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Ersatz fĂŒr Putins Gas? Ein Kandidat wird bislang kaum beachtet

  • Annika Leister
Von Annika Leister

Aktualisiert am 25.03.2022Lesedauer: 9 Min.
ÜberschĂŒssiges Gas aus der Rohölverarbeitung einer Raffinerie in Norddeutschland wird verbrannt. Deutschlands Gasspeichern droht ohne russisches Gas der Leerstand
ÜberschĂŒssiges Gas aus der Rohölverarbeitung einer Raffinerie in Norddeutschland wird verbrannt. Deutschlands Gasspeichern droht ohne russisches Gas der Leerstand (Quelle: imago-images-bilder)
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Unter Druck sucht die Bundesregierung nach neuen Energiepartnern. Doch unter den LĂ€ndern mit großen Gasreserven ist die Liste der autoritĂ€ren Regime lang. Wer kommt infrage – wirtschaftlich und moralisch?

Die Bundesregierung will Deutschland unabhĂ€ngig machen von russischem Gas und Öl. Jahrelang aber begab man sich immer tiefer in Putins FĂ€nge, allein beim Gas mĂŒssen dem Bund zufolge 38 Prozent russische Importe ersetzt werden. Plötzlich muss also sehr viel Gas aus anderen Quellen her – und zwar schnell. Das ist denkbar schwer auf einem Markt, auf dem nach EinschĂ€tzung von Experten der Hauptteil der verfĂŒgbaren Stoffe durch langfristige VertrĂ€ge vergeben wird.

Noch schwieriger ist es, demokratische Partner im Energiemarkt zu finden. Die LĂ€nder mit den grĂ¶ĂŸten Gas- und Ölvorkommen werden fast alle von autoritĂ€ren Regimen regiert, die Frauen und Minderheiten unterdrĂŒcken – und außenpolitisch gerne in Konfliktregionen mitmischen.

Welche LĂ€nder also könnten ĂŒberhaupt Gas liefern? Und welche sind aus westlicher Perspektive am wenigsten problematisch? Ein Überblick.

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Norwegen: Am Maximum angekommen

Plattform im Troll-Gasfeld vor der norwegischen KĂŒste: Das Gasfeld ist eines der grĂ¶ĂŸten in der Nordsee.
Plattform im Troll-Gasfeld vor der norwegischen KĂŒste: Das Gasfeld ist eines der grĂ¶ĂŸten in der Nordsee. (Quelle: Photoshot/Construction Photography/imago-images-bilder)

Norwegen ist einer der grĂ¶ĂŸten Gaslieferanten fĂŒr das europĂ€ische Festland und fĂŒr Deutschland nach Russland der wichtigste Handelspartner. Schon jetzt kommen laut Bundesregierung rund 35 Prozent des hierzulande eingesetzten Erdgases aus dem skandinavischen Land.

Menschenrechtsverletzungen sind selten. Kommen sie vor, sind sie in der Regel begrenzt auf kleinere Gruppen. So urteilte der EuropÀische Gerichtshof 2013, dass Norwegen die Rechte von Hunderten Tiefseetauchern verletzt hat, die von 1965 bis 1990 an gefÀhrlichen TaucheinsÀtzen zur Förderung von Erdöl teilnahmen und dadurch schwere gesundheitliche SchÀden davontrugen.

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In der vergangenen Woche hat die norwegische Regierung bei einem Besuch von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) mehr FlĂŒssiggas fĂŒr Deutschland in Aussicht gestellt. Man befinde sich zwar bereits an einem Maximum, im Sommer aber wolle man mit einem neuen LNG-Terminal die KapazitĂ€ten ausbauen. Das aber dauert.

Norwegen taugt allerdings ohnehin nicht, um die großen Mengen aus Russland zu ersetzen, sagt Energie-Experte Jacopo Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik: "Norwegen kann seine Exporte nicht noch wesentlich erhöhen."

Niederlande: Wenn Gasförderung zur Gefahr wird

Protest gegen die Gasförderung in Groningen (Archivbild): Das grĂ¶ĂŸte Gasfeld Europas macht wegen großer Erdbebengefahr dicht.
Protest gegen die Gasförderung in Groningen (Archivbild): Das grĂ¶ĂŸte Gasfeld Europas macht wegen großer Erdbebengefahr dicht. (Quelle: Tim Wagner/imago-images-bilder)

Die Niederlande verfĂŒgen mit der Förderung bei Groningen ĂŒber das grĂ¶ĂŸte Gasfeld Europas. Rund 22 Prozent des Erdgases, das in Deutschland verbraucht wird, kommen aus dem Nachbarland. Haushalte vor allem in Nord- und Westdeutschland werden damit versorgt.

Die Lage der Menschenrechte ist gut. Allerdings wurde durch die Gasförderung die Umwelt zerstört, die Region Groningen wird inzwischen regelmĂ€ĂŸig von Erdbeben erschĂŒttert. "Die Gasfelder in den Niederlanden sind weitestgehend ausgeschöpft", erklĂ€rt Pepe.

Wegen der massiven SchĂ€den und Gefahr fĂŒr die Bevölkerung hat die niederlĂ€ndische Regierung 2018 entschieden, die Gasförderung bis Mitte 2022 einzustellen.

FĂŒr Ärger sorgte vor diesem Hintergrund die kĂŒrzlich erfolgte Aufforderung der Bundesregierung, die Gasförderung in Groningen weiter zu erhöhen. Das sei eine "unangenehme Überraschung", teilte die niederlĂ€ndische Regierung verstimmt mit, den BĂŒrgern in Groningen sei das nicht zu vermitteln. Außerdem stelle das deutsche Ansinnen "ein Risiko fĂŒr die niederlĂ€ndische Versorgungssicherheit dar".

USA: Die Infrastruktur fehlt

Tanker bei der BefĂŒllung mit LNG-Gas: Weil es keine Pipeline von den USA nach Europa gibt, mĂŒsste alles per Schiff kommen – doch auch da hapert es.
Tanker bei der BefĂŒllung mit LNG-Gas: Weil es keine Pipeline von den USA nach Europa gibt, mĂŒsste alles per Schiff kommen – doch auch da hapert es. (Quelle: Panthermedia/imago-images-bilder)

Politisch und wirtschaftlich sind die USA fĂŒr Deutschland bereits ein enger Partner. Auch hier aber kommt es zu VerstĂ¶ĂŸen gegen die Menschenrechte: Immer wieder werden schwere FĂ€lle von Polizeigewalt gegen Schwarze bekannt – bis hin zu Tötungen auf offener Straße wie im Fall George Floyd. Gegen Demonstranten wird oft mit exzessiver Gewalt vorgegangen, kritisiert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Vor allem unter der Regierung von Donald Trump wurden zudem mehrere hochproblematische und rassistische Dekrete verabschiedet – zum Beispiel wurde Menschen aus bestimmten muslimischen LĂ€ndern die Einreise verboten.

Dennoch hĂ€tten die USA mit Blick auf die enge Zusammenarbeit das grĂ¶ĂŸte Potenzial, um Russlands Gaslieferungen in relevantem Umfang zu ersetzen, sagt Jacopo Pepe. Allerdings gibt es keine Pipelines zwischen den beiden LĂ€ndern, weswegen auf LNG-Gas zurĂŒckgegriffen werden mĂŒsste. LNG-Gas allerdings wird auf riesigen Tankern verschifft. Die Öko-Bilanz ist verheerend, die Logistik extrem aufwendig.

Am Donnerstag haben die USA nach Aussage der britischen Botschafterin FlĂŒssiggaslieferungen ĂŒber Großbritannien nach Europa angekĂŒndigt. Das Problem: bisher verfĂŒgt Deutschland nicht ĂŒber ein einziges LNG-Terminal, um das Gas auch zu empfangen. Auch in den USA gebe es nicht genĂŒgend VerflĂŒssigungsanlagen fĂŒr LNG-Gas, sagt Pepe. "Die Infrastruktur ist derzeit der grĂ¶ĂŸte Flaschenhals. Es wird drei bis vier Jahre dauern, bis das aufgebaut ist."

Australien: Noch nicht auf dem Schirm der Bundesregierung?

LNG-Tanks in Darwin: Australien hat angeboten, FlĂŒssiggas nach Europa zu liefern.
LNG-Tanks in Darwin: Australien hat angeboten, FlĂŒssiggas nach Europa zu liefern. (Quelle: Kyodo News/imago-images-bilder)

Neben Katar ist Australien der grĂ¶ĂŸte Produzent fĂŒr LNG-Gas weltweit. Wie Norwegen, die Niederlande und die USA gilt es mit Blick auf die Menschenrechte als unproblematische westlich geprĂ€gte Demokratie. In der Kritik steht die Regierung immer wieder wegen ihrer restriktiven Asylpolitik und der strukturellen Benachteiligung indigener Gruppen wie der Aborigines.

Ein möglicher Handelspartner fĂŒr Deutschland also? Immerhin hat die australische Regierung in der aktuellen Krise bereits Ende Januar angeboten, bei EngpĂ€ssen LNG-Gas nach Europa zu liefern. "Seltsamerweise ist Australien in den PlĂ€nen der Bundesregierung bisher noch gar nicht aufgetaucht", sagt Jacopo Pepe. Das Land sei wirtschaftlich allerdings auch stark im asiatischen Raum verankert. "Es ist bei Gaslieferungen vor allem asiatischen Staaten verpflichtet." WĂŒrde die Bundesregierung bereits ĂŒber Jahre gepflegte Partnerschaften ausstechen wollen, mĂŒsste sie dafĂŒr wohl einen sehr viel höheren Preis zahlen als bisher gewohnt.

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Die Lieferung von FlĂŒssiggas per Schiff aus Australien birgt auch eine Gefahr: Die Schiffe mĂŒssten umkĂ€mpfte oder unsichere MeeresengpĂ€sse wie die Meerstraße von Malakka passieren – ein von Piraten heimgesuchtes Gebiet. "Das Risiko ist nicht ohne", sagt Pepe mit Blick auf die kritischen Passagen, die im Englischen "Choke points" heißen.

Katar: Energiepartnerschaft trotz Ausbeutung

Wirtschaftsminister Robert Habeck und sein katarischer Gegenpart Mohammed bin Hamad bin Kasim al-Abdullah Al Thani: Handschlag unter zukĂŒnftigen Partnern.
Wirtschaftsminister Robert Habeck und sein katarischer Gegenpart Mohammed bin Hamad bin Kasim al-Abdullah Al Thani: Handschlag unter zukĂŒnftigen Partnern. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa-bilder)

Katar steht als Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 im Fokus der Öffentlichkeit – und in der Kritik. Denn in dem Land werden Arbeitsmigranten ausgebeutet. Wie in vielen öl- und gasreichen LĂ€ndern sind Frauen und MĂ€nner außerdem nicht gleichberechtigt. Junge Frauen in Katar mĂŒssen Human Rights Watch zufolge die Erlaubnis ihres mĂ€nnlichen Vormunds einholen, um zu heiraten, zu studieren, in vielen Jobs zu arbeiten oder ins Ausland zu reisen. Das Land ist außerdem in den Jemen-Konflikt involviert, Berichten zufolge lĂ€sst es Waffen und Gelder an unterschiedliche Milizen fließen.

Markus Krajewski, Professor fĂŒr Wirtschaftsvölkerrecht an der Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t in Erlangen-NĂŒrnberg, hĂ€lt es nicht fĂŒr realistisch, bei den Frauenrechten rote Linien in der Außenpolitik zu ziehen: "Man schaut dann auf die Welt mit einer sehr europĂ€ischen Brille und engt seine HandlungsspielrĂ€ume extrem ein", sagt er. "Solange man auf fossile Energien angewiesen ist, ist man auch auf solche LĂ€nder angewiesen."

Zum Schutz von Arbeitsmigranten hat Katar inzwischen einige Reformen eingefĂŒhrt. "Katar hat die beiden Menschenrechtspakte der Vereinten Nationen ratifiziert. Zwar wahnsinnig spĂ€t, aber immerhin", sagt Krajewski. Und das Land arbeite mit Blick auf die Lage fĂŒr Arbeiter inzwischen mit der International Labour Organisation (ILO) zusammen. Ein relevanter Fortschritt, findet Krajewski. Schließlich sei eine zentrale Frage fĂŒr wertebasierte Außenpolitik, ob die Regierung auf der anderen Seite bereit sei, bestimmte Probleme anzuerkennen und anzugehen. "Bei Katar scheint das derzeit der Fall."

So sieht es wohl auch die Bundesregierung: Gerade war Robert Habeck in Katar zu Besuch, danach verkĂŒndete er "großartigerweise" die Verabredung einer langfristigen Energiepartnerschaft mit Katar. Doch der GrĂŒnen-Politiker blieb dabei vage, konkrete Zahlen nannte er nicht. Die Freude von Energie-Experte Jacopo Pepe hĂ€lt sich deswegen in Grenzen: "Ab wann genau welche Mengen LNG-Gas aus Katar geliefert werden können – das ist noch völlig unklar."

Vereinigte Arabische Emirate: Wenn Habeck gleich nach Assad am Tisch sitzt

Robert Habeck mit Projektleiter Mohammed Abdel Kaser bin Seid in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Es soll grĂŒnen Wasserstoff fĂŒr Deutschland aus dem Land geben.
Robert Habeck mit Projektleiter Mohammed Abdel Kaser bin Seid in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Es soll grĂŒnen Wasserstoff fĂŒr Deutschland aus dem Land geben. (Quelle: Frank Ossenbrink/imago-images-bilder)
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Das Regime in den Vereinigten Arabischen Emiraten duldet keine Opposition und inhaftiert Kritiker. So sitzt zum Beispiel seit 2017 der bekannte Blogger und Aktivist Ahmed Mansoor hinter Gittern. Frauen sind nicht gleichberechtigt. Außenpolitisch sind die Emirate stark involviert in den Jemen-Konflikt, der Hunderttausende Menschenleben kostete und Millionen zur Flucht zwang. Nach dem Abzug seiner Truppen Anfang 2020 beschuldigte Amnesty International das Land, Milizen im Jemen weiter illegal mit Waffen zu unterstĂŒtzen. Pikant daran: Auch Deutschland liefert Waffen an die Vereinigten Arabischen Emirate – 2019 etwa "Patriot"-Flugabwehrsysteme.

Die Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten will die Bundesregierung dennoch ausbauen. Dabei geht es nicht um Gas – sondern vor allem um Wasserstoff. Habeck reiste direkt nach Katar in die Emirate – und musste sich kritische Fragen gefallen lassen. Denn wenige Tage zuvor war der syrische Machthaber Baschar al-Assad in Abu Dhabi zu Besuch – auf seiner ersten Auslandsreise seit Beginn des Syrienkriegs.

Ist Habecks Reise ein Fehler? Schließlich gilt die Kriegstreiberei Wladimir Putins jetzt als erste rote Linie in der deutschen Außenpolitik, die Vereinigten Arabischen Emirate sind ebenfalls stark aktiv in Konfliktregionen. "Das Regime in den Vereinigten Arabischen Emiraten scheint etwas beweglicher als Saudi-Arabien oder China, wenn es um Menschenrechtsfragen geht", sagt Wirtschafts- und Völkerrechts-Experte Krajewski. Die Bundesrepublik könnte darauf hoffen, "Wandel durch Handel" zu erzielen. Dieses Vorgehen sei aber nicht immer erfolgreich, wie FĂ€lle wie China oder Russland zeigten. "Die Gefahr besteht, dass man als Handelspartner am Ende nur als nĂŒtzlicher Idiot taugt."

Aserbaidschan: Kriegsverbrechen und politische Gefangene – aber eine Pipeline steht

Trans-Adria-Pipeline (Archivbild): Seit 2020 ist die Pipeline in Betrieb.
Trans-Adria-Pipeline (Archivbild): Seit 2020 ist die Pipeline in Betrieb. (Quelle: imagebroker/imago-images-bilder)

Im Konflikt mit Armenien um die Region Bergkarabach verĂŒbten aserbaidschanische StreitkrĂ€fte ab Herbst 2020 Amnesty International zufolge Kriegsverbrechen, misshandelten und enthaupteten Kriegsgefangene und schĂ€ndeten Leichen. Beide Seiten setzten demnach verbotene Streumunition ein. Die Corona-Pandemie nutzte das Regime nach EinschĂ€tzung von Menschenrechtsorganisationen, um noch hĂ€rter gegen Kritiker im Inland vorzugehen. Es gibt politisch motivierte Verhaftungen, friedliche Demonstrationen werden oft brutal niedergeschlagen.

Die EU bemĂŒht sich angesichts des Ukraine-Kriegs dennoch, mehr Gasimporte aus Aserbaidschan zu erhalten. EU-Energiekommissarin Kadri Simson zog Anfang Februar nach einem Treffen erfreut das Fazit: Man habe vereinbart, die Partnerschaft in Bezug auf Erdgas sowie erneuerbare Energien auszubauen.

Deutschland wird das nach EinschĂ€tzung von Energie-Experte Pepe nichts bringen. Zwar gebe es mit der Trans Adriatic Pipeline eine Verbindung, ĂŒber die Gas von Aserbaidschan nach Italien gebracht werden kann. "Die Mengen, die nun fĂŒr Europa zusĂ€tzlich gewonnen werden könnten, sind aber nicht signifikant." Der Großteil des Mehrgewinns bleibe vermutlich in der TĂŒrkei, so Pepe – einem engen Handelspartner von Aserbaidschan.

Kasachstan: Demonstranten werden niedergeknĂŒppelt – und Gas fließt nach China

Erdgasanlage im Gasfeld Karatschaganak: Kasachstan hat im Westen des Landes große Öl- und Gasvorkommen.
Erdgasanlage im Gasfeld Karatschaganak: Kasachstan hat im Westen des Landes große Öl- und Gasvorkommen. (Quelle: Itar-Tass/imago-images-bilder)

Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist eingeschrĂ€nkt, Regierungskritiker werden mit Strafverfahren ĂŒberzogen, Folter ist weit verbreitet, sexuelle Minderheiten werden drangsaliert und misshandelt: Der Bericht von Amnesty International zur Lage der Menschenrechte in Kasachstan liest sich bitter. Die Lage hat sich in der Corona-Pandemie demnach weiter verschlechtert, der Zugang zu Bildung wurde eingeschrĂ€nkt, die Rate an Kinderarbeit stieg. Im Januar lösten gestiegene Treibstoffpreise schwere Proteste aus, das Regime reagierte hart. Die Folge: Dutzende Tote und viele Hunderte Verletzte.

Doch auch Kasachstan verfĂŒgt ĂŒber große Gas- und Ölvorkommen. Nicht erst seit dem Ukraine-Krieg interessieren sich westeuropĂ€ische Unternehmen und Staaten fĂŒr das Land. "Kasachstan ist flĂ€chenmĂ€ĂŸig das neuntgrĂ¶ĂŸte Land der Welt und gleichzeitig mit großem Abstand der wichtigste deutsche Handelspartner in Zentralasien", sagte Oliver Hermes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, der "Tagesschau". Er appellierte im Januar eindringlich, die KĂ€mpfe gegen die eigene Bevölkerung zu beenden, auch um dem Standort nicht zu schaden.

In Sachen Gas wird Kasachstan fĂŒr Deutschland aber ohnehin nicht die Rettung sein. Eng sei das Land wirtschaftlich bereits mit China verbunden, erklĂ€rt Jacopo Pepe. Ein Großteil der Exporte gehe deswegen nach China. Zugleich steige Kasachstans eigener Bedarf. Unter anderem nutzt das Land Gas, um Öl zu fördern. Außerdem fehle auch hier die Infrastruktur fĂŒr den Transport nach Europa ĂŒber das Kaspische Meer. "Das ist ein hoher Aufwand, kaum praktikabel."

Turkmenistan: Viel Gas, viel Folter

Gasanlage in Turkmenistan: Das Land ist durch Pipelines und VertrÀge derzeit vor allem an China gebunden.
Gasanlage in Turkmenistan: Das Land ist durch Pipelines und VertrÀge derzeit vor allem an China gebunden. (Quelle: VCG/imago-images-bilder)

Turkmenistan zĂ€hlt zu den LĂ€ndern mit den grĂ¶ĂŸten Gasvorkommen der Welt. Menschenrechtlich allerdings ist das Land hochproblematisch: Berichten zufolge kommt es zu Folter, Zwangsarbeit, geheimen Inhaftierungen und dem "Verschwindenlassen" von Gefangenen, die nie wieder auftauchen. Einvernehmlicher Sex zwischen MĂ€nnern steht unter Strafe, unabhĂ€ngige Medien gibt es nicht.

Das wahre Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen zu erfassen, fĂ€llt auch Organisationen wie Amnesty International schwer, denn Turkmenistan gilt als einer der am meisten abgeschotteten Staaten der Welt. Besuchsanfragen der UN oder von anderen internationalen Kontrollgremien lehnt die Regierung ab.

Auch aus logistischen und wirtschaftlichen GrĂŒnden sind Gaslieferungen aus Turkmenistan zurzeit mehr als unwahrscheinlich: "FĂŒr den Transport nach Europa fehlt eine Pipeline", erklĂ€rt Experte Jacopo Pepe. "Und die Turkmenen haben mit China bereits einen festen Handelspartner, an den fast alle Gaslieferungen gehen."

Iran: Gas-König unter Sanktionen

Ein iranischer Arbeiter bei der Arbeit im South-Pars-Gasfeld: Es ist das grĂ¶ĂŸte Gasfeld der Welt.
Ein iranischer Arbeiter bei der Arbeit im South-Pars-Gasfeld: Es ist das grĂ¶ĂŸte Gasfeld der Welt. (Quelle: Xinhua/imago-images-bilder)

Zusammen mit Katar teilt sich der Iran das grĂ¶ĂŸte Gasfeld der Erde direkt vor seiner KĂŒste. Zurzeit exportiert der Iran aber vor allem Öl, die Gasförderung ist noch nicht ausgeschöpft. Das Potenzial ist vor allem langfristig gesehen also groß – genauso groß aber sind die politischen Hindernisse fĂŒr den Handel mit dem Mullah-Regime.

Denn zurzeit steht der Iran unter strengen US-Sanktionen, was auch den Handel mit europĂ€ischen LĂ€ndern blockiert. Der Grund: Der Iran steht unter Verdacht, Atomwaffen zu entwickeln. 2015 schlossen die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China ein Abkommen, um das Land daran zu hindern. Die USA stiegen unter Donald Trump wieder aus dem Abkommen aus und sanktionierten das Land. Zurzeit ist man in Wien in GesprĂ€chen, um den Deal wiederzubeleben und die Sanktionen zu lockern.

Vor allem Israel fĂŒrchtet Atomwaffen in iranischer Hand, denn das iranische Regime droht Israel immer wieder mit Vernichtung. Es unterstĂŒtzt islamische Terrorgruppen gegen Israel, ist auch im Jemen-Konflikt aktiv und unterstĂŒtzt im Syrien-Krieg Machthaber Assad.

Neben den Sanktionen ist die fehlende Infrastruktur fĂŒr Gasexporte aus dem Iran ein großes Problem: Es gibt keine Pipeline durch die TĂŒrkei oder den Mittleren Osten. LNG-Anlagen befinden sich im Aufbau, sind aber noch nicht fertig.

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Ein Gastbeitrag von Stephan Steinlein
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