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Weltkriegsgedenken in Paris – Macron: "Alte Dämonen steigen wieder auf"

Weltkriegsgedenken in Paris  

Macron warnt: "Die alten Dämonen steigen wieder auf"

11.11.2018, 16:33 Uhr | dpa, jmt, t-online.de

Feier zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren: Viele Staats- und Regierungschefs in Paris (Screenshot: Reuters)
Macron mahnt, Staatschefs gedenken Weltkriegsende

Zahlreiche Staats- und Regierungschefs waren zu der Feier nach Paris gekommen.

Gedenkfeier mit mahnender Macron-Rede: Zahlreiche Staats- und Regierungschef sind anlässlich des 100. Jahrestages des Endes des Ersten Weltkriegs nach Paris gekommen. (Quelle: Reuters)


Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg: Präsident Macron beschwört deswegen vor den Mächtigen der Welt in einem flammenden Appell die internationale Zusammenarbeit und warnt vor Nationalismus.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat beim großen Pariser Weltkriegsgedenken vor Nationalismus und einer Bedrohung des Friedens gewarnt. "Die alten Dämonen steigen wieder auf – bereit, ihr Werk von Chaos und Tod zu vollenden", sagte Macron bei der Feier zum 100. Jahrestag des Waffenstillstands im Ersten Weltkrieg.

15 Millionen Tote in vier Jahren

Über 60 Staats- und Regierungschefs waren bei Regenwetter unter dem Triumphbogen versammelt, unter ihnen Kanzlerin Angela Merkel und die Präsidenten Russlands und der USA, Wladimir Putin und Donald Trump. Rund 10.000 Sicherheitskräfte schützten die Großveranstaltung und ein anschließendes Friedensforum.

Macron blickte länger auf den blutigen Konflikt zurück, der von 1914 bis 1918 dauerte. "In diesen vier Jahren hat sich Europa fast umgebracht", resümierte er. In dem Krieg, der unter anderem zum Zusammenbruch des Deutsches Kaiserreiches führte, starben fast neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten. Die politische Ordnung Europas wurde völlig umgekrempelt.

Manchmal scheine es, als würde die Geschichte wieder ihren tragischen Verlauf nehmen und den Frieden bedrohen, sagte Macron. Rückzug auf sich selbst, Gewalt und Beherrschung seien aber keine Lösung. "Patriotismus ist genau das Gegenteil von Nationalismus", sagte der 40 Jahre alte Staatschef. Er nannte als Gefahr auch "neue Ideologien", die Religionen beeinflussen würden.

"Es lebe der Frieden zwischen den Völkern"

Macron rief in einem flammenden Appell eindringlich auf, für Frieden und eine bessere Welt zu kämpfen. Als konkrete Bedrohungen nannte er die Klimaerwärmung, Armut, Hunger oder die Ungleichheiten. "Es lebe der Frieden zwischen den Völkern und den Staaten", rief er aus. Er bekannte sich ausdrücklich zur deutsch-französischen Freundschaft, zur Europäischen Union und den Vereinten Nationen. Anlässlich des Jahrestages läuteten um 11 Uhr in Frankreich die Glocken. Die Gemeinden in Frankreich waren dazu aufgerufen worden.

Macron und seine Frau Brigitte hatten zunächst zahlreiche hochrangige Gäste im Élyséepalast empfangen. Anschließend fuhren sie mit Bussen über die Prachtstraße Champs-Élysées zum Triumphbogen und gingen die letzten Meter im strömenden Regen mit Schirmen zu zwei Tribünen unter einem Glasdach. Macron saß neben Merkel, die wiederum neben Trump platziert war. Als letzter kam schließlich Putin, der sich neben Brigitte Macron setzte.

Macron entfachte Ewige Flamme symbolisch neu

Dort fachte Macron am Triumphbogen die Ewige Flamme symbolisch neu an. Das Feuer war 1923 zum ersten Mal entzündet worden und gehört zu einem Grabmal, in dem 1921 der Leichnam eines nicht identifizierten Gefallenen bestattet wurde. Das letzte Mal, dass sich in Paris so viele Staats- und Regierungschefs zu einer Gedenkveranstaltung versammelt haben, war nach dem islamistischen Anschlag auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" im Januar 2015 gewesen. Sie waren damals zu einem Trauermarsch in die französische Hauptstadt gekommen – Millionen Menschen protestierten in den Pariser Straßen gegen Terror.

Zu größeren Zwischenfällen kam es nicht. Der Frauen-Aktivistengruppe Femen gelang es kurzzeitig, den Konvoi von Trump zu stören, indem mehrere Mitglieder mit nackten Oberkörpern auf die Straße liefen. Mit der Aktion wollten die Frauen daran erinnern, dass unter den Teilnehmern auch mehrere Staats- und Regierungschefs waren, deren Politik nicht als friedensstiftend gilt. Kremlchef Putin hat Russland beispielsweise in die Kriege in der Ostukraine und in Syrien verwickelt. Trump steht unter anderem wegen seines Ausstiegs aus dem Atomabkommen mit dem Iran und Plänen zur einseitigen Aufkündigung des INF-Abrüstungsvertrags mit Russland in der Kritik.

Merkel und Macron: Der Waffenstillstand war am 11. November 1918 in einem umgebauten Speisewagen auf einer Waldlichtung unterschrieben worden. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)Merkel und Macron: Der Waffenstillstand war am 11. November 1918 in einem umgebauten Speisewagen auf einer Waldlichtung unterschrieben worden. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Mit einer Geste der Versöhnung und Einigkeit hingegen hatten Merkel und Macron am Samstag der Opfer des Ersten Weltkriegs gedacht. Merkel bedankte sich bei Macron für die Einladung nach Compiègne an die Stätte des Waffenstillstands von 1918. Es war das erste Mal seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Bundeskanzler mit dem französischen Präsidenten den Ort besuchte. Das sei eine "symbolische Geste". "Insofern ist dieser Tag nicht nur Mahnung, sondern er ist auch Ansporn."

Zuvor war Macron in Paris am Samstag mit Trump zusammengekommen. Macron unterstützte dabei Trumps Forderung nach einem deutlich stärkeren europäischen Engagement in der Nato und verteidigte seinen Vorstoß, zum Schutz vor Russland eine europäische Armee aufzubauen. "Es ist unfair, dass die europäische Sicherheit heute nur durch die Vereinigten Staaten gewährleistet ist", sagte Macron. 


Für Aufregung und Unmut sorgte in den USA, dass Trump im Anschluss ein Gedenken an gefallene US-Soldaten wegen angeblicher logistischer Schwierigkeiten aufgrund eines leichten Regens ausfallen. Statt ihm und Gattin Melania nahmen Vize-Präsident Mike Pence und der Chef der US-Streitkräfte teil. "Es scheint, dass Soldaten, die gefangen genommen wurden, nicht die einzigen sind, die Präsident Trump nicht mag. Er interessiert sich offenbar auch nicht für diejenigen, die für ihr Land starben", schrieb Kolumnist Max Boot in einem Kommentar für die "Washington Post". Bereits am Samstag hatte der Enkelsohn Winston Churchills, der konservative britische Politiker Nicholas Soames, harte Worte für die Absage gefunden: Trump sei "erbärmlich" und "unzulänglich". Er sei nicht in der Lage, sein großartiges Land zu repräsentieren.

Verwendete Quellen:

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