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Tesla-Werk Grünheide: Das sagen Menschen zum Ausbau | Bürgerabstimmung


Anwohner zur Tesla-Abstimmung
"Das ist viel zu viel"


21.02.2024Lesedauer: 4 Min.
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Die Bürgerinnen und Bürger in Grünheide haben gegen die Erweiterung des Tesla-Werks gestimmt.Vergrößern des Bildes
Die Bürgerinnen und Bürger in Grünheide haben gegen die Erweiterung des Tesla-Werks gestimmt. (Quelle: dpa/Patrick Pleul, IMAGO / Bernd Friedel/t-online)

Die Menschen in Grünheide haben sich mehrheitlich gegen den Ausbau der Tesla-Gigafactory ausgesprochen. Was sagen die Anwohner zu dem Votum?

Am Tag danach ist es in der Brandenburger Gemeinde Grünheide so ruhig wie in jedem anderen Dorf. Kaum jemand ist am Vormittag auf den Straßen unterwegs, nur am Marktplatz ist etwas Betrieb. Nichts deutet darauf hin, dass in Grünheide am Dienstagabend eine bedeutende Entscheidung für die deutsche Wirtschaft getroffen wurde. Auch wenn sie nicht bindend ist.

In einer Bürgerbefragung konnte die Bevölkerung darüber abstimmen, ob sie für oder gegen eine Erweiterung der Tesla-Gigafactory im Ort ist. Die Mehrheit stimmte dagegen. Fragt man die Menschen am Marktplatz an diesem Mittwochvormittag dann danach, ob sie sich an der Abstimmung beteiligt hätten, antworten sie mit "Ja, natürlich". Die Beteiligung lag bei 75 Prozent. Die Gründe dafür sind aber unterschiedlich.

Ein älterer Mann sieht die Gigafactory im Allgemeinen kritisch. "Das bekommen die doch gar nicht alles los", sagt er. "Das ist viel zu viel." Damit meint er die Anzahl an E-Autos, die dort künftig hergestellt werden sollen. Auch, dass weitere 100 Hektar Fichtenwald, von dem der Ort vollständig umgeben ist, abgeholzt werden sollen, findet er nicht gut. Aktuell liegt das Etappenziel bei 500.000 Autos im Jahr. Tesla plant, mit dem noch größeren Werk eine Million Fahrzeuge jährlich herzustellen. In Berlin produziert Tesla das Modell Y, das 2023 weltweit rund 1,23 Millionen Mal verkauft wurde.

Abholzung und Wasserverbrauch spielten eine große Rolle

Die Umwelt ist der Hauptgrund für Gerta Warnke, weshalb sie gegen die Erweiterung der Fabrik gestimmt hat. "Ich sehe ja, wie der Wald vor meiner Tür abgeholzt wird", sagt sie. "Darum habe ich natürlich mit Nein abgestimmt." Die Abholzung war der Hauptaspekt der Befragung. Die Bürgerinnen und Bürger sollten entscheiden, ob sie dafür sind, dass weitere 100 Hektar Wald abgeholzt werden.

Auch der Wassermangel bereitet Warnke Sorgen. Der Wasserverband Strausberg-Erkner warnte schon vor dem Bau der Fabrik vor einem gefährlich niedrigen Grundwasserspiegel in der Gemeinde. Der Wasserverbrauch von Tesla lag 2022 bei 10,2 Millionen Kubikmetern Wasser. Mit der Erweiterung könnte sich das erhöhen. Tesla beteuert zwar, eine Wasserwiederaufbereitungsanlage gewährleiste einen sparsamen Verbrauch, doch angesichts des niedrigen Grundwasserspiegels dient das nicht der Beruhigung. Schon jetzt muss Wasser gespart werden, darum wurde für Privathaushalte der Wasserverbrauch sogar schon auf 37 Kubikmeter pro Person im Jahr gedrosselt.

Das waren auch die größten Kritikpunkte der Bürgerinitiative, die sich gegen den Ausbau stemmt. Manuela Hoyer, Vorstandsvorsitzende der Initiative, sagt, sie sei "überglücklich" mit dem Ergebnis. "Kein Ortsteil hat mehrheitlich mit Ja gestimmt. Ich bin überwältigt." Ein entsprechendes Bild habe sich bereits bei den Haustürbefragungen gezeigt: "Die Leute waren froh, dass sie mal gefragt wurden." Denn das sei vor dem Bau der Gigafactory nicht geschehen. Man habe "über die Köpfe der Bürger" hinweg entschieden.

Es gibt für Gerta Warnke allerdings noch einen zweiten Grund: "Die Arbeiter sind alle von außerhalb." Dass die Tesla-Fabrik wirklich als Jobmotor den Gemeindemitgliedern nutzt, bezweifelt sie. "Ich kenne niemanden aus Grünheide, der dort arbeitet." Ein Gegenbeispiel dafür ist allerdings Toby Blei. Er arbeitet in der Gigafactory, "und deswegen habe ich dafür gestimmt. Das ist mein Job." Allein von der Zahl der Arbeitsplätze, die die Autofabrik schon jetzt hat, könnte ganz Grünheide dort arbeiten. 11.000 Arbeitsplätze wurden in dem 9.000-Seelen-Ort geschaffen.

"Wer A sagt, muss auch B sagen"

Sichere Arbeitsplätze für künftige Generationen erhofft sich auch Petra Engel von Tesla. Sie hat mit Ja gestimmt. Der Grund: "Ich habe noch Kinder zu Hause, die vielleicht auch mal in der Nähe arbeiten wollen."

Etwas pragmatischer sieht ein weiterer Mann aus Grünheide die Abstimmung: "Wer A sagt, muss auch B sagen", sagt er scherzend. Die Gemeinde habe sich für das Werk entschieden. "Wenn wir uns ein zukunftsträchtiges Unternehmen holen, wer bin ich, mich dem in den Weg zu stellen?" Schließlich wolle Tesla E-Autos bauen. Und eine größere Stückzahl könnte in seinen Augen im Umkehrschluss dazu führen, dass die Fahrzeuge erschwinglicher werden. "Die 65 Prozent, die dagegen gestimmt haben, werden wohl eine Enttäuschung erleben", sagt er. Denn die Abstimmung ist nur ein Stimmungsbild und rechtlich nicht bindend. Tesla könnte das Werk dennoch bauen, sofern die entsprechenden Genehmigungen erteilt werden.

Gemeindevertretung muss noch abstimmen

Wie es für die Fabrik nun weitergeht, ist nicht klar. "Der Bebauungsplan, um den es jetzt ging, zu dem die Einwohnerinnen und Einwohner befragt wurden, ist noch nicht Gegenstand einer Beratung in der Gemeindevertretung gewesen", sagte Bürgermeister Arne Christiani dem rbb. In der jetzigen Fassung werde er den Plan der Gemeindevertretung allerdings nicht zur Abstimmung vorlegen.

Manuela Hoyer, die sich gegen Ausbau engagiert, glaubt, über den Plan könne in einer Sitzung am 16. Mai abgestimmt werden. "Wenn sich die Gemeindevertretung dafür ausspricht, könnte sie bei den Kommunalwahlen kurz darauf die Quittung bekommen", sagt Hoyer. Die Wahlen finden am 9. Juni, gemeinsam mit den Europawahlen, statt.

Landrat: Müssen uns mehr Gedanken machen

Das Votum der Bürgerinnen und Bürger in Grünheide bewertet der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Alexander Schirp, als "klaren Auftrag, noch intensiver das Gespräch zu suchen und über die Erweiterung des Werks zu informieren". Die Tesla-Investition sei ein Glücksfall für Grünheide und für ganz Brandenburg, sagt er. "Nicht die Risiken, sondern die Chancen der Investition sollten im Mittelpunkt stehen, auch mit Blick auf die Umwelt."

Auch Landrat Frank Steffen (SPD) nimmt Gemeinde und Bevölkerung in die Pflicht. Es sei nun an Tesla und an Grünheide, "die Planungen noch einmal zu überdenken und dann zu überarbeiten." Das Ergebnis der Befragung zeige, "dass wir uns viel mehr Gedanken über die Infrastruktur eines Bauvorhabens im Umfeld machen müssen."

Trotz des negativen Ausgangs sagte Bürgermeister Christiani: "Ich bin sehr froh über die mit über 71 Prozent recht hohe Beteiligung an dieser Einwohnerbefragung." Christiani selbst befürwortet den Ausbau.

Verwendete Quellen
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