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Sorgt Omikron in Deutschland f√ľr leere Supermarktregale?

  • Florian Schmidt
Von Florian Schmidt, Frederike Holewik

Aktualisiert am 27.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Ein Einkaufswagen im Supermarkt: Bleiben Hamsterk√§ufe aus, d√ľrfte es in Deutschland keine Warenengp√§sse geben.
Ein Einkaufswagen im Supermarkt: Bleiben Hamsterk√§ufe aus, d√ľrfte es in Deutschland keine Warenengp√§sse geben. (Quelle: imago-images-bilder)
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In den USA hat die Omikron-Welle den Einzelhandel empfindlich getroffen. Viele Regale blieben leer, weil das Personal krank war. In Deutschland ist die Lage derweil entspannt. Noch.

Das Wichtigste im √úberblick


Die Omikron-Variante breitet sich rasant in Deutschland aus. Auch vor den Mitarbeitern im Einzelhandel und in der Logistik macht das Virus nicht halt. L√§ngst ist klar, dass es in den kommenden Wochen zu krankheitsbedingten Ausf√§llen kommen wird, die sich auch auf die Lieferketten und die Verf√ľgbarkeit von Waren auswirken d√ľrften.

In einzelnen Superm√§rkten zeigt sich das schon jetzt. Mal ist das Nudelregal halb leer, mal fehlt ‚Äď schon wieder ‚Äď der Deutschen liebstes Pandemieprodukt Toilettenpapier.

M√ľssen wir uns darauf einstellen, dass sich die Lage zuspitzt? Sollten Verbraucher schon jetzt gro√üe Vorr√§te anlegen, wozu unl√§ngst der Virologe Alexander Kekul√© im t-online-Interview riet? Und wie bereiten sich H√§ndler und Logistiker auf die Spitze der Omikron-Welle vor? t-online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie groß sind die Krankenstände bei Supermärkten und Drogerien?

Zu dieser Frage halten sich die großen Ketten sehr bedeckt, konkrete Zahlen nennt auf Nachfrage niemand. Wie t-online aus Einzelhandelskreisen erfuhr, sind hohe Krankenstände aktuell jedoch bei fast allen Händlern ein großes Thema. Die Lage sei angespannt und könne sich auch weiter verschärfen. Vor allem bei der Belieferung der Märkte komme es derzeit häufiger zu Verzögerungen und Ausfällen (siehe nächster Abschnitt).

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Offiziell jedoch ist insbesondere den Superm√§rkten daran gelegen, Panik vorzubeugen und Gelassenheit zu verbreiten. Die Lieferketten seien nicht grunds√§tzlich in Gefahr, es gebe einge√ľbte Notfallpl√§ne, alles halb so wild, lautet die Botschaft.

Rewe etwa betont, dass es seit Beginn der Pandemie ein Hygienekonzept gebe. Durch eine enge √úberwachung w√ľrden Probleme in der Logistik schnell erkannt. "Die Warenversorgung ist gesichert, die Lager sind gut gef√ľllt", so ein Sprecher. Personalengp√§sse w√ľrden seit M√§rz 2020 durch Besch√§ftigte aus anderen Bereichen oder anderen M√§rkten aufgefangen.

Von Aldi S√ľd hei√üt es, sie seien wie alle Einzelh√§ndler durch Omikron betroffen. Aber, so ein Sprecher auf t-online-Anfrage: "Die Verf√ľgbarkeit von Lebensmitteln sehen wir als gesichert an. Es existieren Notfallpl√§ne, um auf m√∂gliche Eventualit√§ten reagieren zu k√∂nnen."

Im Nachbarland √Ėsterreich hat die Drogeriekette dm j√ľngst ihren Notfallplan sogar √∂ffentlich gemacht (t-online berichtete). So wurde bekannt, dass manche M√§rkte im schlimmsten Fall sogar schlie√üen m√ľssten.

In Deutschland gibt sich dm dagegen schmallippig. Auf Anfrage hei√üt es von Gesch√§ftsf√ľhrer Christian Harms, dass der Betrieb und die Warenverf√ľgbarkeit sichergestellt sei. "Nicht nur f√ľr die dm-M√§rkte, sondern auch f√ľr unsere Verteilzentren haben wir umfassende Hygienekonzepte, Testangebote und √Ąhnliches erarbeitet", so Harms weiter.

Wie ist die Lage bei den Logistikunternehmen?

Sowohl aus Kreisen des Handels als auch aus der Logistikbranche hei√üt es: Die Lkw-Fahrer sind das Nadel√∂hr der Lieferketten. Ausf√§lle machen sich hier besonders deutlich bemerkbar, weil sie schwer zu ersetzen sind. Das wei√ü auch Martin Bulheller, Sprecher des Bundesverbandes G√ľterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Noch w√ľrden die Lieferketten zwar halten, jedoch gebe es branchenweit "erh√∂hte" Krankenst√§nde: "In einigen Unternehmen liegt dieser f√ľnf bis zehn Prozentpunkte h√∂her als vor der Corona-Pandemie."

Die Folge: Schon jetzt bleiben einzelne Regale leer, kommen manche Produkte nicht in ausreichender Menge an. Als Leiter des Logistikunternehmens BplusZ bei Berlin hat Marc Kampmann daf√ľr eine einfache Erkl√§rung: "Bei uns f√§llt es direkt auf: Wenn einer fehlt, f√§hrt der Lkw nicht."

Er rechnet damit, dass sich die Lage zuspitzen kann. "Wir haben deutlich erhöhte Krankenstände", sagte er t-online. Die Situation sei "sehr dynamisch". "Bis Ende März kann es zu größeren Lieferschwierigkeiten kommen."

Der Verband BGL weist derweil auf weitere Probleme hin. "F√ľr viele Logistikunternehmen ist es aktuell schwer, kostendeckend zu arbeiten, da auf vielen Strecken die R√ľckladung fehlt oder eine Dreiecksroute gefahren werden muss", erkl√§rt Sprecher Martin Bulheller. Hei√üt: Durch weltweite Lieferprobleme, gerade auch in der Industrie, lohnen sich die Fahrten nicht so, wie es vor Corona der Fall war. Das kann dann auch Auswirkungen auf die Lieferung heimischer G√ľter haben, es k√∂nnte zu Verz√∂gerungen kommen.

Kann Omikron f√ľr leere Superm√§rkte sorgen?

Nein, eine Situation, wie sie j√ľngst in den USA zu beobachten war, l√§sst sich f√ľr Deutschland derzeit ausschlie√üen ‚Äď zumindest, wenn es nicht zu Hamsterk√§ufen kommt. Davon jedenfalls ist Eva St√ľber √ľberzeugt. St√ľber arbeitet am K√∂lner Institut f√ľr Handelsforschung (IFH), sie sieht die Lage √§hnlich wie es die Supermarktketten darstellen: "Es wird sicherlich an der einen oder anderen Stelle haken. Grunds√§tzlich aber sind der Handel und die Logistikbranche gut aufgestellt."

Das Liefersystem sei sehr komplex, biete aber auch genug Spielraum zur flexiblen Anpassung. So könnten die Logistiker etwa Lieferungen anderer Waren verschieben, um priorisiert die Supermärkte anzusteuern. "Die Märkte werden also auch dann genug Waren haben, wenn es zu vermehrten Krankheitsausfällen kommt."

Handelsforscherin Eva St√ľber: "Es gilt daher ma√üvoll zu bevorraten."
Handelsforscherin Eva St√ľber: "Es gilt daher ma√üvoll zu bevorraten." (Quelle: IfH)

Gleichwohl m√ľssten Verbraucher in den kommenden Wochen damit rechnen, dass bestimmte Produkte nicht immer in gro√üer St√ľckzahl verf√ľgbar sind ‚Äď oder eine bestimmte Marke fehlt. "Regional und vereinzelt kann es durchaus zu leeren Regalen kommen", so St√ľber. "Doch auch dann gilt: Niemand wird in der Omikron-Welle verhungern. Wom√∂glich sind dann eben statt f√ľnf nur drei Nudelsorten im Angebot. F√ľr einen kurzen Zeitraum reicht das aber auch."

So stellt es auch der Bundesverband des Lebensmittelhandels dar. "Im Allgemeinen blicken wir weiterhin auf eine stabile Versorgungslage mit G√ľtern des t√§glichen Bedarfs", sagt Sprecher Christian B√∂ttcher t-online. Zwar k√∂nne es "punktuell zu Lieferverz√∂gerungen und Lieferausf√§llen" kommen.

"Diese k√∂nnen aber √ľber den aufgestockten Warenbestand und durch Alternativprodukte im Sortiment ausgeglichen werden." Problematisch aber k√∂nnte die Lage werden, wenn es zus√§tzlich zu den Lieferschwierigkeiten auf der Angebotsseite zu Hamsterk√§ufen auf der Nachfrageseite k√§me (siehe n√§chster Abschnitt).

Sollte ich jetzt noch schnell viel einkaufen, ehe alles weg ist?

Nein, denn genau das k√∂nnte am Ende dazu f√ľhren, dass es tats√§chlich zu Warenengp√§ssen kommt. IFH-Expertin St√ľber warnt: "Hamsterk√§ufe sind jetzt die gr√∂√üte Gefahr. Es darf keine Panik auftreten. Erst wenn auf einen Schlag zu viele Menschen ganze Jahresrationen von Konserven oder Toilettenpapier kaufen, kann das System kollabieren."

Umgekehrt hei√üt das: Wenn alle Deutschen gelassen bleiben und weiter einkaufen wie gehabt, geht niemand leer aus. "Es gilt daher ma√üvoll zu bevorraten, vielleicht f√ľr eine Woche mehr einzukaufen, aber nicht gleich f√ľr einen ganzen Monat", so St√ľber. "Dann wird es auch von allem genug geben."

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Wie ließen sich die Probleme vermeiden?

F√ľr Entspannung an der Versorgungsfront k√∂nnten unter anderem gelockerte gesetzliche Regeln sorgen. So dringt etwa der Chef des Handelsverbandes HDE, Stefan Genth, darauf, das Verbot n√§chtlicher Anlieferungen aufzuheben. "F√ľr eine unter Extrembedingungen arbeitende Logistik ist es zudem entscheidend, die Sonntagsarbeits- und -fahrverbote sowie Lenk- und Ruhezeiten zu entsch√§rfen", so Genth.

Die Auslieferung der Waren lie√üe sich so besser √ľber die Woche verteilen, auch w√ľrden so die Kontakte zwischen den Mitarbeitern in den Logistikzentren und Superm√§rkten verringert. Beide Regelungen galten in dieser Form bereits in der ersten Corona-Welle im Fr√ľhjahr 2020 und k√∂nnten von den Landesregierungen leicht wieder eingesetzt werden.

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Abhilfe schaffen k√∂nnte au√üerdem eine einfachere Form der sogenannten Arbeitnehmer√ľberlassung, ebenfalls ein Instrument, das 2020 vielerorts Anwendung fand. Gemeint ist damit, dass Mitarbeiter anderer Branchen kurzfristig im Einzelhandel einspringen k√∂nnen, zum Beispiel, um Regale einzur√§umen. Genth: "Die Politik muss jetzt die passenden Instrumente schaffen, damit im eventuell eintretenden Krisenfall schnell reagiert werden kann."

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