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Wie sich die Wirtschaft die Chipkrise einbrockte

Christoph Dernbach, dpa

Aktualisiert am 13.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Mitarbeiter in einer Chipfabrik (Symbolbild): Die Hersteller können die hohe Nachfrage nach Halbleitern kaum bedienen.
Mitarbeiter in einer Chipfabrik (Symbolbild): Die Hersteller können die hohe Nachfrage nach Halbleitern kaum bedienen. (Quelle: IP3Press/imago-images-bilder)
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Der Aufschwung der Wirtschaft hÀtte

Fehlende Mikroprozessoren haben in diesem Jahr nicht nur der Automobilindustrie heftig zugesetzt. Das Beratungsunternehmen Goldman Sachs identifizierte 169 Branchen, die in diesem Jahr unter dem stÀndigen Chipmangel zu leiden hatten.

Darunter sind auch die Hersteller von Smartphones, Computern, WLAN-Routern und medizinischen GerĂ€ten. Und fĂŒr 2022 erwarten Experten noch keine echte Trendwende. Etliche Probleme, die zur globalen Chipkrise maßgeblich beigetragen haben, bestehen nĂ€mlich noch immer.

Um die kĂŒnftige Situation besser einschĂ€tzen zu können, lohnt ein Blick zurĂŒck: Anfang 2020 sah die Welt noch rosig aus. Die Halbleiterindustrie hatte gerade einen langanhaltenden Abschwung ĂŒberwunden und stand kurz vor einem krĂ€ftigen Konjunkturaufschwung.

Chips fĂŒr Smartphones – nicht fĂŒr Autos

Doch dann tauchte Covid-19 auf und insbesondere die Automobilbranche fĂŒrchtete eine schwĂ€chere Nachfrage. TatsĂ€chlich brachen die FahrzeugverkĂ€ufe im FrĂŒhjahr 2020 kurz ein. Fast panikartig stornierten die Chef-EinkĂ€ufer der Automobilkonzerne ihre AuftrĂ€ge an große Chiphersteller wie Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) in Taiwan. Das sollte sich allerdings als folgenschwere FehleinschĂ€tzung erweisen.

  • Aktueller Kurs: Wo steht die TSMC-Aktie gerade?

"Plötzlich stieg die Nachfrage nach Autos nĂ€mlich wieder stark an", sagt Kota Yuzawa, Automobil-Analyst bei Goldman Sachs. Die stornierten FertigungskapazitĂ€ten in der Chipindustrie standen den Autokonzernen aber nicht mehr zur VerfĂŒgung. Sie waren inzwischen lĂ€ngst an die Hersteller von Unterhaltungselektronik weitergereicht worden.

"Wir haben in dieser Zeit von zu Hause gearbeitet, von zu Hause aus Sport gemacht, von zu Hause aus Schule gehabt und uns zu Hause unterhalten", sagt Branchenexpertin Julia Hess von der Berliner Stiftung Neue Verantwortung. Das habe zu einer erhöhten Nachfrage nach Smartphones, Tablets, Laptops und Spielekonsolen gefĂŒhrt. Damit waren die globalen Chip-VorrĂ€te schnell aufgebraucht.

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Trumps Sanktionen verschÀrften das Problem

VerschĂ€rft wurde die Lage durch eine Kette unglĂŒcklicher Ereignisse, die vielleicht nur Klimaaktivisten vorhergesehen hatten. Im Februar 2021 mussten Chiphersteller wie Samsung , NXP und Infineon den Betrieb in Austin, Texas, stoppen. Nach heftigen SchneestĂŒrmen war die Stromversorgung ausgefallen, die Halbleiter-Fabriken, die sogenannten Fabs, konnten nicht mehr kontrolliert runtergefahren werden. Dadurch wurden nicht nur die Produktionsanlagen beschĂ€digt, sondern auch Komponenten der Infrastruktur der Werke.

Auch in Japan kam es zu AusfĂ€llen – hier durch Naturkatastrophen und BrĂ€nde in Chipfabriken. So wurde eine Fertigungsanlage des Chip-Herstellers Renesas Electronics im MĂ€rz 2021 bei einem Großfeuer beschĂ€digt, wodurch sich die Knappheit von Mikrocontrollern verschĂ€rfte.

Als wĂ€re das noch nicht genug, trug auch die große Politik zum globalen Chipmangel bei. Der damalige US-PrĂ€sident Donald Trump hatte sich vorgenommen, den globalen Einfluss von chinesischen Hightech-Konzernen wie Huawei zu begrenzen und verhĂ€ngte unter anderem Sanktionen im Bereich der Chiptechnologie. Daraufhin kauften chinesische Unternehmen im großen Stil noch verfĂŒgbare Chips und Herstellungsanlagen ein.

Branchen kÀmpfen mit unterschiedlichen EngpÀssen

Eine einfache Lösung ist nicht in Sicht, zumal es in verschiedenen betroffenen Branchen unterschiedliche EngpÀsse gibt. Der Automobilindustrie fehlen die Chips, weil die Herstellung der Halbleiter in den Fabs den Bedarf nicht decken kann und sich so als Nadelöhr erweist.

Bei Spielekonsolen wie der Playstation 5 von Sony , die zum WeihnachtsgeschĂ€ft kaum zu haben war, wurde die Knappheit hingegen nicht durch EngpĂ€sse in den Fabs verursacht. Hier fehlte es vor allem an einer speziellen Isolierfolie, die fĂŒr die Produktion von TrĂ€gerplatten fĂŒr die bereits gefertigten Chips benötigt wird.

FĂŒr den Grundstoff der sogenannten ABF-Folie gibt es aber weltweit nur einen Hersteller, den japanischen Konzern Ajinomoto, der einem breiteren Publikum eher als Produzent des GeschmacksverstĂ€rkers Glutamat bekannt ist. Ajinomoto hatte an ABF aber bislang kaum etwas verdient und deshalb wenig Interesse, diesen Bereich aufzustocken.

Ein Mikrochip in Nahaufnahme: Die Hersteller versuchen ihre Produktion auszubauen.
Ein Mikrochip in Nahaufnahme: Die Hersteller versuchen ihre Produktion auszubauen. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)

"FĂŒr die Chiphersteller ist das sehr frustrierend. Der Silizium-Wafer ist belichtet und eigentlich fertig. Und dann fehlt es mit ABF an einem vergleichsweise billigen Material, um den letzten Produktionsschritt zu absolvieren", sagt Jan-Peter Kleinhans, der zusammen mit Julia Hess fĂŒr die Stiftung Neue Verantwortung eine Studie zu den Ursachen der Chipkrise veröffentlicht hat. "Dieses Problem wird auch nicht durch mehr Fabs gelöst."

Fabrikausbau dauert lange

Auf Druck der Kunden baut Ajinomoto nun seine ABF-Produktion aus. Und auch die großen Chiphersteller wie Intel und Infineon schrauben ihre FertigungskapazitĂ€ten in die Höhe, damit die Knappheit im nĂ€chsten Jahr gemildert und im Jahr 2023 komplett ĂŒberwunden wird. Doch selbst mit Milliardeninvestitionen kann man nicht an der Uhr drehen.

"Der Ausbau unserer bestehenden Fabs in Irland dauert zwischen 18 und 24 Monaten", sagt die Deutschland-Chefin von Intel, Christin Eisenschmid. Beim Neubau einer Anlage mĂŒsse man sogar mit vier Jahren rechnen. "So eine Fabrik ist hochkomplex, erfordert ein gewaltiges Investitionsvolumen, damit die neuste AusrĂŒstung angeschafft werden kann."

Staatliche Subventionen fĂŒr Chipproduktion

Aber nicht nur die Beteiligten an der Produktion der Halbleiter erledigen ihre Hausaufgaben, sondern auch die Abnehmer – beispielsweise in der Automobilindustrie: In dem europaweiten Partnernetzwerk Catena-X wollen beispielsweise die wichtigsten Player – von BMW und Bosch ĂŒber Mercedes-Benz bis hin zu Volkswagen – ihre Lieferketten transparenter machen. Damit sollen auch die Chiphersteller besser kalkulieren können, ob nur kurzfristig ein Nachfrage-Strohfeuer lodert oder ob sich ein Ausbau in bestimmten Segmenten langfristig lohnt.

Bei der BewÀltigung der Chipkrise rechnen alle Beteiligten aber auch damit, dass sich der Staat aktiv beteiligt. "Wir sind bereit, ein Investment in Höhe von mehreren Milliarden Euro zu tÀtigen", sagt Intel-Managerin Eisenschmid. "Wir schaffen es aber nicht allein."

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In anderen Regionen der Welt werde die Chip-Herstellung massiv subventioniert. "Das ist auch der Grund, warum sich die die Fertigung von Europa nach Asien und verschoben hat." Aktuell stammten rund 9 Prozent der globalen Halbleiter-Fertigung aus Europa. "Das waren in den 90er-Jahren noch 44 Prozent."

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