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"Sie saß in einer Zwickmühle, die für Männer nicht existiert"

  • Marianne Max
Von Marianne Max

Aktualisiert am 13.04.2022Lesedauer: 6 Min.
Anne Spiegel, ehemalige Bundesfamilienministerin: Die Grünen-Politikerin bezeichnete ihren Urlaub auf einer Pressekonferenz als "Fehler".
Anne Spiegel, ehemalige Bundesfamilienministerin: Die Grünen-Politikerin bezeichnete ihren Urlaub auf einer Pressekonferenz als "Fehler". (Quelle: Political-Moments/imago-images-bilder)
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Selten kollidierten Familie und politisches Amt öffentlich so miteinander wie bei Anne Spiegel. Die Familienministerin ist zurückgetreten, eine Frage aber bleibt: Mutter sein und Politik machen – geht das?

Eine Politikerin macht Fehler, entschuldigt sich – und tritt nach einer Welle der Empörung dann doch zurück. Die Geschichte von Ex-Bundesfamilienministerin Anne Spiegel könnte mit dem vorläufigen Ende ihrer politischen Karriere auserzählt sein. Sie ist es aber nicht.

Mit dem Rücktritt der Grünen-Politikerin von ihrem Amt klafft nicht nur ein großes Loch im Bundeskabinett, das rasch wieder geschlossen werden muss. Der Fall Spiegel wirft auch die Frage neu auf, ob die Rolle als Mutter mit dem Amt einer Ministerin vereinbar ist. Und ob Männer und Frauen im Politikbetrieb nicht nach wie vor mit sehr unterschiedlichem Maß gemessen werden.

Eklat: Spiegels Familienurlaub in Frankreich

Am Montag ist Anne Spiegel von ihrem Job als Bundesfamilienministerin zurückgetreten. Grund war die große Kritik daran, dass sie – damals noch Umweltministerin in Rheinland-Pfalz – im vergangenen Jahr in den Urlaub flog, während die Bewohner des Ahrtals mit den verheerenden Folgen der Flutkatastrophe kämpften. Spiegel behauptete, dass sie in dieser Zeit trotzdem an Kabinettssitzungen teilgenommen habe. Eine Lüge, wie sie später eingestand.

Vier Wochen verbrachte Spiegel stattdessen mit ihrer Familie in Frankreich. Ein "Fehler", wie sie am Sonntag auf einer emotionalen Pressekonferenz einräumte. Die Mutter vierer Kinder begründet ihn damit, dass ihre Familie eine Auszeit gebraucht habe.

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Ihre Kinder – eins ist im Kindergarten-, die anderen im Grundschulalter – seien nicht gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Und ihr Mann, Daniel Spiegel, habe 2019 einen Schlaganfall erlitten und "konnte nicht mehr", so Spiegel. Damit brach für die Familie der für die Erziehung der Kinder maßgeblich verantwortliche Elternteil weg: Denn Daniel Spiegel gab seinen Job bereits nach der Geburt des ersten Kindes auf und kümmerte sich um die Familie.

Expertin: Das Modell "Männer machen Politik" funktioniert nicht mehr

Regierungsverantwortung ist ein aufreibender Job, ein Ministeramt mit Partnerschaft und Kindern zu vereinen ein ständiger Balanceakt. Anne Spiegel ist dieser Balanceakt nicht mehr geglückt. Corinna Kröber, Juniorprofessorin für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Greifswald, verwundert das nicht: "Traditionell sind Führungspositionen in der Politik – genau wie in der Wirtschaft – mit einem hohen Maß persönlicher Verantwortung verknüpft", sagt sie.

Bevölkerung und Kollegen erwarteten ständige Verfügbarkeit und einen Einsatz über eine 40-Stunden-Woche hinaus, so Kröber. Das impliziere auch die Erwartung, dass das Familien- und Privatleben für die Zeit der Amtsausübung zurückstehen muss. "Dieses Modell hat funktioniert, solange unser Bild von Politikern darauf beruht, dass Männer Politik machen und ihnen ihre Frauen zu Hause den Rücken freihalten", so Kröber.

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Von "kühlen" Politikerinnen und "kümmernden Müttern"

Für Frauen, die dennoch den Schritt in die Politik wagen, ergeben sich aus diesem Modell nun gleich aus zweierlei Hinsicht Nachteile:

Wenn sie keinen Partner haben, der ihnen den Rücken freihält, müssen Frauen die hohe Arbeitsbelastung im Beruf mit den familiären Pflichten vereinen – auch, weil die Gesellschaft es von ihnen erwartet. Die kaum zu meisternde Anforderung: top im Job und eine hervorragende Mutter sein. Bei Männern würden diese Maßstäbe auch heutzutage in der Regel nicht angelegt, so Kröber. "Unter den Politikern mit Familie sind Frauen deutlich häufiger einer starken politischen und privaten Doppelbelastung ausgesetzt als Männer."

Haben Frauen einen Partner, der sich um die Kinder kümmert, können sie trotzdem nicht dem Druck der traditionellen Geschlechterrollen entkommen. Konzentriere sich eine Mutter ganz auf die Politik, werde sie oft als "kühl, kalkulierend und machtorientiert" eingeschätzt, so Kröber. Der Widerspruch zum "traditionellen Ideal der sich kümmernden, sozial engagierten und familienorientierten Frau" werde von vielen Menschen als negativ wahrgenommen. Für Männer in der Politik würden Eigenschaften wie Kühle und Machtstreben dagegen als wünschenswert angesehen, weil sie "mit dem traditionellen Rollenbild eines Mannes konform sind", so Kröber.

Realität und Erwartungen gehen aneinander vorbei

Obwohl die meisten Menschen in Deutschland die politische Teilhabe von Frauen Umfragen zufolge für erstrebenswert und Geschlechtergerechtigkeit für wichtig halten, passen sich der Politikbetrieb und die Erwartungen an Politiker nach Meinung von Kröber nicht daran an. "Es gibt zu wenig Bewusstsein dafür, wie manche Prozesse indirekt Nachteile für Frauen schaffen", kritisiert sie.

Sie fordert ein Umdenken mit Blick darauf, welche Erwartungen an Politikerinnen gerichtet werden – und "ob diese für Männer und Frauen in gleichem Maße erfolgreich zu bewerkstelligen sind".

Expertin: "Spiegel saß in einer Zwickmühle, die für Männer nicht existiert"

Auch die ehemalige Familienministerin Anne Spiegel saß in ihrer Rolle als Umweltministerin von Rheinland-Pfalz zwischen den Stühlen – auf der einen Seite die Erwartungen der Gesellschaft an eine gute Politikerin, auf der anderen die Erwartungen an eine Frau und vierfache Mutter. Die Abwägung ist schwer, eine zentrale Frage steht in der Öffentlichkeit im Fokus: Hätte Spiegel in den Urlaub fahren dürfen?

Mit Blick auf Spiegels Rolle als Politikerin lautet Kröbers Antwort: Ja – aber nicht zu dieser Zeit. "In den meisten Fällen ist es sicherlich möglich, die inhaltlichen Aufgaben so gut innerhalb eines Ministeriums zu verteilen, dass Ministerinnen auch eine Weile verzichtbar sind", erklärt sie. Auch auf tagesaktuelle Entwicklungen könne mit gutem Personal schnell reagiert werden. Grundsätzlich kann eine Ministerin also auch mal eine Pause einlegen, sich um die Familie kümmern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Anne Spiegel, damals Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, bei einem Besuch in einem Helfercamp für die Beseitigung der Flutschäden: In ihrer repräsentativen Funktion kann eine Ministerin nicht ersetzt werden.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Anne Spiegel, damals Umweltministerin von Rheinland-Pfalz bei einem Besuch in einem Helfercamp für die Beseitigung der Flutschäden: In ihrer repräsentativen Funktion kann eine Ministerin nicht ersetzt werden. (Quelle: Political-Moments/imago-images-bilder)

Problematisch jedoch sei, dass Ministerinnen wichtige repräsentative und symbolische Funktionen ausüben, "bei denen sie schlicht nicht ersetzt werden können". In den Tagen nach der Flutkatastrophe war das der Fall. Die Kritik an Anne Spiegel hänge sich, so Kröber, genau daran auf.

Mit Blick auf Spiegels Rolle als Mutter lautet Kröbers Antwort allerdings: Ja, auf jeden Fall durfte Spiegel in den Familienurlaub fahren. "Wäre sie nicht mit ihrer Familie in den Urlaub gefahren und wäre das an die Öffentlichkeit gekommen, wäre dies eventuell ebenfalls negativ wahrgenommen worden", erklärt Kröber. Das hätte wohl nicht zu ihrem Rücktritt geführt, vermutet Kröber, Spiegels Ruf aber hätte es schaden können. "Sie saß in einer Zwickmühle, die so für Männer nicht existiert."

Sie schaffen den Spagat

Es gibt sie jedoch: Politikerinnen in höchsten Ämtern, die Familie und Job scheinbar unter einen Hut bekommen. Oft setzen sie auf besondere Familienmodelle, die vom traditionellen Weg abweichen. Und oft gestehen sie ein: Einfach ist das trotzdem nicht. Prominente Beispiele:

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Annalena Baerbock – Papa kümmert sich um die Kinder

Das jüngste und in der Öffentlichkeit viel diskutierte Beispiel ist Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Ihr Mann Daniel Holefleisch gab mit Amtsantritt seiner Frau seinen Job bei DHL auf, um voll für die beiden Töchter – elf und sieben Jahre alt – da zu sein. Wie normal dieses Modell im Hause Baerbock ist, zeigt die Frage von Baerbocks Tochter: Ob denn auch Frauen Elternzeit nehmen dürften?

Dennoch stößt auch Baerbock offenbar immer wieder an ihre Grenzen: "Ich halte nichts davon, alles schönzureden und zu sagen, das kriegt man alles easy hin, so einen Rund-um-die-Uhr-Job und kleine Kinder", sagte die Grünen-Politikerin der "Tagesschau". Manchmal werde die Familie Vorrang haben, kündigte sie an: "Es wird Momente geben, da bin ich nicht da, weil es da wichtiger ist, dass ich bei meinen Kindern bin."

Ursula von der Leyen – Mama, Papa und die Tagesmutter

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (CDU), ist seit 1986 mit Heiko von der Leyen, einem Medizinprofessor und Unternehmer, verheiratet. Das Paar hat sieben Kinder.

Heiko von der Leyen und die sieben Kinder von Ursula von der Leyen, 2013: Auch von der Leyen gibt zu, dass sie sich die Zeit mit ihren Kindern erkämpfen musste.
Heiko von der Leyen und die sieben Kinder von Ursula von der Leyen, 2013: Auch von der Leyen gibt zu, dass sie sich die Zeit mit ihren Kindern erkämpfen musste. (Quelle: Wiegand Wagner/imago-images-bilder)

Mittlerweile sind sie alle erwachsen, enge Betreuung brauchen die Mittzwanziger und -dreißiger nicht mehr. Doch das war in von der Leyens Karriere auch schon anders – etwa 2003 zu Beginn ihrer Karriere als Familienministerin von Niedersachsen, als ihre jüngste Tochter gerade vier Jahre alt war.

"Da musste ich in Amt und Partei erst durchboxen, dass ich mir auch als Ministerin Zeit für die Kinder nehme", sagte von der Leyen der "Berliner Morgenpost". "Später eilte mir der Ruf schon voraus, dass ich kaum Abend- und Wochenendtermine annehme." Und auch gegenüber dem "Focus" gab sie freimütig zu: "Ohne meinen Mann und unsere Tagesmutter wäre das kaum zu schaffen."

Jacinda Ardern – Mit Kind und Partner bei der Arbeit

Für ein weiteres Beispiel lohnt ein Blick ins Ausland: Die Premierministerin von Neuseeland, Jacinda Ardern, hat 2018 sogar in ihrer Amtszeit ein Kind bekommen – als zweite Regierungschefin eines Landes überhaupt. Nach nur sechs Wochen ging die frisch gebackene Mutter wieder zur Arbeit.

Ihr Partner und Fernsehmoderator Clarke Gayford kümmerte sich um die gemeinsame Tochter Neve – und begleitete seine Frau, wann immer es nötig war. So sorgte etwa Arderns Auftritt bei der UN-Vollversammlung im September 2018 für Aufsehen. Partner Gayford begleitete sie mit der drei Monate alten Neve in den Konferenzraum.

Hilfe erhält Ardern auch von anderen in der Familie. "Gott sei Dank ist meine Mutter hier und hilft", sagte die 41-Jährige und lachte in die Kamera, als ihre Tochter einen Livestream unterbrach.

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Eine Kolumne von Gerhard Spörl
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