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Tagesgeldkonto: So flüchten Sparer jetzt vor Negativzinsen


Neuer Trend  

So flüchten deutsche Sparer jetzt vor Negativzinsen

08.09.2021, 10:28 Uhr
Tagesgeldkonto: So flüchten Sparer jetzt vor Negativzinsen. Eine Frau prüft ihr Konto (Symbolbild): Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Tagesgeldkonten sprunghaft angestiegen. (Quelle: Getty Images/filadendron)

Eine Frau prüft ihr Konto (Symbolbild): Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Tagesgeldkonten sprunghaft angestiegen. (Quelle: filadendron/Getty Images)

Der Trend geht zum Zweitkonto: Weil immer mehr Banken Verwahrentgelte verlangen, verteilen viele Menschen ihr Geld nun offenbar auf mehrere Institute. Um höhere Zinsen geht es ihnen dabei aber nicht.

Das reine Sparen lohnt sich immer weniger. Vor allem wer hohe Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto liegen hat, bezahlt die Bank dafür, dass er sein Geld bei ihr parkt – statt wie noch vor einigen Jahren Zinsen dafür zu bekommen.

Schuld sind die sogenannten Verwahrentgelte, also Negativzinsen, die nicht nur eine immer größere Zahl an Banken und Sparkassen verlangt, sie greifen auch ab immer kleineren Guthaben. Lag die Grenze lange Zeit bei 100.000 Euro, erheben laut dem Vergleichsportal Verivox inzwischen mindestens 130 Institute die Strafzinsen ab einer Gesamteinlage von 50.000 Euro oder weniger.

Die Folge: Sparer flüchten offenbar mit einem Teil ihres Vermögens zu anderen Banken, um unter der Freigrenze für Negativzinsen zu bleiben. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Raisin DS GmbH, zu der die Zinsportale Weltsparen und Zinspilot gehören. Grundlage sind Daten der Europäischen Zentralbank.

Zahl der Tagesgeldkonten sprunghaft angestiegen

"Die Negativzinsbelastung für Bankkunden hat sich in den vergangenen Jahren verschärft", sagt Tamaz Georgadze, Co-Geschäftsführer von Raisin DS. "Es ist daher keine Überraschung, dass die Deutschen ihr Geld nun verstärkt in kleineren Beträgen über mehrere Banken verteilen."

Der Auswertung zufolge ist die Zahl der neu eröffneten Tagesgeldkonten im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Stagnierten die Zuwachsraten in den Jahren von 2014 bis 2019 demnach noch deutlich unter einem Prozent pro Jahr, wuchs die Zahl der Tagesgeldkonten 2020 plötzlich um 4 Prozent.

Gleichzeitig sei das Guthaben je Konto im Schnitt um 1,9 Prozent gesunken, während es in den fünf Jahren zuvor noch um 3,9 Prozent gestiegen sei. Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass die Deutschen nun mehr Tagesgeldkonten pro Kopf besitzen, dafür aber mit jeweils geringerem Guthaben.

Fast niemand betreibt Zinshopping

Besonders ausgeprägt sei der Hang zu Mehrfachkonten bei Nutzern von Zinsplattformen, wie sie Raisin selbst betreibt, heißt es in der Analyse weiter. Demnach verteilten diese Sparer ihr Geld im zweiten Quartal 2021 auf knapp drei Konten, während klassische Bankkunden durchschnittlich nur 1,58 Tages- oder Festgeldprodukte besaßen. Allerdings scheint es auch ihnen vor allem um die Flucht vor Negativzinsen zu gehen statt um die Suche nach dem höchsten verfügbaren Zins.

So betrieben im Schnitt nur rund 0,7 Prozent der Kunden aktives "Zinshopping". Der Rest lasse sein Geld auch dann auf dem bestehenden Konto, wenn höher verzinste Angebote erhältlich seien. "Anders als häufig angenommen, werden Zinsmarktplätze nicht in erster Linie von Zinshoppern genutzt", sagt Georgadze. "Seit es unsere Plattform gibt, lag der Anteil der Zinshopper noch nie über zwei Prozent."

Zur Methode:
Die Analyse von Kontoguthaben sowie der Anzahl der Bankkonten basiert auf aggregierten Daten von Europäischer Zentralbank, Bundesbank, Statistischem Bundesamt, Eurostat sowie Barkow Consulting. Die Analyse des Kundenverhaltens auf Einlagenplattformen basiert auf anonymisierten Nutzerdaten von Raisin DS. Hierfür wurde eine Stichprobe von rund 250.000 aktiven Nutzern der von Raisin DS in Deutschland betriebenen Zinsmarktplätze untersucht.

Hohe Rendite winkt vor allem am Aktienmarkt

Wirklich große Sprünge könnte man durch solche Wechsel inzwischen aber ohnehin nicht mehr machen. Selbst wenn man das derzeit beste Angebot nutzt, bringt Tagesgeld in der Spitze nur 0,3 Prozent Zinsen – bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro also 30 Euro im Jahr. Die besten Tages- und Festgeldangebote finden Sie im t-online-Zins-Check – immer aktuell zum Anfang des Monats.

Wer mit seinem Geld hohe Erträge erzielen will, ist beim Tagesgeld also falsch. Stattdessen sollten Sparer darüber nachdenken, einen Teil ihres Vermögens in einen weltweit gestreuten Indexfonds, kurz ETF, zu stecken. Wer etwa in den internationalen Aktienindex MSCI World investiert und seine Anteile mindestens 15 Jahre gehalten hat, durfte sich im Schnitt über 7 Prozent Rendite pro Jahr freuen.

Eine komfortable Möglichkeit, so sein Geld zu investieren, stellen dabei Aktien- oder ETF-Sparpläne dar. Mit unserem Sparplanrechner können Sie im Folgenden berechnen, welche Erträge dabei winken:

Ganz aufs Tagesgeld verzichten, sollten Sparer aber nicht. Denn es ist ein sicherer Aufbewahrungsort für den Notgroschen, also jene Reserve, die jeder unbedingt ansparen sollte, um Geld für Unvorhergesehenes wie größere Reparaturen, Jobverlust oder andere Schicksalsschläge parat zu haben.

Als Faustregel gilt: Mit drei Netto-Monatsgehältern sind Sie auf der sicheren Seite. Lesen Sie hier mehr dazu, für wen sich ein Tagesgeldkonto lohnt.

Verwendete Quellen:

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