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Energie- und Gaskrise: Der letzte Winter mit Wladimir Putins Erpressungen


Sein letzter Winter

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 06.09.2022Lesedauer: 3 Min.
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Russischer Präsident Wladimir Putin: Deutschland und andere europäische Länder suchen nach Alternativen zum russischen Gas.
Russischer Präsident Wladimir Putin: Deutschland und andere europäische Länder suchen nach Alternativen zum russischen Gas. (Quelle: Kremlin Pool via www.imago-images.de)
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Der russische Präsident schickt Europas Wirtschaft in die Rezession und die Weltwirtschaft in die Krise. Es dürfte das letzte Mal sein, dass ihm das gelingt.

Die Woche hat mehr als unerfreulich begonnen. Um mehr als 30 Prozent sprang der Gaspreis am Montag nach oben. Der Dax rutschte ab, eine sich abzeichnende Erholung wird wohl vorübergehender Natur sein.

Denn Deutschland fällt in die Rezession. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Die Macht des russischen Präsidenten ist mit dem Lieferstopp der Pipeline Nord Stream 1 auf dem Höhe-, aber auch am Wendepunkt angekommen. Es ist das letzte Mal, dass er Europa erpressen kann.

Auch wenn in diesen Monaten vieles danach aussieht, als werde es dem russischen Präsidenten gelingen, Europas Wirtschaft diesen Winter in die Knie zu zwingen und die Weltwirtschaft deutlich zu bremsen, kann sich die Sache schnell wieder drehen. Schon im kommenden Jahr wird Putin seine wichtigste Waffe gegen den Westen einbüßen: das Gas. Dafür gibt es ein paar gute Argumente:

Die Wirtschaft fällt weicher als sonst

Erstens: die Rezession. Der Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität erscheint unausweichlich, nicht nur, weil Russland den Energiehahn zugedreht hat. Die Europäische Zentralbank wird in dieser Woche die Zinsen wohl deutlich anheben, um die Inflation zu bremsen.

Die Folgen für die wirtschaftliche Dynamik sind klar: Wenn Kredite teurer werden, wird weniger gebaut, investiert und konsumiert. Die Nachfrage sinkt, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft. Das ist übel, diesmal allerdings nicht ganz so schlimm wie in früheren Jahren.

Denn immer noch gibt es wegen der corona-bedingt unterbrochenen Lieferketten einen Nachfrageüberhang in vielen Branchen, viele Unternehmen sitzen noch auf großen Stapeln unerledigter Aufträge. Selbst wenn einige davon jetzt storniert werden, sollte das Polster erst einmal ausreichen, um die kommenden Monate zu überbrücken.

Die Waffe Gas wird immer stumpfer

Zweitens: der Gaspreis. In einer Rezession fallen in aller Regel die Rohstoffpreise. Der Ölpreis hat bereits jetzt einen so scharfen Rückwärtsgang eingelegt, dass die ölexportierenden Staaten schon die Fördermengen drosseln wollen.

Beim Gas sieht das im Augenblick noch anders aus, aber das wird nicht ewig so bleiben. Je mehr Unternehmen ihre Produktion drosseln, desto geringer wird ihr Energieverbrauch. Wenn die Gasspeicher erst einmal gefüllt sind, wird auch Deutschland nicht mehr zu jedem Preis kaufen müssen.

Je stabiler die Lieferung aus anderen Regionen der Welt wird, je weniger Strom mit Gas produziert werden muss und je disziplinierter Gas gespart wird, desto schneller wird der Gaspreis wieder sinken – und desto stumpfer wird die Waffe Erdgas.

Russland droht, als Kunde für China auszufallen

Drittens: die sinkende Abhängigkeit. In großen Schritten hat Europa in den vergangenen Monaten seine Abhängigkeit von russischem Gas reduziert. Zu einem enormen Preis. Doch der russische Anteil an Deutschlands Gasrechnung ist auf unter zehn Prozent gesunken, wegen der hohen Preise werden die Kapazitäten überall in der Welt hochgefahren. Das wird sich spätestens im kommenden Frühjahr auch bei den Preisen bemerkbar machen.

Viertens: China. Auf China als Unterstützer, Kunden und Lieferanten kann sich der russische Präsident verlassen. Doch die chinesische Regierung steht selbst unter Druck. Die harte Null-Covid-Politik führt das Land an den Rand wirtschaftlicher Stagnation. Die Desintegration des Welthandels belastet den Export – der sein Wachstum fast nur noch der Nachfrage aus Russland verdankt.

Russland aber bezahlt seine Rechnungen zurzeit vor allem mit den Einkünften aus dem Gasexport in den Westen. Fallen diese Einnahmen aus, droht auch der russischen Wirtschaft eine scharfe und langanhaltende Rezession, sie könnte als Kundin für China ausfallen.

Wir können uns vorbereiten

An diesem Szenario haben die beiden Länder das geringste Interesse. Wahrscheinlich ist, dass Russland schon bald Wege suchen wird, sein Gas wieder in den Westen zu verkaufen – wenn auch nicht über Nord Stream 1 nach Deutschland.

Fünftens: Vernünftige Entscheidungen der westlichen Regierungen. Deutschland und Europa können sich darauf vorbereiten. Im Moment versucht die Europäische Kommission, einen Öl- und Gaspreisdeckel zu vereinbaren, der Höchstpreise für den Import aus Russland festlegen würde. Klüger wäre wahrscheinlich ein hoher Zoll auf den möglichen Import russischer Energie.

Klar ist im Moment nur eins. Russland setzt alles auf eine Karte. Es ist längst nicht ausgemacht, dass der russische Präsident sein "All-in" nach Hause bringt. Seine Karten in der nächsten Poker-Runde aber stehen jetzt schon schlecht.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt: Die Kanzlerin. Porträt einer Epoche.

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