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Börse spielt verrückt – oder warum steigen die Kurse so stark?


Trotz Krisenstimmung  

Die Aktienkurse steigen immer weiter – spielt die Börse verrückt?

Animation erklärt: So einfach funktioniert der Handel an der Börse

Den Handel an der Börse stellen sich viele Menschen kompliziert vor, Märkte wirken unberechenbar, Aktien sind ihnen suspekt. Dabei ist Aktienhandel gar nicht schwierig, wie unser Video zeigt. (Quelle: t-online)

Aktien, Handel, Märkte: Diese Animation erklärt schnell und einfach, wie Börsenhandel funktioniert. (Quelle: t-online)


Der Dax schloss am Freitag auf einem neuen Allzeithoch – und das trotz Corona-Sorgen und Revolte in Washington. t-online erklärt, warum das so ist und ob das jetzt immer so weitergeht.

Chaos in Washington, schleppender Impfstart, weiterhin hohe Corona-Fallzahlen: Eigentlich dürften es keine guten Tage sein für die internationalen Finanzmärkte. Aufgrund der Unsicherheit, die von vielen Nachrichten und Ereignissen ausgeht, müssten Anleger und Börsianer eigentlich verunsichert und zurückhaltend sein am Aktienmarkt. Eigentlich.

Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Die wichtigsten Aktienindizes, darunter auch der deutsche Leitindex Dax und der US-Index Dow Jones, erreichten am Donnerstag neue Höchststände. Am Freitag schloss der Dax gar über der historischen Marke von 14.000 Punkten.

Woran liegt das? Wie könnte es kurz- und langfristig an den Börsen weitergehen? Und lohnt es sich für mich als Kleinanleger jetzt noch, am Aktienmarkt einzusteigen? t-online beantwortet die fünf wichtigsten Fragen zur Jahresauftakt-Rally an den Börsen.

Warum steigen die Aktienkurse gerade so stark?

Verkürzt gesagt: Weil derzeit viel Geld im Spiel ist – und es sogar noch mehr werden dürfte. Gemeint ist damit einerseits, dass Zentralbanken und Regierungen Unmengen an Geld in die Wirtschaft pumpen, um angeschlagene Unternehmen liquide zu halten.

Andererseits haben vor allem viele Kleinanleger im vergangenen Jahr viel Geld gespart, für das sie nun händeringend nach profitablen Anlagemöglichkeiten suchen. Fündig werden sie dabei immer seltener bei Banken oder Verkäufern festverzinster Wertpapiere wie Anleihen, da es hier kaum noch Zinsen gibt. Die Folge: Ein Investment in Aktien wird für immer mehr Menschen alternativlos. Durch diese gesteigerte Nachfrage nach Aktien steigen die Kurse.

Hinzu kommt, dass an der Börse sprichwörtlich "die Zukunft gehandelt wird". Das heißt: Viele Anleger und Investoren scheinen die aktuell hohen Corona-Zahlen und die noch einmal verschärfte wirtschaftliche Krise durch den Lockdown bereits abzuhaken und zuversichtlich nach vorne zu blicken. Viele klammern sich bei der Hoffnung auf den Impfstoff daran, dass ab Jahresmitte eine Normalisierung des Lebens eintritt. Für diese Phase, in der auch der Konsum, zum Beispiel in Form von Reisen, wieder anzieht, decken sich viele bereits jetzt mit entsprechenden Aktien ein.

Dass die Laune der Anleger dabei selbst die erschütternden Bilder vom Sturm auf das Kapitol in Washington nicht trüben, hängt mit einem ähnlichen Prinzip zusammen: Viele Investoren schauen bereits auf die Zeit nach dem 20. Januar, wenn Joe Biden Donald Trump als US-Präsident abgelöst hat – und zusätzlich zu den jüngst verabschiedeten Corona-Hilfen in Höhe von 900 Milliarden US-Dollar noch weitere Pakete für die US-Wirtschaft auf den Weg bringen dürfte.

Wird das jetzt kurzfristig so weitergehen?

Ja. Die Aktienkurse werden mit großer Wahrscheinlichkeit noch etwas steigen – auch wenn es so nicht ewig weitergeht. "Das Tempo ist im Moment extrem hoch. Die Börse legt deshalb bald eine Verschnaufpause ein", sagte Christian Kahler, Chef-Anlagestratege der DZ-Bank t-online. "Anleger sollten sich auf Rücksetzer gefasst machen."

Das hat mehrere Gründe. Zum einen: der Lockdown in Deutschland, der noch auf die Kauflaune und die Unternehmensgewinne drücke – gerade in der Reise- und Touristikbranche. "Spätestens mit den ersten Quartalszahlen im Frühjahr könnte eine Ernüchterung kommen", so der Anlageexperte.

Außerdem gelte: Besonders bei Tech-Aktien aus den USA sei es zu "Übertreibungen" gekommen, urteilt Kahler. "In der Pandemie bekamen Tech-Firmen einen zusätzlichen Antrieb." Dieser werde nach Corona deutlich nachlassen.

Eine Rolle bei den Tech-Werten spiele aber auch die Politik Bidens. "Anleger könnten vor einem Investment zurückschrecken, wenn Biden ankündigt, große US-Tech-Unternehmen stärker zu regulieren."

Wo könnte der Dax zum Jahresende stehen?

Das ist die große Frage. Wo genau die wichtigen Aktienindizes stehen werden, lässt sich nicht genau prognostizieren – voraussichtlich aber nicht weit von dem jetzigen Punktestand entfernt.

Aktienexperte Kahler geht davon aus, dass der Dax Ende des Jahres etwa bei 14.000 Punkten landen wird. "Wir halten an unserer Prognose vom November fest", so Kahler. Damals gingen die DZ-Experten von einem Allzeithoch von 14.000 Punkten aus, das am Donnerstag im Handelsverlauf bereits geknackt wurde und auf dem Stand der Dax am Freitag schloss. "Es wird aber Korrekturen und Rücksetzer geben, sodass die Prognose noch zutreffen kann."

Das Gleiche gelte auch für den marktbreiten US-Index S&P 500 oder den Tech-Index Nasdaq 100. Der S&P 500 könnte also zum Jahresende bei etwa 3.800 Punkten stehen, so wie momentan auch der Nasdaq bei rund 13.000 Punkten.

"Wir erwarten aber, dass es die nächsten Jahre deutlich bergauf gehen wird", so Kahler. Der Grund: "Nach einer Rezession kommt der Aufschwung – damit verbunden steigen auch die Kurse deutlich."

Sollte ich jetzt noch einsteigen?

Ja. Die wichtigere Frage ist aber nicht, wann Sie einsteigen sollten, sondern wie. Viele Anleger zerbrechen sich den Kopf darüber, den richtigen Zeitpunkt für ihre Investition abzupassen. Dabei gelingt Ihnen das perfekte Timing sowieso nicht. Und wenn doch, dann womöglich nur durch Zufall.

Denn den Markt genau vorherzusagen, ist reine Glückssache. Worauf Sie allerdings Einfluss haben, ist eine durchdachte Strategie. Eine solche ist das sogenannte Buy-and-Hold ("Kaufen und Halten") – eine langfristige passive Anlagestrategie, bei der Sie sich durch Kursausschläge nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Beim Buy-and-Hold können Sie entweder einen großen Betrag auf einmal anlegen oder – und das macht den Einstiegszeitpunkt noch irrelevanter – Sie setzen einen Sparplan auf.

So zahlen Sie jeden Monat kleinere Beträge ein und können sich sogar freuen, wenn die Kurse nach dem Kauf sinken. Denn dann bekommen Sie mehr für Ihr Geld und schöpfen Gewinne ab, sobald die Kurse wieder steigen.

Grundsätzlich gilt dabei: Sie sollten ausreichend Zeit mitbringen, um Kursschwankungen auch aussitzen zu können. Am besten mindestens 15 Jahre. Je länger der Anlagehorizont, desto stärker schlägt auch der Zinseszinseffekt zu Buche.

Wie kann ich teilhaben?

Wollen Sie in den Aktienmarkt investieren, empfiehlt sich ein Sparplan auf einen börsennotierten Indexfonds, kurz ETF ("Exchange Traded Fund"). Bei ETFs bildet ein Computeralgorithmus Indizes wie zum Beispiel den Dax, Dow, Nasdaq oder den internationalen MSCI World ab.

ETFs entwickeln sich also immer genau so wie der Index, den sie nachbilden. Da es sich bei ihnen um ein Bündel mehrerer Aktien handelt, setzen Sie anders als bei Einzelaktien nicht alles auf eine Karte. Das senkt Ihr Risiko.

Geldanlage ohne großes Risiko: t-online erklärt in dieser Animation, wie Sie Ihr Geld ganz einfach in Fonds und ETFs investieren können. (Quelle: t-online)

Generell gilt: Je breiter Sie streuen – also je mehr unterschiedliche Aktien sich in einem ETF befinden, desto sicherer ist Ihr Investment. Ein ETF auf den weltweiten MSCI World, der mehr als 1.600 Unternehmen enthält, empfiehlt sich daher eher als ein Investment in den Dax – auch wenn er gerade noch so im Aufwind ist.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Christian Kahler
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • Handelsblatt
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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