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Galeria Karstadt Kaufhof: Gläubiger entscheiden über Insolvenzplan


Gläubiger billigen Galeria-Insolvenzplan
"Das reicht nicht mal für Malerarbeiten"


Aktualisiert am 28.05.2024Lesedauer: 4 Min.
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Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

Galeria Karstadt Kaufhof soll bleiben: Dafür muss die Zahl der Standorte verringert und Personal entlassen werden, so der Insolvenzplan. Daran gibt es auch Kritik.

Weniger Standorte, schlankere Verwaltung: Galeria Karstadt Kaufhof wird gerettet – mal wieder. Doch der Fortbestand der Traditionskette hat seinen Preis. So kostet das Insolvenzverfahren selbst gut 41 Millionen Euro.

An die Gläubiger sollen insgesamt 22,5 Millionen Euro gezahlt werden, im ersten Schritt aber zunächst nur 4,5 Millionen Euro. Der Rest soll später folgen. Darüber berichtete zuerst das Wirtschaftsmagazin "Capital". Bereits zuvor war bekannt geworden, dass der Plan von Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus zudem die Schließungen von 16 der noch bestehenden 92 Warenhäuser und die Entlassung von 1.400 der 12.800 Angestellten bis Ende August vorsieht. Welche Filialen betroffen sind, lesen Sie hier.

Am Dienstag wurde den Gläubigern dieser Plan in der Messe Essen vorgestellt. Die Gruppe, bestehend aus Vermietern, Lieferanten, dem Finanzamt und der Bundesagentur für Arbeit, die das Insolvenzgeld an die Beschäftigten zahlt, stimmte dem Insolvenzplan zu. Reicht das, um die angeschlagene Kaufhauskette zu retten?

Alternative war Zerschlagung

"Ich bin überzeugt, dass Galeria mit diesem Management und den neuen Investoren eine gute Zukunft hat. Deshalb empfehle ich den Gläubigern, den Plan anzunehmen", hatte Insolvenzverwalter Denkhaus vorab geraten. Die Alternative wäre die Zerschlagung des Unternehmens.

Durch die Zustimmung erhalten die Gläubiger nun zumindest einen Teilbetrag der offenen Zahlungen. Insgesamt rechnet Denkhaus damit, dass die Insolvenzquote letztlich zwischen 2,5 und 3 Prozent liegen wird. Insgesamt hatten die Gläubiger Forderungen in Höhe von 886,1 Millionen Euro angemeldet.

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Die Insolvenzquote könnte sich aber noch erhöhen, wenn Galeria Zahlungen aus Ansprüchen gegen Gesellschaften der ehemaligen Konzernmutter Signa erhalten sollte. Die Signa Holding des Tiroler Investors René Benko war in die Pleite geschlittert und hat damit auch die Schieflage bei Galeria verursacht.

Nun sollen es die neuen Investoren, der Ex-Vorstandschef des Kosmetikkonzerns Coty, Bernd Beetz, und der kanadische Handelsunternehmer Richard Baker richten. Doch das dürfte gar nicht so einfach sein, denn Galeria kämpft schon seit mehreren Jahren um seine Marktstellung.

Drei Insolvenzen in kurzer Zeit

Erbitterte Konkurrenz durch den Onlinehandel, hausgemachte Probleme und häufige Strategiewechsel hatten den Niedergang des letzten großen deutschen Warenhauskonzerns beschleunigt. Für Galeria Karstadt Kaufhof gab es in etwas mehr als drei Jahren insgesamt drei Insolvenzen. Zweimal flüchtete sich die Kette in der Corona-Krise in ein Schutzschirmverfahren und erhielt zudem maßgebliche Unterstützung vom Staat. Der aktuelle Insolvenzantrag erfolgte im Januar.

Auch bei der aktuellen Lösung gibt es kritische Stimmen, die nicht an eine Rettung der Filialen in großem Stil glauben. Dass so viele Filialen fortgeführt werden, sei zwar "ein großes Signal an die Arbeitnehmer", so Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms. Er selbst hatte zuvor gesagt, dass er mittelfristig mit einer deutlich geringeren Anzahl an Filialen rechnet. "Ich halte 20 Filialen für eine realistische Zahl. Alles, was darüber hinausgeht, ist ein Zugeständnis an den Insolvenzverwalter, damit man den Zuschlag bekommt und die Häuser für eine gewisse Zeit weiterbetreibt." Es würden 50 bis 60 Häuser derzeit als profitabel eingeschätzt, schreibt die Handelsberatung BBE.

Insolvenzverwalter Denkhaus hob hingegen die Rolle der Kette für die Städte hervor. Galeria sei "als Warenhaus mit Anker-Funktion" auch "für die Zukunft der Innenstädte von erheblicher Bedeutung". Eine Position, die auch der Deutsche Städtetag und die Gewerkschaft Verdi teilen. "Jeder Standort, der geschlossen wird, führt zu einer weiteren Verödung unserer Innenstädte", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer.

Aufsichtsrat wird abgeschafft

Wie geht es nun weiter? Nach der Zustimmung der Gläubiger muss der Plan noch vor Gericht abgesegnet werden. Dann wird das Insolvenzverfahren aufgehoben. Bis Ende Juli will Denkhaus das Unternehmen an die neuen Eigner übergeben.

Mit der Übernahme der neuen Investoren ändert sich die Rechtsform des Unternehmens. Bislang handelte es sich um eine Zwischenholding in Luxemburg der Signa Gruppe. Künftig sollen alle Anteile an die Endor Holdings und die Naboo Holdings gehen und in der Rechtsform einer Luxemburger S.à.r.l. & Co. KG geführt werden. Hinter den Firmen stehen wiederum die beiden neuen Investoren Baker und Beetz.

Die Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge sowie der Betriebsrat sollen dabei erhalten bleiben. Aber der paritätisch von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite besetzte Aufsichtsrat wird aufgelöst. Im Konzern hatte das Unmut hervorgerufen. Verwalter Denkhaus sieht darin hingegen eine nötige Verschlankung der Konzernstrukturen. Denn der Aufsichtsrat habe zuletzt eine Million Euro jährlich gekostet. Darüber hatte zuerst das "Manager Magazin" berichtet.

Für die Fortführung des Geschäftsbetriebs bleiben Galeria laut Insolvenzplan Mittel in Höhe von knapp 87 Millionen Euro. Mögliche Investitionen der neuen Eigentümer sind hier nicht berücksichtigt. Die müssen einigen Experten zufolge sehr hoch ausfallen, um Galeria für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen. "Die angekündigten 100 Millionen reichen nicht mal für Malerarbeiten. Es sind 10 bis 15 Millionen Euro je Standort erforderlich und das summiert sich schnell auf über eine Milliarde Euro", lautet die Schätzung von Johannes Berentzen, Geschäftsführer der auf Handel spezialisierten Beratungsfirma BBE, im Gespräch mit t-online.

Skepsis gegenüber Investoren

In den kommenden Wochen steht zudem die Abwicklung der zu schließenden Filialen an. Mehr zu den Konzepten für einzelne Standorte lesen Sie hier. Für die betroffenen Mitarbeiter wurde festgelegt, dass sie für acht Monate in eine Transfergesellschaft wechseln können, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren, so Denkhaus.

Inwiefern unter der neuen Leitung die Kaufhauskette nach wackligen Jahren wieder auf rentablen Füßen stehen kann, wird sich zeigen müssen. Branchenbeobachter sind durchaus skeptisch. Immerhin war Richard Baker als Chef des kanadischen Unternehmens HBC vor einigen bereits Jahren Eigentümer von Galeria Kaufhof, verkaufte die schwächelnde Kette dann an Benko.

Ganz abschreiben will das Konzept Kaufhaus dabei aber noch niemand. Auch wenn der Marktanteil von Warenhäusern in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen habe, gebe es einige Erfolgsgeschichten. "Das Geschäftsmodell Warenhaus ist nicht grundsätzlich aus der Zeit gefallen, sondern die Art und Weise, wie GKK es betreibt." Erfolgreiche Beispiele, wie das Kaufhaus Rid in Weilheim oder der Kaufring in München, zeigen laut Berentzen, dass Regionalität und Erlebnisse für Kunden wie Modenschauen und Workshops überzeugen können. Galeria Karstadt Kaufhof muss nun zeigen, ob es das in schlankerer Form auch beherrscht.

Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP
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