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Europa startet historische Impfaktion: "Ein Lichtstrahl in der Dunkelheit"

Start der historischen Impfaktion  

Europa impft: "Ein Lichtstrahl in der Dunkelheit"

27.12.2020, 19:36 Uhr | AFP

Europa startet historische Impfaktion: "Ein Lichtstrahl in der Dunkelheit". Im Asklepios-Krankenhaus in Athen: Ein Klinikmitarbeiter erhält den Impfstoff. (Quelle: imago images)

Im Asklepios-Krankenhaus in Athen: Ein Klinikmitarbeiter erhält den Impfstoff. (Quelle: imago images)

Diesen Tag hat ein ganzer Kontinent herbeigesehnt: Am Sonntag hat in der Europäischen Union offiziell die Corona-Impfkampagne begonnen. Die Hoffnung ist groß, dass dies der Beginn einer Trendwende ist.

Wie in Deutschland hat auch in den übrigen EU-Staaten am Sonntag die offizielle Impfkampagne gegen das Coronavirus begonnen. Führende Politiker der EU und ihrer Mitgliedstaaten begrüßten den Impfstart mit dem Vakzin der Firmen Biontech und Pfizer. Sie riefen die Bevölkerung dazu auf, sobald wie möglich vom Angebot der Impfung Gebrauch zu machen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, die Impfungen seien sicher und wirksam. "Sie sind nicht nur ein Schutz für die Menschen selber, sondern auch natürlich für ihre Umgebung", sagte sie.

Sindelfingen, DRK-Pflegezentrum: Arzt Dr. Markus Krautter gibt Gertrud Kaiser die Impfung. (Quelle: imago images/Eibner-Pressefoto)Sindelfingen, DRK-Pflegezentrum: Arzt Dr. Markus Krautter gibt Gertrud Kaiser die Impfung. (Quelle: Eibner-Pressefoto/imago images)

Von der Leyen lobte die Vorgehensweise der EU bei der Beschaffung der Vakzine: "Die Europäische Kommission hat das weltweit breiteste Impfportfolio verhandelt mit sechs verschiedenen Herstellern." Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer "neuen Waffe im Kampf gegen das Virus". Der schwedische Regierungschef Stefan Löfven bezeichnete den Impfstoff als "Lichtstrahl in der Dunkelheit".

EU: Haben unser Versprechen eingelöst

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sprach von einem "emotionsgeladenen Tag für uns alle". Sechs Monate nach der Präsentation der Corona-Impfstrategie habe die EU ihr Versprechen eingelöst, "Impfstoffe für alle Mitgliedstaaten zur selben Zeit" bereitzustellen. Angesichts der anlaufenden Impfungen könne Europa "mit Optimismus" in das neue Jahr starten.

Arena Berlin: Mario Szaja (li., CDU), Präsident der DRK-Landesvertretung, beim Start von Berlins erstem Impfzentrum. (Quelle: imago images/Photopress Mueller)Arena Berlin: Mario Szaja (li., CDU), Präsident der DRK-Landesvertretung, beim Start von Berlins erstem Impfzentrum. (Quelle: Photopress Mueller/imago images)

Für die gesamte EU waren am Samstag die ersten Impfstoffdosen aus der Pfizer-Fabrik im belgischen Puurs ausgeliefert worden. Vereinzelt wurden erste Impfungen schon am gleichen Tag verabreicht. Neben einer 101-jährigen Pflegeheimbewohnerin in Sachsen-Anhalt erhielten auch Menschen in Ungarn und der Slowakei einen Tag vor dem offiziellen Impfstart in der EU das Vakzin.

Länder setzen unterschiedliche Prioritäten

Die 29-jährige Krankenschwester Claudia Alivernini, die am Sonntag als erste Italienerin mit dem Vakzin geimpft wurde, sagte, sie empfinde "großen Stolz" und Verantwortung angesichts dieses Privilegs. Während in Italien in der ersten Phase bevorzugt Mitarbeiter im Gesundheitswesen geimpft werden, waren unter anderem in Spanien und Frankreich die Bewohner von Pflegeheimen die ersten Impfstoff-Empfänger.

Im Universitätshospital in Roskilde (Dänemark) wird Gesundheitspersonal geimpft. (Quelle: imago images)Im Universitätshospital in Roskilde (Dänemark) wird Gesundheitspersonal geimpft. (Quelle: imago images)

In Tschechien ließ sich zuerst öffentlichkeitswirksam der populistische Ministerpräsident Andrej Babis impfen. Zur Begründung erklärte er, er habe im Fernsehen eine Frau gesehen, die gesagt habe, sie wolle mit der Impfung "auf Babis warten".

Die EU hatte den Impfstoff von Biontech und Pfizer vor knapp einer Woche zugelassen. Der EU-weite Impfbeginn erfolgte später als in vielen anderen Weltregionen, darunter Russland, Kanada, China, die USA, die Schweiz und Saudi-Arabien.

Nächster Impfstoff vor Zulassung

Als erstes westeuropäisches Land hatte am 8. Dezember Großbritannien die Impfungen mit dem Biontech-Pfizer-Präparat begonnen. In den kommenden Tagen wird zudem die Entscheidung der britischen Behörden über die Zulassung des Impfstoffs des britischen Herstellers AstraZeneca erwartet.

Mailand, Norditalien: Bewohner einer Pflegeeinrichtung warten auf ihre Corona-Impfung. (Quelle: imago images)Mailand, Norditalien: Bewohner einer Pflegeeinrichtung warten auf ihre Corona-Impfung. (Quelle: imago images)

Politiker und Gesundheitsexperten erhoffen sich vom Start der Impfkampagne eine Trendwende in der Corona-Pandemie. Doch die Impfbereitschaft fällt vielerorts noch verhalten aus. Einer im "Journal du Dimanche" veröffentlichten Umfrage zufolge wollen sich beispielsweise 56 Prozent der Franzosen sich nicht impfen lassen.

Lage auf dem Kontinent bleibt dramatisch

Europaweit steigen die Infektionszahlen seit Wochen stark an. Mit 25 Millionen nachgewiesenen Infektionen bleibt der Kontinent die am schwersten von der Pandemie betroffene Region der Welt, wie eine auf Behördenangaben beruhenden Übersicht der Nachrichtenagentur AFP ergab. Weltweit stieg die Zahl der registrierten Ansteckungen laut der Zählung auf mehr als 80 Millionen, 1,7 Millionen Menschen starben an oder mit dem Virus.

Wegen der weiterhin starken Ausbreitung des Coronavirus traten vielerorts in Europa neue Beschränkungen in Kraft. In Österreich gelten seit Samstag wieder ganztägige Ausgangsbeschränkungen. Polen kehrt am Montag in den Lockdown zurück, auch die Iren erwarten zu Wochenbeginn neue Restriktionen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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