Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Börse & Märkte > Börsen News > Eigene >

Lieferengpässe, Zinssorgen, Omikron: Das erwartet Anleger 2022


Anleger-Jahr im Check  

Dicke Luft an der Börse

08.01.2022, 15:31 Uhr
Lieferengpässe, Zinssorgen, Omikron: Das erwartet Anleger 2022. Verschnaufpause (Symbolbild): Die neue Zinspolitik dämpft die Stimmung an den Börsen etwas. Der große Rausch dürfte vorbei sein, doch das heißt nicht, dass ein schlechtes Börsenjahr bevorsteht. (Quelle: Getty Images/Spencer Platt)

Verschnaufpause (Symbolbild): Die neue Zinspolitik dämpft die Stimmung an den Börsen etwas. Der große Rausch dürfte vorbei sein, doch das heißt nicht, dass ein schlechtes Börsenjahr bevorsteht. (Quelle: Spencer Platt/Getty Images)

Ungewissheit bei den Anlegern: Die erste Januarwoche hat bereits für Wirbel an den Börsen gesorgt. Ist die große Aufwärtstrend nun vorbei? Vier Experten schätzen das neue Börsenjahr für t-online ein.

Die US-Notenbank Fed hat das neue Jahr für viele Anleger mit Sorgen starten lassen. Gleich in der ersten Woche ließ der Ausblick auf eine deutlich schnellere und radikalere Zinswende die internationalen Börsen absacken – und viele Anleger fragen sich: Ist das ein Vorgeschmack auf das gesamte Börsenjahr 2022?

Als sicher gilt schon jetzt, dass sich Börsianer auf einen deutlichen Wandel im Vergleich zum fantastischen Handelsjahr 2021 einstellen müssen. "Wir werden in diesem Jahr häufiger Kursbewegungen wie in dieser Woche sehen", sagt Moritz Bauer, Leiter des Investmentstrategie-Teams von Union Investment, im Gespräch mit t-online.

Gewinner brauchen Verschnaufpause

Ein wichtiger Akteur hat sich dafür bereits in Position gebracht: die amerikanische Notenbank Fed. "2022 wird den Märkten die Unterstützung der lockeren Geldpolitik entzogen. Die Kapitalmärkte werden das deutlich spüren", so Bauer. 

Zeit für realistischere Erwartungen

Doch so rasant aufwärts geht es wohl kaum dauerhaft weiter. "Anleger sollten sich darauf einstellen, dass die Kurszuwächse weniger dynamisch nach oben steigen und von höheren Schwankungen durchzogen sein werden", sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka-Bank.

Bauer von Union Investment rät Anlegern daher dazu, das eigene Depot wieder breiter aufzustellen. Im vergangenen Jahr verführten große Gewinnchancen viele Investoren dazu, verstärkt Sektorwetten einzugehen, etwa bei Tech-Aktien. Das sogenannte Rebalancing stellt das Gleichgewicht im Depot wieder her und macht es widerstandsfähiger. Was Sie dabei beachten sollten, lesen Sie hier

Die Börsen sind anpassungsfähig

Besonders die einstigen Gewinner, wie etwa besagte Tech-Titel, müssen in diesem Jahr womöglich zurückstecken, wenn die Fed ihre Pläne aus dem Protokoll zu Jahresbeginn umsetzt. In diesem Fall könnte die Zentralbank in den USA ihre Anleihenkäufe deutlich drastischer zurückfahren und die Zinsen womöglich früher anheben als vermutet.

Für Ulrich Stephan, Chefanlagestratege im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, wären das keine gute Nachricht. "Sollte sich dieser geldpolitische Kurs bestätigen, könnten die Aktienmärkte verschnupft reagieren, insbesondere Technologiewerte", sagt er.

Blickt genau auf die Fed: Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkundenbank Deutschland der Deutschen Bank, schätzt, dass Technologie-Aktien den Zinswandel besonders spüren könnten. (Quelle: imago images/Tim Dirven)Blickt genau auf die Fed: Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkundenbank Deutschland der Deutschen Bank, schätzt, dass Technologie-Aktien den Zinswandel besonders spüren könnten. (Quelle: Tim Dirven/imago images)

Doch nicht alle bewerten die Rolle der Fed für das kommende Jahr gleich. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank, etwa blickt differenzierter auf das Gebaren der Notenbank. "Mittel- bis langfristig dürften die weiteren Schritte der Fed und die damit verbundene langsame Zinswende keinen mehr überraschen", sagt er. "Daher bleibt abzuwarten, ob die Märkte sich von den kommenden Entscheidungen beeindrucken lassen."

Keine Angst vor Omikron

Wie sehr die Börsen sich auf einstige Schreckgespenster einstellen können, zeigt die neue Corona-Variante Omikron. "Bei der aktuellen Nachrichtenlage und den rasant steigenden Fallzahlen können sich Anleger schnell an das Frühjahr 2020 erinnert fühlen – doch an den Märkten sieht man davon wenig", so Bauer.

Eine hochansteckende Variante, die den Impfschutz umgehen kann, war lange Zeit der Albtraum der Wirtschaft und damit der Börsen – und trotzdem stiegen zum Jahreswechsel die Aktienkurse einiger Corona-Verlierer, wie etwa Fluggesellschaften, an. Bauer: "Es herrscht keine Corona-Angst. Die Börsen gehen vielmehr davon aus, dass wir in zwei bis drei Monaten durch Omikron in eine endemische Phase eintreten."

Keine Sorge vor Omikron: Moritz Bauer, Leiter des Investmentstrategie-Teams von Union Investment, sieht in der neuen Corona-Variante keine große Gefahr für die Märkte. (Quelle: Union Investment)Keine Sorge vor Omikron: Moritz Bauer, Leiter des Investmentstrategie-Teams von Union Investment, sieht in der neuen Corona-Variante keine große Gefahr für die Märkte. (Quelle: Union Investment)

Es gibt erste Anzeichen, dass die neue Variante weniger gefährlich ist für Erkrankte. So sind die Krankenhäuser selbst in Omikron-Hotspots aktuell nicht überlastet  – zumindest in Gegenden mit einer hohen Impfquote. Das führt nicht nur bei Bauer zu Optimismus.

"Diese Perspektive wird dafür sorgen, dass sich die aktuelle Omikron-Stimmungsbelastung spätestens im Frühjahr sogar in eine Unterstützung für die Börsen drehen kann", sagt etwa auch Deka-Experte Schallmayer. 

Omikron belastet Lieferketten in mehreren Ländern

Spurlos geht die neue Corona-Variante aber auch nicht an den Märkten vorüber, das zeigen andere Länder bereits eindrucksvoll. Von den USA bis nach Australien sorgen rasant steigende Fallzahlen zu Lieferkettenschwierigkeiten. Viele Mitarbeiter, etwa im Transport, aber auch in Supermärkten, müssen sich als Infizierte oder Kontaktpersonen in Quarantäne begeben.

Blickt optimistisch auf den Dax: Joachim Schallmayer geht davon aus, dass der Dax 2022 die Marke der 17.000 Punkte überschreiten wird. (Quelle: Deka Bank)Blickt optimistisch auf den Dax: Joachim Schallmayer geht davon aus, dass der Dax 2022 die Marke der 17.000 Punkte überschreiten wird. (Quelle: Deka Bank)

Das kann auch weitere Regionen auf der Welt treffen. "Die Omikron-Welle wird mit oder ohne staatliche Eingriffe zu einer wirtschaftlichen Zurückhaltung führen. Insbesondere die Lieferketten könnten aufgrund der No-Covid-Strategie Chinas negativ betroffen sein", sagt Deutsche-Bank-Analyst Ulrich Stephan.

17.000 Punkte in Reichweite 

Dennoch: Im Kern bleibt den Experten der Optimismus erhalten. "Der Dax wird die Marke von 17.000 Punkten im Jahresverlauf nicht nur knacken, sondern auch das Jahr oberhalb dieser Marke beenden", sagt etwa Deka-Analyst Schallmayer.

Union-Investment-Analyst Bauer sieht unterm Strich ebenfalls ein Plus: "Am Jahresende dürften Anleger mit mittleren bis hohen einstelligen Renditen rechnen.“ Das wäre ein solides Wachstum – nach dem Börsen-Feuerwerk des vergangenen Jahres dürfte es so manchen Einsteiger dennoch mit einer dumpfen Enttäuschung zurücklassen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Moritz Bauer, Union Investment
  • Austausch mit Joachim Schallmayer, Deka
  • Austausch mit Ulrich Stephan, Deutsche Bank 
  • Austausch mit Carsten Brzeski, ING
  • Bloomberg: More food shortages after omicron hits stores
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Madeleinetchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deKlingel

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: