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Krise im Wohnungsbau: Immobilienweise kritisieren Bundesregierung


"Ein regelrechter Sirenenalarm"
Immobilienweise warnen vor Wohnungsbaukrise

Von reuters, t-online, dpa
Aktualisiert am 20.02.2024Lesedauer: 3 Min.
imago images 0308009450Vergrößern des BildesNeubauwohnungen in Kirchheim bei München (Symbolbild): Gestiegene Bauzinsen gelten als wichtiger Faktor für den Rückgang bei den Neubauten. (Quelle: Frank Hoermann/SVEN SIMON/imago-images-bilder)
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Ihr Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr hat die Bundesregierung bislang verfehlt. Ein Immobilienverband warnt nun vor einer verschärften Wohnbaukrise.

Die Bundesregierung wird ihr Wohnungsbauziel nach Prognose der sogenannten Immobilienweisen künftig noch deutlicher verfehlen. "Die Krise ist tiefer, als die Baufertigstellungs- und Baugenehmigungszahlen bislang zeigen", heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Frühjahrsgutachten. Noch zehre der Wohnungsbau von Projekten, die vor den deutlichen Zinserhöhungen begonnen worden seien. Angesichts der eingebrochenen Genehmigungszahlen und unter Berücksichtigung der Bauzeiten dürften die Fertigstellungen voraussichtlich bis auf 150.000 pro Jahr sinken.

Die von der Bundesregierung angestrebte Marke von 400.000 Neubauten pro Jahr rückt damit in weite Ferne. 2023 wurde die Marke Schätzungen zufolge mit etwa 270.000 erneut deutlich verfehlt. "Mit den aktuellen Niveaus von Zinsen, Baulandpreisen, Baukosten und Mieten rechnet sich der Neubau von Wohnungen nicht", so die Experten.

Experten: 2026 werden 830.000 Wohnungen fehlen

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), der das Gutachten an Bundesbauministerin Klara Geywitz übergab, warnt vor einem sozialen Debakel. In Deutschland fehlten bereits in diesem Jahr mehr als 600.000 Wohnungen. Bis zum kommenden Jahr steige diese Zahl auf 720.000, bis 2027 sogar auf 830.000. "Die Analyse der Experten ist nicht nur ein Wake-up-Call, sondern in einigen Punkten ein regelrechter Sirenenalarm", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner.

Hauptgrund für die Entwicklung sind die seit dem Frühjahr 2022 gestiegenen Zinsen. Damit seien fast schlagartig alle Wohnungsbauprojekte unwirtschaftlich geworden, sagte der Immobilienweise Harald Simons. Die Folge sei praktisch ein Stopp des Wohnungsbaus. "Der Wohnungsneubau befindet sich in einer tiefen Krise", sagte der Experte. Eine "schwarze Null" bei Wohnungsneuentwicklungen wird dem ZIA zufolge erst bei einer Durchschnittsmiete von 21 Euro pro Quadratmeter erzielt. "Das ist nicht möglich", sagte ZIA-Präsident Mattner. "Wer also baut, geht bankrott."

"Es ist der Staat, der hier fette Beute macht"

Eindringlich forderten die Immobilienweisen, die staatlich bedingten Abgaben auf Wohnen zu senken. Laut Gutachten entstünden rund 37 Prozent der Baukosten in Deutschland durch staatliche Abgaben. "Es ist der Staat, der hier die fette Beute macht", sagte Mattner.

Die von Bundesregierung und Bundestag gewünschten steuerlichen Anreize über die degressive Abschreibung hält der ZIA für unverzichtbar. Diese ist Teil des sogenannten Wachstumschancengesetzes, das derzeit aber im Bundesrat auf Widerstand stößt.

Um an der Misere etwas zu ändern, schlägt der ZIA etwa ein Programm der staatlichen Förderbank KfW vor, das die Marktzinsen auf zwei Prozent reduzieren soll. Das würde bei einer Fördersumme von drei Milliarden Euro etwa 100.000 zusätzliche Wohnungen bringen.

ZIA-Präsident Mattner nahm außerdem die Bundesländer in die Pflicht. Diese seien gefragt, die Grunderwerbsteuer und kommunale Abschöpfungsprogramme auszusetzen. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) forderte bei der Vorstellung des Gutachtens die Länder auf, eine Senkung der Grunderwerbssteuer zu prüfen. "Die Länder haben die Grunderwerbsteuer immer mehr in die Höhe gesetzt", so die Ministerin.

Geywitz hatte am Montag die Wiederauflage ausgelaufener Programme der staatlichen Förderbank KfW angekündigt. Ab Dienstag sollen Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen wieder Anträge für Darlehen und Zuschüsse zum klimafreundlichen Neubau, altersgerechten Umbau und genossenschaftlichen Wohnen stellen können. Der Zinssatz soll laut Geywitz bei 2,1 Prozent liegen, also knapp über den vom ZIA geforderten 2 Prozent. Wie lange die KfW-Mittel ausreichen, ist unklar. Was genau gefördert wird, lesen Sie hier.

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