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Corona-Pandemie: Die Lage in Deutschlands Nachbarländern spitzt sich zu


Pandemie in Europa
Corona-Lage in Deutschlands Nachbarländern spitzt sich zu

Von dpa, pdi

23.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Polen, Danzig: Eine Frau mit Mund-Nase-Schutz fährt auf der Dluga-Straße Rad.Vergrößern des BildesPolen, Danzig: Eine Frau mit Mund-Nase-Schutz fährt auf der Dluga-Straße Rad. (Quelle: dpa-bilder)
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Ganz Europa kämpft mit drastischen Maßnahmen gegen die zweite Corona-Welle. In einigen Nachbarländern Deutschlands ist die Lage besonders dramatisch – und es gibt nur wenig Aussicht auf Besserung.

Angesichts dramatischer Infektionszahlen werden die Maßnahmen gegen die zweite Corona-Welle in den Nachbarländern Deutschlands immer weiter verschärft. Polen schließt von Samstag an alle Restaurants und verbietet Versammlungen mit mehr als fünf Personen. Belgien macht die Freizeitparks dicht. In Tschechien muss unterdessen der Gesundheitsminister seinen Posten räumen, weil er gegen die eigenen Vorschriften verstoßen hat.


Für deutsche Touristen schrumpft die Zahl der potenziellen Ziele im Ausland an diesem Samstag weiter. Ab Mitternacht gilt die am Donnerstag beschlossene Reisewarnung für die Schweiz, fast ganz Österreich, große Teile Italiens, Polen sowie einige weitere Regionen in der EU.

Polen

In Polen liegen die Infektionszahlen im Vergleich zur Bevölkerung inzwischen fast drei Mal so hoch wie in Deutschland. Das Land müsse die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am Freitag. Die Schließung der Gastronomie gilt für zunächst zwei Wochen, kann aber verlängert werden. Für alle Schüler ab der 4. Klasse wurde Fernunterricht per Computer verordnet. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren dürfen das Haus oder die Wohnung tagsüber zwischen 8 und 16 Uhr nur noch in Begleitung eines Erwachsenen verlassen.

Frankreich

Frankreich dehnt die nächtliche Ausgangssperre auf rund zwei Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner des Landes aus. Insgesamt seien ab Samstag 46 Millionen Menschen davon betroffen, sagte Frankreichs Premier Jean Castex am Donnerstag. Die Ausgangssperre gelte dann in 54 Départements und dem französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien. "Die Situation ist ernst, sie ist ernst in Europa, sie ist ernst in Frankreich", warnte Castex und drohte zugleich mit noch schärferen Maßnahmen. Der Monat November werde hart.

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In Frankreich leben knapp 67 Millionen Menschen. Bisher gilt bereits eine nächtliche Ausgangssperre im Großraum Paris und acht weiteren Metropolen. Ohne triftigen Grund dürfen sich Menschen dort seit dem Wochenende zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht auf der Straße aufhalten. Es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der Ausgangssperre dort zu bewerten, sagte Castex. Neu gilt die nächtliche Ausgangssperre nun etwa im Département Bas-Rhin mit der Elsass-Metropole Straßburg oder auf Korsika. Außerdem ist fast die gesamte Mittelmeerküste betroffen.

"Wenn es uns nicht gemeinsam gelingt, die Epidemie einzudämmen, müssen wir härtere Maßnahmen ergreifen", sagte Castex. Es sei noch Zeit, das zu verhindern - aber die Zeit werde knapp.

Frankreich stellte am Donnerstag auch seine neue Anti-Corona-App "TousAntiCovid" vor. Die Vorgängerversion "StopCovid" war ein Flop. Die neue App solle nun ein "digitales Schweizer Taschenmesser" im Kampf gegen Corona sein, sagte der Staatssekretär für Digitales, Cédric O.

Das Land hat mit 41.622 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden einen Spitzenwert erreicht. Das seien rund 15.000 mehr als am Vortag, teilten die Behörden am Donnerstagabend mit. Insgesamt stieg die Zahl der Neuinfektionen auf 999.000 und erreichte damit fast die Marke von einer Million.

Seit dem Wochenende gilt erneut der Gesundheitsnotstand, mit dem die Regierung weitgehende Beschränkungen per Dekret durchsetzen kann.

Belgien

Belgien ist nach Tschechien das Land mit den zweithöchsten Infektionszahlen in der EU im Vergleich zur Bevölkerung. Die Freizeitparks müssen zunächst für die kommenden vier Wochen schließen. An kulturellen, religiösen oder anderen Veranstaltungen im Inneren dürfen maximal 40 Personen teilnehmen, solange die Corona-Regeln eingehalten werden. Ist ein Abstand von mindestens eineinhalb Metern garantiert, dürfen es bis zu 200 Personen sein, die jedoch eine Maske tragen müssen.

An Universitäten dürfen die Räume maximal zu 20 Prozent ausgelastet werden; auch hier gilt eine Maskenpflicht. Im ersten Studienjahr gelten Ausnahmen. Bei Sportveranstaltungen sind Zuschauer wieder verboten. Wenn möglich, sollen die Menschen weiter von zu Hause aus arbeiten.

Tschechien

In Tschechien sind die Restaurants schon seit eineinhalb Wochen geschlossen. Gesundheitsminister Roman Prymula besuchte offensichtlich dennoch eines. Die Zeitung "Blesk" fotografierte den Politiker und Epidemiologen, wie er abends ein Luxusrestaurant verlässt und dabei keine Maske trägt. Regierungschef Andrej Babis sagte am Freitag, er habe den 56-Jährigen deswegen gebeten, seinen Rücktritt einzureichen. Tue er das nicht, werde er entlassen. Das Fehlverhalten des Ministers sei "unentschuldbar".

Österreich

In Österreich stoßen die deutschen Reisewarnungen und besonders die neue bayerische Testpflicht für Berufspendler aus Corona-Risikogebieten auf Ablehnung. Politiker und Wirtschaftsvertreter kritisieren den seit Freitag in Bayern von Berufspendlern verlangten wöchentlichen Corona-Test. "Eine gewisse Vorbereitungszeit wäre wünschenswert gewesen", teilte Tirols Landeschef Günther Platter mit.

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Österreichs Europaministerin Karoline Edtstadler will am Dienstag bei einem Besuch bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) über die ausgeweitete Reisewarnung sprechen. "Wir bedauern die Entscheidung der deutschen Regierung eine Reisewarnung über große Teile Österreichs zu verhängen, und die damit verbundenen weiteren Maßnahmen", teilte die konservative Politikerin am Freitag mit.

Ab Samstag gilt für ganz Österreich mit Ausnahme des Bundeslandes Kärnten und zwei kleiner Exklaven an der deutschen Grenze eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Bei einer Einreise nach Deutschland ohne ein aktuelles, negatives Corona-Testergebnis muss man in Quarantäne, von der man sich allerdings auch noch später "freitesten" lassen kann. Ausnahmen gelten für Berufspendler. Ab dem 8. November können sich Einreisende aus Österreich erst nach fünf Tagen mit einem Test aus der Quarantäne befreien.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
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