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Ukraine-Krieg | Russische Waffen: Putin macht ein unmoralisches Angebot


Putin macht ein unmoralisches Angebot

Von Patrick Diekmann

17.08.2022Lesedauer: 6 Min.
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Wladimir Putin (l.) mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu: Der russische Präsident bietet seinen Partnern in vollem Umfang russische Waffen an. (Quelle: IMAGO/Sergei Bobylev)
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Russland führt einen blutigen Abnutzungskrieg in der Ukraine, der finanziert werden muss. Da Rohstoffeinnahmen wegbrechen, sucht Wladimir Putin nach neuen Geldquellen.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine kostet nicht nur Zehntausende Menschenleben und legt ganze Städte in Schutt und Asche. Die Großmachtfantasien von Wladimir Putin werden auch für Russland finanziell immer mehr zum Desaster. Das Fundament der russischen Wirtschaft bestand aus zwei Säulen: die Exporte von Rohstoffen und Waffen. Beide Säulen werden vom Kremlchef derzeit zertrümmert.

Putin steckt in der Patsche. Während sich der Westen aus den Gas- und Ölgeschäften mit Russland zurückzieht und die Infrastruktur für Gasexporte in andere Länder noch nicht vorhanden ist, leidet auch die russische Rüstungsindustrie unter dem Krieg und den Sanktionen. Das ruft die USA auf den Plan, die darin eine strategische Chance sehen.

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Washington und Moskau sind weltweit die größten Waffenexporteure. In dem Geschäft mit dem Tod geht es nicht nur um Devisen, sondern vor allem auch um Einfluss und Abhängigkeiten. Durch den Ukraine-Krieg schaffen es die USA, Russland im globalen Wettbewerb um Waffendeals zurückzudrängen – ein Desaster für Putin.

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"Ohne sich vor den USA zu verbeugen"

Es war wohl kein Zufall, dass der russische Präsident am Montag bei einem Militärforum in der Nähe von Moskau persönlich erschien. Bei dem Treffen hochrangiger Militärs gab es auch eine Waffenschau, die für russische Panzer und Raketen warb – mit Putins Unterstützung.

Hoher Besuch bei einem Militärforum in der Nähe von Moskau: Präsident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergei Schoigu möchten russische Waffen verkaufen.
Hoher Besuch bei einem Militärforum in der Nähe von Moskau: Präsident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergei Schoigu möchten russische Waffen verkaufen. (Quelle: MAXIM SHEMETOV/rtr)

In seiner Rede lobte der Kremlchef die Leistungen russischer Rüstungskonzerne im Ukraine-Krieg, etwa bei der Ausstattung der Armee und Flotte mit "modernen Waffen, die heute für den Sieg arbeiten". Mit Blick auf die Gäste aus – nach offiziellen Angaben – 70 Ländern prahlte Putin damit, dass Russland mutige Partner auf vielen Kontinenten habe, die sich den USA widersetzten.

Die Botschaft war klar: In einer Welt, in der sich seit dem 24. Februar neue Blöcke formieren, will Russland seine Verbündeten mit Rüstungsgütern unterstützen – gegen die Nato und für die eigene Brieftasche. "Wir sind bereit, unseren Alliierten die modernsten Waffentypen anzubieten", versprach Putin auf dem Forum. Diese hätten den Vorteil, fast alle "im Kampf erprobt" worden zu sein – eine zynische Anspielung auf den massenhaften Beschuss ukrainischer Städte durch die russische Armee.

Macht Putin leere Versprechungen?

Dass der russische Präsident nun persönlich für Militärprodukte wirbt, ließe sich als Zeichen der Schwäche interpretieren. Denn der bisherige Verlauf des russischen Angriffskrieges war alles andere als ein Werbefeldzug für russische Rüstungsgüter. Stattdessen war es die ukrainische Armee, die internationale Beobachter mit ihrem Widerstand gegen die vermeintlich russische Übermacht überraschte.

Trotz riesiger Investitionen in die Modernisierung der russischen Armee geriet die "militärische Spezialoperation" – so heißt der Krieg offiziell in Russland – gleich zu Beginn zur Blamage für den Kreml. Die Eroberung Kiews und des Nordens scheiterte und auch im Osten kommt die russische Armee nur langsam voran. Nach unterschiedlichen Schätzungen im Westen sind 20.000 bis 40.000 russische Soldaten in dem Krieg gefallen – die genaue Zahl ist nicht bekannt. Hunderte russische Panzer und Flugzeuge wurden zerstört, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte "Moskwa" versenkt und die russische Flugabwehr scheint permanent zu versagen.

Ein ukrainischer Soldat steht in Butscha neben zerstörten russischen Panzern.
Ein ukrainischer Soldat steht in Butscha neben zerstörten russischen Panzern. (Quelle: Felipe Dana/dpa)

Zusätzlich stellt sich die Frage, ob Russland überhaupt die eigenen Verluste an Waffen und Gerät in diesem Krieg ausgleichen und gleichzeitig noch andere Länder beliefern kann. Macht Putin seinen Verbündeten also leere Versprechungen?

Der staatliche russische Waffenexporteur Rosoboronexport betonte, die westlichen Sanktionen beeinträchtigten die Ausfuhr von Militärtechnik nicht. Bis Ende 2023 würden etwa im Einklang mit den Lieferverträgen fünf Einheiten des russischen Raketenabwehrsystems S-400 an Indien übergeben, sagte Rosoboronexport-Chef Alexander Michejew. Der Leiter des Föderalen Dienstes für militärtechnische Zusammenarbeit, Dmitri Schugajew, hingegen räumte ein, es seien "im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen" einige logistische Probleme festgestellt worden. Letzteres ist wohl eine leichte Untertreibung.

Halbleiter-Problem der russischen Rüstungsindustrie

Nach Angaben der USA wurde die russische Verteidigungsindustrie durch Kriegsverluste und westliche Sanktionen schwer getroffen. So sind in den modernsten russischen Waffen auch elementare Bestandteile aus dem Westen verbaut – zum Beispiel Halbleiter.

In einer Aussage vor dem US-Senat im Mai wies beispielsweise US-Handelsministerin Gina Raimondo darauf hin, dass Russland aufgrund des Mangels an spezialisierten Halbleitern mittlerweile Halbleiter für Kühlschränke und Geschirrspüler in militärische Geräte einbauen würde. Weitere Indizien dafür sind, dass moderne Lenkflugkörper im Ukraine-Krieg knapp zu werden scheinen und dass zum Beispiel der T-14 Armata – Putins modernster Kampfpanzer – zwar auf den Paradestraßen von Moskau fahren kann, aber offenbar immer noch nicht gefechtsreif ist. Geschweige denn in Serie produziert wird.

Die größten Waffenexporteure
Die größten Waffenexporteure der Welt. (Quelle: Heike Aßmann)

Da sich der Kreml aus strategischen Gründen in der Frage bedeckt hält, ist es völlig unklar, wie groß der Mangel in der russischen Rüstungsindustrie derzeit ist. Mittelfristig wird Putin versuchen, die russische Rüstungsindustrie autarker zu machen, doch ob und wann ihm das gelingt, ist ebenso nicht ausgemacht.

Vermutlich geht es dem Waffenhändler aus dem Kreml momentan eher um Aufträge in der Zukunft. Die aktuelle Werbeoffensive der russischen Führung lässt sich auch damit erklären, dass Russland im internationalen Vergleich kostengünstigeres Gerät anbietet als die Konkurrenz. Das wird vor allem bei Kampfflugzeugen wie der Su-75 "Checkmate" zum Problem. "Sie können es sich nicht wirklich leisten, eine kleinere Menge zu diesem Preis zu produzieren, den sie für Arbeit und Material zahlen müssen", sagte John Parachini, Verteidigungsforscher beim Think Tank "Rand Corp", dem US-Magazin "Foreign Policy". "Also braucht Russland Exportverkäufe, um die Kosten für Waffen für ihr eigenes Militär zu senken."

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Waffenexporte sind blutige Machtpolitik

Aber es geht um viel mehr als um Geld, denn Rüstungsexporte sind gleichzeitig auch immer blutige Machtpolitik. Wenn ein Land zum Beispiel Kampfflugzeuge aus den USA oder aus Russland kauft, macht es sich über Jahre abhängig von der jeweiligen Großmacht. Wartung, Ausbildung, Munition, Modernisierung – all das verschafft den großen Waffenhändlern dieser Welt Einfluss, der auch für politische Zwecke genutzt werden kann.

Ein Beispiel dafür ist die Türkei. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Konflikte mit seinen Nato-Partnern: Als er 2018 die kurdischen Milizen in Syrien angreifen ließ, verweigerte ihm die Bundesregierung Ersatzteile für die Leopard-2-Panzer aus deutscher Produktion. Als die türkische Regierung im Jahr 2017 S-400-Raketenabwehrsysteme aus Russland kaufte, warfen die USA die Türkei aus dem Programm für das F-35-Kampfflugzeug. Bis heute ringt Erdoğan um eine Modernisierung der türkischen F-16-Flugzeuge aus US-Produktion.

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Waffenexporte sind also auch immer ein politisches Faustpfand und die USA kontrollierten bereits im Jahr 2021 – also vor dem Ukraine-Krieg – 39 Prozent des Exportes von konventionellen Waffen. Global sitzt der größte Waffenhändler der Welt also im Weißen Haus und nicht im Kreml. Rechnet man noch die Rüstungsexporte von allen Nato-Ländern mit ein, wird die Diskrepanz noch größer.

Schon vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wurde der Abstand zwischen den USA und Russland größer, Putin wollte gegensteuern. Besonders auf dem afrikanischen Kontinent versuchte die russische Führung, westliche Länder zu verdrängen. Ob nun Mali, Algerien, Nigeria oder die Zentralafrikanische Republik: Putin bot den Ländern billige Waffen an, zudem schickte Russland noch teilweise Söldner in die Länder, um die jeweiligen Regime zu unterstützen. Für den Kreml verliefen diese Operationen in den vergangenen Jahren oft erfolgreich, in vielen Ländern machte sich Russland die Narben der Kolonialzeit und die damit verbundenen Ressentiments zunutze.

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Ringen um Indien

In der Gesamtbetrachtung der globalen Waffenexporte hilft das Putin aber nicht wirklich, denn es brechen ihm zunehmend die großen Abnehmer von russischen Waffen weg. China wollte unabhängiger werden und produziert militärisches Gerät immer mehr selbst. Indien und Ägypten werden seit Beginn des Ukraine-Krieges von den USA unter Druck gesetzt und bekommen gute Angebote für US-Waffen als Alternativen zu russischer Technik.

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Putin mit dem indischen Premier Modi: Indien setzt weiter auf billige Rohstoffe aus Russland.
Putin mit dem indischen Premier Modi: Indien setzt weiter auf billige Rohstoffe und Waffen aus Russland. (Quelle: Reuters-bilder)

Besonders der Ausfall von Indien wäre eine Katastrophe für Putin, immerhin bezieht das hochgerüstete Land rund 60 Prozent seiner Waffen aus Russland. Zum Ärger des russischen Despoten kündigte die indische Regierung schon einen Helikopter-Deal auf, der einen Umfang von 485 Millionen US-Dollar gehabt hätte. Indien fühlt sich zwar traditionell Russland verbunden, aber es fürchtet momentan Lieferengpässe durch den Ukraine-Krieg. Darüber hinaus gilt für die indische Regierung: Sie nimmt – unabhängig vom Block – die Angebote an, die für das Land am besten sind. Dabei gerät der Kreml allerdings immer mehr ins Hintertreffen.

Putin macht also nun allen Ländern das unmoralische Angebot, alle russischen Waffen, Panzer und Raketen kaufen zu können – das ist auch ein Akt der Verzweiflung. Damit zielt der Kremlchef auf den arabischen Raum sowie auf manche Länder in Südamerika, die sich teilweise aus der Abhängigkeit von den USA befreien wollen. Doch während ihm die Konkurrenz aus Washington enteilt, wird vor allem eine aufstrebende Macht versuchen, zunächst Russland bei den Waffenexporten vom zweiten Platz zu verdrängen: China. Durch die hohen Produktionskapazitäten in der Volksrepublik erschien das ohnehin nur als eine Frage der Zeit, aber Putin scheint diesen Prozess durch seinen Angriffskrieg beschleunigt zu haben.

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Verwendete Quellen
  • foreignaffairs.com: "Russia Can’t Fight a War and Still Arm the World" (englisch)
  • foreignpolicy.com: "Ukraine Has Ground Down Russia’s Arms Business" (englisch)
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