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Pflegeheim: Pflegezuschuss und Eigenanteil – Was die Unterbringung kostet

Pflegezuschuss und Eigenanteil  

Was die Unterbringung in einem Pflegeheim kostet

Von Sabrina Manthey

07.03.2019, 14:44 Uhr
Pflegeheim: Pflegezuschuss und Eigenanteil – Was die Unterbringung kostet. Versorgung einer Pflegebedürftigen: Der Anteil, den Ältere für ihre Pflege aufbringen müssen, unterscheidet sich je nach Bundesland und Pflegeeinrichtung. (Quelle: Getty Images/alvarez)

Versorgung einer Pflegebedürftigen: Der Anteil, den Ältere für ihre Pflege aufbringen müssen, unterscheidet sich je nach Bundesland und Pflegeeinrichtung. (Quelle: alvarez/Getty Images)

Die Kosten für Pflege und Unterbringung in einem Pflegeheim übersteigen die Leistungen der Pflegekasse um ein Vielfaches. Hierfür müssen die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige aufkommen. Wie hoch der Eigenanteil ist und welche Freibeträge und Schonvermögen anzurechnen sind.

Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung übernimmt die Pflegeversicherung nur einen festgelegten Betrag als Zuschuss zu den Pflegekosten. Das bedeutet, die Pflegekassen zahlen je Pflegegrad einen Anteil an den Pflegekosten. Darüber hinausgehende Kosten müssen von den Pflegebedürftigen oder deren Angehörigen getragen werden. Das heißt in der Regel einen eigenen Anteil an den Pflegekosten und die Aufwendungen für die Unterbringung und Verpflegung in einem Pflegeheim.

Ein Pflegeheimplatz in Deutschland kostet in Monat durchschnittlich 3.000 Euro, bei großen regionalen Unterschieden. Anfang 2018 mussten Pflegebedürftige für die Unterbringung in Pflegeheimen im Durchschnitt selbst 1.751 Euro pro Monat zahlen. Im Mai 2017 waren es noch 1.696 Euro, wie Daten der Pflegedatenbank des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen zeigen. Damit sind die Pflegekosten im Bundesdurchschnitt um gut drei Prozent gestiegen. Können die Menschen ihren Eigenanteil nicht aufbringen, muss die Sozialhilfe einspringen. Und: Mittlerweile sind immer mehr Pflegebedürftige auf ergänzende Fürsorgeleistungen angewiesen.

Leistungen der Pflegeversicherung nach Pflegegrad

Gesetzlich oder privat Pflegeversicherte haben Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung. Diese richten sich nach dem Pflegegrad und werden unabhängig vom Vermögensstand gewährt. Je höher der Pflegegrad, desto höher sind die Leistungen der Pflegekasse.

Die Pflegekassen übernehmen die Kosten für den Pflege bis zu einem Betrag in Höhe von:

PflegegradLeistung Pflegekasse
Pflegegrad 1 125 Euro
Pflegegrad 2770 Euro
Pflegegrad 31.262 Euro
Pflegegrad 4 1.775 Euro
Pflegegrad 52.005 Euro

Seniorin mit Pflegerin im Park: Erhöht sich der Pflegegrad, muss der Pflegebedürftige nicht mit einem höheren Eigenanteil an den direkten Pflegekosten rechnen. (Quelle: Getty Images/FredFroese)Seniorin mit Pflegerin im Park: Erhöht sich der Pflegegrad, muss der Pflegebedürftige nicht mit einem höheren Eigenanteil an den direkten Pflegekosten rechnen. (Quelle: FredFroese/Getty Images)

Eigenanteil an den Pflegekosten variiert je nach Bundesland

Die tatsächlichen Pflegekosten sind in der Regel höher als der Zuschuss der Pflegekassen. Den Differenzbetrag müssen die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige selbst tragen – auch Eigenanteil genannt.

Seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II am 1. Januar 2017 gilt für die Pflegegrade 2 bis 5 ein einrichtungseinheitlicher pflegebedingter Eigenanteil. Damit werden die Pflegebedürftigen finanziell nicht schlechter gestellt, wenn sie in einen höheren Pflegegrad wechseln. Nur der Eigenanteil für den Pflegegrad 1 liegt höher. Der Grund: Menschen mit diesem Pflegegrad sollten vorrangig zu Hause bzw. ambulant gepflegt werden.

Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil: Der pflegebedingte Eigenanteil ist innerhalb einer Einrichtung jeweils für die Pflegegrade 2 bis 5 gleich. Zwischen einzelnen Pflegeeinrichtungen kann es hier jedoch große Unterschiede geben.

Der Eigenanteil, den Patienten in einem Pflegeheim allein für die Pflegekosten zahlen müssen, betrug im im Jahr 2017 im Bundesdurchschnitt 581 Euro pro Person (Stand 2017, Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linke). Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten, eine Ausbildungsumlage und Kosten für Zusatzleistungen. Die sich daraus ergebenen Pflegeheimkosten variieren ebenfalls je Einrichtung (siehe unten).

Änderung seit 2017: Der zu zahlende Eigenanteil ist seit Anfang 2017 nicht mehr abhängig vom Pflegegrad.

Über die Höhe der Pflegekosten und den Eigenanteil verhandeln die Pflegekassen mit jedem einzelnen Anbieter im jeweiligen Bundesland. Aus diesem Grund kann es zu großen Unterschieden kommen, wie die folgende Auflistung des durchschnittlichen Eigenanteils an den Pflegekosten zeigt:

  • Thüringen: 225 Euro
  • Schleswig-Holstein: 289 Euro
  • Mecklenburg-Vorpommern: 295 Euro
  • Sachsen-Anhalt: 303 Euro
  • Sachsen: 312 Euro
  • Niedersachsen: 346 Euro
  • Bremen: 473 Euro
  • Brandenburg: 479 Euro
  • Hessen: 587 Euro
  • Hamburg: 600 Euro
  • Rheinland-Pfalz: 663 Euro
  • Bayern: 725 Euro
  • Nordrhein-Westfalen: 758 Euro
  • Baden-Württemberg: 768 Euro
  • Berlin: 856 Euro
  • Saarland: 869 Euro

Der ausgehandelte Eigenanteil gilt für alle Pflegegrade und erhöht sich nicht, wenn ein Patient höher eingruppiert wird. Damit reagierte der Gesetzgeber darauf, dass sich vor dieser Neuregelung bis Ende vergangenen Jahres viele Patienten nicht höher eingruppieren lassen wollten, obwohl es von der Pflegebedürftigkeit her nötig gewesen wäre. Sie befürchteten, einen höheren Eigenanteil zahlen zu müssen.

Einrichtungsabhängiger Anteil an den Pflegeheimkosten

Ein Platz im Pflegeheim kostet im Durchschnitt 1.750 Euro pro Monat. Zum oben aufgeführten Eigenanteil summieren sich somit die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten, eine länderspezifische Ausbildungsumlage und sonstige individuelle Zusatzleistungen. Aufgrund der großen Unterschiede dieser Posten lohnt ein Vergleich verschiedener Pflegeheime und Standorte.

Wichtig: Pflegebedürftige müssen die Kosten für die Unterkunft, Verpflegung und für sogenannte Investitionskosten selbst tragen.

Nach einer Aufstellung des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen (PKV) aus dem Jahr 2017 beträgt der gesamte monatliche Eigenanteil an den Pflegeheimkosten 1.697 Euro. Auch hier zeigen sich erhebliche Unterschiede je Bundesland:

  • Mecklenburg-Vorpommern: 1.104 Euro
  • Sachsen-Anhalt: 1.108 Euro
  • Sachsen: 1.144 Euro
  • Thüringen: 1.242 Euro
  • Brandenburg: 1.368 Euro
  • Niedersachsen: 1.396 Euro
  • Schleswig-Holstein: 1.451 Euro
  • Bremen: 1.663 Euro
  • Hessen: 1.686 Euro
  • Bayern: 1.692 Euro
  • Berlin: 1.749 Euro
  • Hamburg: 1.849 Euro
  • Rheinland-Pfalz: 1.878 Euro
  • Baden-Württemberg: 1.893 Euro
  • Saarland: 2.071 Euro
  • Nordrhein-Westfalen: 2.163 Euro

Pflegewohngeld: Reichen Einkommen und Vermögen des Pflegebedürftigen oder der Angehörigen nicht aus, den Eigenanteil an den Investitionskosten zu decken, kann in einigen Bundesländern Pflegewohngeld beantragt werden. Der Antrag muss jährlich neu gestellt werden. Das Geld fließt an die Einrichtung.

Angehörige umsorgt ältere Frau: Können die Pflegebedürftigen den Eigenanteil an der Pflege und Unterbringung nicht selbst aufbringen, müssen die Angehörigen einspringen. (Quelle: Getty Images/PeopleImages)Angehörige umsorgt ältere Frau: Können die Pflegebedürftigen den Eigenanteil an der Pflege und Unterbringung nicht selbst aufbringen, müssen die Angehörigen einspringen. (Quelle: PeopleImages/Getty Images)

Anspruch auf Schonvermögen des Pflegebedürftigen

Dem Pflegebedürftigen und seinem Ehe- oder Lebenspartner steht ein Schonvermögen in Höhe von jeweils 5.000 Euro zu. Eine angemessene Immobilie, die sich im Besitz des Pflegebedürftigen befindet und vom Ehe- oder Lebenspartner bewohnt wird, zählt ebenfalls zum Schonvermögen (siehe: § 1 - Verordnung zur Durchführung des § 90 Abs. 2 Nr. 9 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch).

Angemessener Selbstbehalt des Angehörigen

Reichen Einkommen und Vermögen des Pflegebedürftigen nicht, um die Pflege- und Heimkosten zu bezahlen, müssen die Angehörigen einstehen. Zuerst der Ehe- und Lebenspartner und dann die Kinder. Dies sollte jedoch zu keiner erheblichen Absenkung des Lebensstandards der Angehörigen führen. Aus diesem Grund wird auch ihnen ein Selbstbehalt beim Einkommen und Vermögen zugestanden. Dieser beläuft sich bei unterhaltspflichtigen Kindern auf 1.800 Euro des bereinigten Nettoeinkommens (siehe: Düsseldorfer Tabelle – Verwandtenunterhalt). Jeder Cent darüber wird zu 50 Prozent für die Pflege- und Heimkosten der Eltern herangezogen. Verheiratete oder verpartnerte Kinder können zusätzlich 1.440 Euro des Partners hinzurechnen, macht insgesamt einen monatlichen Schonbetrag in Höhe von 3.240 Euro. Leben unterhaltspflichtige Kinder im Haushalt, kommen weitere Freibeträge hinzu.

Eine von den unterhaltspflichtigen Kindern selbst bewohnte und angemessene Immobilie muss nicht veräußert werden. Allerdings wird eine ortsübliche Miete als fiktives Einkommen dem monatlichen Einkommen hinzugerechnet. Übrigens: Immobilienbesitzer können Rücklagen für die Sanierung einer selbst genutzten Wohnung oder eines Hauses beim Selbstbehalt anrechnen. Zudem muss auch ein Fonds- oder Sparvermögen der Unterhaltspflichtigen nicht aufgelöst werden. Dies kann als Rücklage für die eigene Altersabsicherung geltend gemacht werden. In der Regel werden beim Schonvermögen fünf Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter gerechnet zuzüglich einer Verzinsung von vier Prozent (siehe: Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 30.08.2006 – XII ZR 98/04).

Da die Berechnung des Schonvermögens unterhaltspflichtiger Kinder von verschiedenen Faktoren abhängt und individuell berechnet werden muss, ist dies nicht selten ein Fall für Auseinandersetzungen vor Gericht. Wenn es nach den Plänen der aktuellen Regierungskoalition geht, sollte dies bald der Vergangenheit angehören. Laut Koalitionsvertrag soll künftig das Einkommen und Vermögen bis pauschal 100.000 Euro geschützt werden.

Ausfüllen von Formularen: Sowohl die Pflegebedürftigen als auch ihre Angehörigen können die Aufwendungen für die Pflege von der Steuer absetzen. Dabei gilt es einiges zu beachten. (Quelle: Getty Images/Halfpoint)Ausfüllen von Formularen: Sowohl die Pflegebedürftigen als auch ihre Angehörigen können die Aufwendungen für die Pflege von der Steuer absetzen. Dabei gilt es einiges zu beachten. (Quelle: Halfpoint/Getty Images)

Pflegeheimkosten steuerlich absetzen

Außergewöhnliche Belastung für Pflegebedürftige

Die Kosten für die krankheitsbedingte Unterbringung in einem Alten- und Pflegeheim können in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Wird jedoch für die Unterbringung der private Haushalt aufgelöst, können die Ausgaben aber nicht in voller Höhe berücksichtigt werden. Das bedeutet: Es können nur die Kosten geltend gemacht werden, die die üblichen Kosten für einen eigenen Haushalt übersteigen. Das Finanzamt zieht dann eine sogenannte Haushaltsersparnis von den Kosten ab, die sich am Grundfreibetrag und somit am Existenzminimum orientiert. Dabei gilt: Sind beide Ehegatten in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden dieser Ehegatten eine Haushaltsersparnis steuerlich anzurechnen (Bundesfinanzhof BFH Az.: VI R 22/16).

Haushaltsnahe Dienstleistung für Kinder

Kinder, die für ihre Eltern Pflege- und Betreuungskosten übernehmen, können diese Aufwendungen in ihrer Einkommensteuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen. Dabei gibt es eine wesentliche Voraussetzung: Der Angehörige muss im Seniorenheim einen eigenen Haushalt führen. Dazu müsse nach Ansicht der Finanzverwaltung auch eine eigene Küche vorliegen. Ob eine Etagenküche in einem Seniorenheim dafür ausreichend ist, wird derzeit vom Bundesfinanzhof geklärt (Bundesfinanzhof, Az.: VI R 19/17).

Verwendete Quellen:
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
  • Verband der  Privaten Krankenversicherungen e. V.
  • Verbraucherzentrale Bundesverband
  • Düsseldorfer Tabelle – OLG Düsseldorf
  • Bundesfinanzhof (BFH)
  • Bundesgerichtshof (BGH)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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