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Ist Deutschlands Rentensystem veraltet?

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 21.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Ältere Frau schaut aus dem Fenster (Symbolbild): Das Umlagesystem der Rente wird 65 Jahre alt.
Ältere Frau schaut aus dem Fenster (Symbolbild): Das Umlagesystem der Rente wird 65 Jahre alt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Die gesetzliche Rente in ihrer heutigen Form wird 65 Jahre alt. Zeit zurĂŒckzuschauen: Wie zukunftsfĂ€hig ist das Rentensystem, das Konrad Adenauer 1957 umgekrempelt hat?

Das Wichtigste im Überblick


  • Wie entstand die Umlagerente?
  • Was sind die Vorteile der Umlagerente?
  • Wie geht es jetzt weiter mit der Rente?

Wilfrid Schreiber dĂŒrfte nur den allerwenigsten Menschen ein Begriff sein – und doch kommen die meisten Deutschen mit seinem Lebenswerk frĂŒher oder spĂ€ter in BerĂŒhrung. Der Kölner Wirtschaftstheoretiker, verstorben 1975, war der Schöpfer des Umlagesystems, auf dem heute noch die Rentenkasse aufbaut.

Seine Idee damals: Wer arbeiten geht, zahlt die Rente derer, die zur selben Zeit schon aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind; die eigene Rente finanzieren alle kĂŒnftigen Arbeitnehmer. Deshalb ist auch von einem Generationenvertrag die Rede.

Am heutigen Freitag feiert das System seinen 65-jĂ€hrigen Geburtstag. Am 21. Januar 1957 beschloss der Bundestag die grĂ¶ĂŸte Rentenreform in der Geschichte der Bundesrepublik, die auf Schreibers Plan basiert. Höchste Zeit also, zurĂŒckzuschauen – und nach vorne: auf die Zukunft des Rentensystems.

Wie entstand die Umlagerente?

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag nicht nur Deutschland in TrĂŒmmern, sondern auch das Rentensystem. Nach und nach baute der Bund es wieder auf und stellte das frĂŒhere kapitalgedeckte System wieder her.

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Das heißt: Die RĂŒcklagen der Rentenversicherung wurden am Kapitalmarkt angelegt – beispielsweise in Staatsanleihen. Das Problem: Zum Start gab es praktisch keine Geldreserven. Daher mussten von 1952 bis 1956 zwischen 36 und 47 Prozent der Rentenausgaben ĂŒber Steuermittel aus dem Bundeshaushalt getragen werden.

Das war aber nicht das einzige Manko des damaligen Systems. Denn die Rente hatte lediglich eine Art "UnterstĂŒtzungsfunktion". Die Altersvorsorge sollte lediglich die Familienabsicherung ergĂ€nzen. Sie verfolgte nicht das Ziel, den Lebensstandard im Alter zu sichern.

Hinzu kam: Viele Nachkommen, die den spĂ€teren Ruhestand hĂ€tten finanzieren sollen, waren im Zweiten Weltkrieg gestorben. Ältere Menschen waren folglich oftmals auf die staatliche Rente angewiesen. Und die fiel Ă€ußerst schmal aus: Im Durchschnitt erhielten Senioren 1950 pro Monat nur 60,50 D-Mark und damit nur rund 10 Mark mehr als die Mindestrente von 50 Mark.

Adenauer war zum Handeln gezwungen

Am Wirtschaftsaufschwung in den 1950er-Jahren partizipierten die Rentner zudem gar nicht, weil die Renten nicht an die Lohnentwicklung gekoppelt waren. Sie beruhten lediglich auf einer einheitlichen Summe plus einem geringen Steigerungsbetrag. Die Unzufriedenheit unter Deutschlands Senioren wuchs.

Der damalige Kanzler Konrad Adenauer musste also handeln, auch um die Wahlen nicht zu verlieren. Gegen WiderstĂ€nde der WirtschaftsverbĂ€nde und EinwĂ€nde aus dem Finanz- und dem Wirtschaftsministerium setzte er eine Neuordnung der gesetzlichen Rente durch. Zahlreiche Ökonomen und Wissenschaftler machten VorschlĂ€ge – doch nur die Idee von Wilfrid Schreiber wurde verfolgt.

Diese Punkte umfasste die Rentenreform von 1957

Adenauers Regierung erarbeitete auf dieser Basis eine Rentenreform, die es in sich hatte. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Der heute fast berĂŒhmte Generationenvertrag wird eingefĂŒhrt. Fortan wird die Rentenkasse Schritt fĂŒr Schritt auf eine Umlagefinanzierung umgestellt.
  • Die Renten werden seither an der allgemeinen Lohnentwicklung ausgerichtet und regelmĂ€ĂŸig angepasst. Das ist bis heute so geblieben.
  • Zudem wird die Grundlage fĂŒr die heutige Hinterbliebenenrente gelegt.

Die Umstellung auf die Umlagefinanzierung der Rentenkasse in den 1950er-Jahren und die Kopplung an die Lohnentwicklung setzte der Altersarmut von Millionen Menschen in Deutschland ein Ende. Zwischen 1957 und 2003 stiegen die Renten um das 8,5-Fache an.

FrĂŒherer Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und erster Bundeskanzler Konrad Adenauer: 1957 legten sie eine Rentenreform auf – Erhard war gegen die Dynamisierung der Renten.
Der frĂŒhere Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer: 1957 legten sie eine Rentenreform auf – Erhard war gegen die Dynamisierung der Renten. (Quelle: United Archives International/imago-images-bilder)

Gut zu wissen: Den ursprĂŒnglichen Schreiber-Plan setzte Adenauer nur in Teilen um. So sah Schreiber etwa vor, dass SelbststĂ€ndige in der gesetzlichen Rente pflichtversichert werden. Das ist bis heute nicht der Fall. Auch wandte er sich gegen BundeszuschĂŒsse an die Rentenkasse, die jedoch damals wie heute fließen.

Was sind die Vorteile der Umlagerente?

Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Rentensystem weiter. Ein großer Schritt war die Deutschen Einheit. In der Folge kamen Millionen Menschen in die Rentenversicherung, die vorher noch nicht oder nicht direkt eingezahlt hatten. FĂŒr vier Millionen Rentner aus der ehemaligen DDR wurden die Zahlungen sichergestellt.

Auch RentenprĂ€sidentin Gundula Roßbach sieht hier den zentralen Vorteil des Umlagesystems. "Die umlagefinanzierte Rentenversicherung hat bereits viele Krisen ĂŒberstanden. Das war nur deshalb möglich, weil sie so anpassungsfĂ€hig ist", sagte sie im t-online-Interview.

2001 wurde die umlagefinanzierte Rente dann mit der Riester-Rente um eine kapitalgedeckte SĂ€ule erweitert. Lesen Sie hier mehr dazu.

Wie geht es jetzt weiter mit der Rente?

Das ist die entscheidende Frage. Das aktuelle umlagefinanzierte System steht vor einem Finanzierungsproblem. Auf immer mehr Rentner kommen immer weniger Beitragszahler, was die Grundidee des Systems infrage stellt.

VerschĂ€rft wird das Problem mit dem Renteneintritt der Angehörigen der Babyboomer-Generation in wenigen Jahren. Auch der Bund weiß um das aktuelle Problem. Die Ampelregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag daher den Einstieg in ein kapitalgedecktes System beschlossen: In einem ersten Schritt sollen zehn Milliarden Euro in einen Fonds fließen.

Bei Rentenausgaben von knapp 300 Milliarden Euro ist das jedoch viel zu wenig, sagt auch Roßbach. Offen ist ohnehin, wie der Fonds am Ende ausgestaltet sein wird – sprich, wie groß er sein wird und wer ihn verwaltet.

Kommt eine weitere Rentenreform?

Neben der Aktienrente soll die Rente kaum angefasst werden. Rentenniveau, BeitrĂ€ge und Eintrittsalter sollen festgeschrieben werden, zumindest fĂŒr die jetzige Legislaturperiode. Mehr dazu lesen Sie hier.

RentenprĂ€sidentin Roßbach fordert, dass die Ampel sich noch einmal Gedanken machen sollte – fĂŒr die Zeit danach. "Ich wĂŒnsche mir, dass die Koalition VorschlĂ€ge machen wird, wie das System auf lange Sicht weiterentwickelt werden kann." Welche Ideen es gibt, um die Rente zu sichern, lesen Sie hier.

Denn das Renteneintrittsalter verharrt Stand jetzt trotz steigender Lebenserwartung ab 2031 bei 67 Jahren. Die RentenbeitrĂ€ge dagegen steigen die kommenden Jahre an, die BundeszuschĂŒsse dĂŒrften ebenfalls deutlich wachsen.

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Eine weitere Jahrhundertreform wird es wohl trotzdem in nĂ€chster Zeit nicht geben. Roßbach meint auch, die sei nicht nötig – selbst 65 Jahre nach EinfĂŒhrung des Systems.

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