzinen von Biontech und Moderna sowie den Vektor-Impfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson laut Experten deutlich seltener geben – auch in Bezug auf die Lambda-Variante. Wie groß die Wirksamkeit der Vakzine gegen die neue Variante tatsächlich ist muss aber noch weiter untersucht werden.

Covid-19-Impfstoff: Der weitere Verlauf der Pandemie hängt auch davon ab, wie gut die vorhandenen Impfstoffe gegen Mutationen des Virus wirken. (Quelle: dpa/Daniel Karmann)Covid-19-Impfstoff: Der weitere Verlauf der Pandemie hängt auch davon ab, wie gut die vorhandenen Impfstoffe gegen Mutationen des Virus wirken. (Quelle: Daniel Karmann/dpa)

Alpha (B1.1.7)

Die Alpha-Variante, die die "britische" Corona-Variante ersetzt, ist seit November 2020 bekannt. Zunächst breitete sie sich rasant in Großbritannien aus. Schließlich konnte sie auch in Deutschland den bis dahin vorherrschenden Wildtyp verdrängen und dominierte lange Zeit das Infektionsgeschehen. Von der WHO wurde Alpha im Dezember 2020 als besorgniserregende Variante eingestuft.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gilt Alpha als ansteckender – und führt somit zu einer höheren Reproduktionszahl. In ersten Schätzungen hieß es, sie verursache 50 bis 70 Prozent mehr Infektionen im Vergleich zu früheren Formen. Mittlerweile ist Studien zufolge anhand einer robusteren Datenbasis davon auszugehen, dass der Zuwachs eher bei circa 35 bis 50 Prozent liegt.

Drosten-Studie: zehnfach höhere Viruslast bei B.1.1.7

Laut einer im Mai veröffentlichten Untersuchung wies ein deutsches Forschungsteam in den Proben von Personen, die mit der britischen Virusvariante B.1.1.7 infiziert waren, eine im Schnitt zehnfach höhere Viruslast nach. Die Experten schätzen die Infektiosität im Labor auf das 2,6-Fache. Hierzu untersuchten sie Viruslasten von fast 1.500 Fällen mit B.1.1.7-Infektion, denen sie knapp 1.000 Personen mit anderen Viren gegenüberstellten, die zur selben Zeit in denselben Abstrichstellen, Ambulanzen oder Stationen untersucht wurden.

"Auch wenn Laborversuche es bisher noch nicht abschließend erklären können: Das B.1.1.7-Virus ist infektiöser als andere Varianten", sagte Charité-Virologe Professor Christian Drosten.

Es gibt Hinweise, aber noch keine Beweise dafür, dass diese Variante mit einer erhöhten Fallsterblichkeit in allen Altersgruppen einhergeht.

Wirken die verfügbaren Impfstoffe gegen die Variante?

Hinweise auf eine verringerte Wirksamkeit der Impfstoffe gibt es dem RKI zufolge aber nicht. Alle in Deutschland zur Verfügung stehenden Vakzine schützen vor einer Erkrankung mit der Alpha-Variante, teilte das Institut mit. Doch bei einer Sonderform der Variante – B.1.1.7 E484K – wird vermutet, dass sie das Virus unempfindlicher gegen bereits gebildete neutralisierende Antikörper machen könnte.

Beta (B.1.351)

Bei Untersuchungen in Südafrika wurde im Mai 2020 eine Virusvariante entdeckt, die sich von dort rasch in andere afrikanische Länder, aber auch nach Australien, Europa und Südamerika ausbreitete. Im Januar 2021 wurden auch erste Fälle der Beta-Variante in Deutschland bekannt. Die WHO stufte sie im Dezember 2020 als besorgniserregende Variante ein.

Nach derzeitigem Wissensstand ist Beta wohl etwas weniger ansteckend als die Variante Alpha – aber immer noch ansteckender als der Ursprungstyp des Coronavirus. "Auch für diese Variante wird eine höhere Übertragbarkeit diskutiert", so das RKI.

Es gibt Hinweise, dass die Corona-Impfstoffe weniger wirksam sein könnten und dass sich Menschen nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung erneut mit dieser Variante des Coronavirus anstecken könnten. Die Datenlage ist allerdings dünn.

Gamma (P.1)

Eine weitere Corona-Variante wurde im Januar 2021 erstmals bei vier Personen in Japan nachgewiesen, die zuvor aus Brasilien eingereist waren. Sie trägt den Namen Gamma – oder auch P.1 – und ist seit Ende 2020 im brasilianischen Bundesstaat Amazonas die dominierende Variante. Von dort verbreitete sie sich weltweit, auch in Deutschland wurde Gamma vereinzelt in untersuchten Proben nachgewiesen. Die WHO stuft die Corona-Variante als besorgniserregend ein.

Gamma steht im Verdacht, ansteckender zu sein als die ursprünglichen Varianten des Coronavirus. Das RKI hält eine erhöhte Übertragbarkeit für denkbar. Ob Gamma mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko gegenüber dem Wildtyp einhergeht, ist bislang noch nicht bekannt. Studien zur Wirksamkeit der Impfstoffe liefern noch teils widersprüchliche Ergebnisse.

Delta (B.1.617.2) und Delta Plus (B.1.617.2.1)

Die Delta-Variante, die erstmals in Indien aufgetaucht ist, steht seit dem Frühjahr im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Sie wurde Mitte Mai von der WHO als besorgniserregende Variante eingestuft.

Delta verbreitete sich besonders stark in Großbritannien. Mittlerweile hat sie auch in Deutschland die Alpha-Variante verdrängt und dominiert seither das Infektionsgeschehen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Delta noch ansteckender ist, als Alpha.

Höheres Risiko schwerer Covid-Verläufe bei Delta-Variante

Nach Angaben der englischen Gesundheitsbehörde könnte die Delta-Variante häufiger zu schwereren Covid-19-Erkrankungen führen. "Erste Erkenntnisse aus England und Schottland legen nahe, dass es ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinlieferungen geben könnte als bei der Alpha-Variante", heißt es in einer aktuellen Risikoeinschätzung von Public Health England. Ob die Delta-Variante auch zu einer höheren Todesrate führt, ist bislang noch unklar.

Die Delta-Variante des Coronavirus kann zudem die Immunantwort Geimpfter reduzieren. Wie wirksam die einzelnen Corona-Impfstoffe gegen Delta sind, erfahren Sie hier.

Delta Plus: bisher kaum erforscht

Bei der Delta-Plus-Variante handelt es sich um eine weitere in Indien entdeckte Virusvariante. Sie weist neben den ursprünglichen Mutationen der Delta-Variante eine weitere Mutation auf dem Spike-Protein auf. Bisher ist wenig über Delta Plus bekannt. Experten schätzen die Delta-Plus-Variante zwar als besorgniserregend ein, dennoch gebe es bisher keine Erkenntnisse darüber, dass die Variante auch gefährlicher sei.

Epsilon (B.1.427 / B.1.429)

Im März 2020 wurde in Kalifornien in den USA erstmals die Epsilon-Variante nachgewiesen. Sie steht seitdem bei der WHO unter Beobachtung. In Deutschland spielt Epsilon bislang keine Rolle, der Anteil hierzulande fällt sehr gering aus.

Schätzungen zufolge hat Epsilon eine 20 Prozent höhere Übertragbarkeit. Inwieweit sich die Variante auf die Schwere einer Covid-19-Erkrankung auswirken oder ob sie die Impfwirkung herabsetzen kann, ist noch nicht bekannt.

Covid-Intensivstation: Ärzte und Pfleger kümmern sich dort um die schwerkranken Covid-Patienten. (Quelle: imago images/Max Stein)Covid-Intensivstation: Ärzte und Pfleger kümmern sich dort um die schwer kranken Covid-Patienten. (Quelle: Max Stein/imago images)

Zeta (P.2)

Die Variante Zeta wurde erstmals im April 2020 in Brasilien entdeckt. Unter Beobachtung der WHO steht sie seit März 2021.

P.2 ist eng verwandt mit P.1, einer Corona-Variante, die ebenfalls in Brasilien vorherrscht. Für Zeta gilt daher auch: Die Immunantwort durch schützende Antikörper bei Geimpften und Genesenen könnte verringert sein. Aussagekräftige Studien dazu, wie stark, stehen aber noch aus.

Eta (B.1.525)

Die als Eta bekannte Variante wurde seit Dezember 2020 in Ländern Zentralafrikas nachgewiesen, vorrangig in Nigeria und Angola. Aber auch in Großbritannien ist sie vereinzelt aufgetreten. Ende Juni gab es einen Fall in Deutschland.

Von der WHO unter Beobachtung steht Eta seit März, da sie eine Vielzahl von Mutationen aufweist, mit denen eine erhöhte Übertragbarkeit und eine veränderte Immunantwort einhergehen könnten.

Theta (P.3)

Die von der WHO unter Beobachtung stehende Theta-Variante wurde erstmals im Januar 2021 auf den Philippinen nachgewiesen. Später tauchte sie auch beispielsweise in Japan, in den USA und vereinzelt in Deutschland auf.

Bislang gibt es kaum verlässliche Daten zu dieser Corona-Variante. Forscher gehen aber davon aus, dass sie einen verringerten Immunschutz auslösen könnte.

Iota (B.1526)

Die Iota-Variante wurde im November 2020 zuerst in New York City in den USA entdeckt und breitete sich bis zum Frühjahr in zahlreichen Ländern aus. Seit Ende März steht sie unter Beobachtung.

Auch bei Iota wurden Mutationen festgestellt, durch die sich das Virus unangreifbar für Antikörper nach Impfungen oder Infektionen machen könnte.

Kappa (B.1.617.1)

Ende 2020 wurde die Kappa-Variante in Proben in Indien entdeckt. Seither tritt sie vermehrt auch in Großbritannien und in den USA auf. Wenige Fälle sind auch in Deutschland bekannt.

Wie auch die Delta-Variante gehört Kappa zur Viruslinie B.1.617. Allerdings steht sie derzeit unter Beobachtung und ist noch nicht als besorgniserregend klassifiziert. Auch für die Kappa-Variante wird angenommen, dass sie mit einer verringerten Immunität und höheren Übertragbarkeit im Zusammenhang stehen könnte.

Verwendete Quellen:
  • Ärzteblatt: "Variante CAL.20C könnte Zunahme von COVID-19 in Südkalifornien erklären"
  • Washington Post: "Vietnam detects highly contagious new coronavirus variant as infections surge", 29. Mai 2021
  • tagesschau: "Was wir über die Delta-Variante wissen", 11. Juni 2021
  • RND: "Delta, Eta, Kappa, Lambda: Was die elf Coronavirus-Varianten auf der WHO-Liste unterscheidet", 5. Juli 2021
  • Pharmazeutische Zeitung
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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