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Gro├če Hoffnungen und viele Forderungen an den Klimagipfel

Von dpa
Aktualisiert am 29.10.2021Lesedauer: 3 Min.
Klimaaktivisten haben den George Square in Glasgow vor der Weltklimakonferenz mit einer Kunstinstallation aus k├╝nstlichen Flammen, Rauch, Bannern und riesigen Feuerl├Âschern "in Brand gesetzt".
Klimaaktivisten haben den George Square in Glasgow vor der Weltklimakonferenz mit einer Kunstinstallation aus k├╝nstlichen Flammen, Rauch, Bannern und riesigen Feuerl├Âschern "in Brand gesetzt". (Quelle: Andrew Milligan/PA Wire/dpa./dpa)
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Glasgow/Berlin/Rom (dpa) - Vor der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow haben am Freitag Politiker, Verb├Ąnde und der Papst die Teilnehmer zu entscheidendem Handeln gegen die Erderw├Ąrmung aufgerufen.

Deutschlands amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel ergreift zum Auftakt der Konferenz am Montag gleich zwei Mal das Wort. Wie die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag mitteilte, wird Merkel zun├Ąchst mittags im Plenum der Staats- und Regierungschefs f├╝r Deutschland sprechen und anschlie├čend beim Event "Action and Solidarity - the Critical Decade" auftreten.

Neben Merkel reden am Montag auch Dutzende weitere Staats- und Regierungschefs. Angek├╝ndigt f├╝r die je dreimin├╝tigen Beitr├Ąge wurden neben den Pr├Ąsidenten der USA und Frankreichs, Joe Biden und Emmanuel Macron, auch die Pr├Ąsidenten der T├╝rkei, Spaniens, ├ägyptens und Indonesiens sowie die Spitzen der EU, Charles Michel und Ursula von der Leyen. Dazu kommen unter anderem die Regierungschefs von Kanada, Italien, Australien, Indien und Pakistan.

In Paris hatte sich die Staatengemeinschaft vor sechs Jahren darauf geeinigt, die Erderw├Ąrmung m├Âglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. In Glasgow geht es nun darum, dieses Ziel im Rahmen des physikalisch M├Âglichen zu halten und um die konkrete Umsetzung zu ringen. Bislang reichen die ausgegebenen Pl├Ąne der Staaten bei weitem nicht aus.

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Russlands Pr├Ąsident Wladimir Putin betonte die Relevanz gemeinsamen Handels gegen den Klimawandel. Die Erf├╝llung der Klimaziele h├Ąnge davon in gro├čem Ma├če ab, sagte Putin laut Kreml-Mitteilung am Freitag bei einem Treffen mit Finnlands Staatsoberhaupt Sauli Niinist├ in Moskau.

Papst Franziskus, der wie Putin nicht nach Schottland reist, forderte von den Entscheidern effektive Antworten auf die Umweltkrise. Der Klimawandel und die Covid-19-Pandemie h├Ątten eine tiefe Verletzbarkeit und zahlreiche Zweifel an den Wirtschaftssystemen und der Gesellschaft enth├╝llt, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche im Radiosender BBC. "Jede Krise verlangt nach einer Vision, Planungsf├Ąhigkeit und Schnelligkeit in der Umsetzung." In der Krise stecke die Chance f├╝r Ver├Ąnderung, aber auch die Herausforderung, nicht einfache radikale Entscheidungen zu treffen.

"Die Staaten weltweit, insbesondere aber die Staaten der G20 und der G7, m├╝ssen dringend ihre Klimaschutzambitionen steigern", schrieb auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg B├Ątzing. Die Erderw├Ąrmung m├╝sse auf 1,5 Grad begrenzt werden. "Gerade Deutschland hat als Industrieland und aufgrund seiner historischen Emissionen eine besondere Verantwortung und Verpflichtung f├╝r das Weltklima, aber auch f├╝r die finanzielle Unterst├╝tzung ├Ąrmerer L├Ąnder", mahnte B├Ątzing.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg kritisierte die ungleiche Vertretung reicher und ├Ąrmerer Staaten bei der Klimakonferenz. "Es ist nicht fair, wenn zum Beispiel ein Land noch und noch Delegierte schickt und ein anderes sehr unterrepr├Ąsentiert ist", sagte die 18-J├Ąhrige in einem vorab ver├Âffentlichten Ausschnitt eines BBC-Interviews. "Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht." Die Verhandlungen seien zum Scheitern verurteilt, solange die historische Verantwortung der reicheren L├Ąndern f├╝r die Klimakrise ignoriert w├╝rde und die am st├Ąrksten betroffenen Staaten weniger geh├Ârt w├╝rden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte eine Einigung der Weltgemeinschaft auf ein Ende aller neuen fossilen Projekte. "Paris war die Verlobungsparty, aber jetzt sind wir auf der Hochzeit und warten gespannt darauf, ob die wichtigen Player bereit sind, "Ja, ich will" zu sagen", sagte die Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan.

Greenpeace fordert zudem eine Garantie reicher L├Ąnder, mindestens 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr f├╝r weniger entwickelte Staaten zur Verf├╝gung zu stellen, um die Energiewende und Anpassung zu schaffen. Vor wenigen Tagen war bereits bekannt geworden, dass dieses im Pariser Klimaabkommen bekr├Ąftigte Ziel erst 2023, drei Jahre sp├Ąter als urspr├╝nglich geplant, erreicht wird.

Greenpeace und andere fordern au├čerdem, weitere Gelder f├╝r besonders von der Klimakrise betroffene Staaten zur Verf├╝gung zu stellen. Das Climate Action Network weltweiter Klimaschutzorganisationen forderte in einem offenen Brief in dieser Woche, sich in Glasgow auf Regeln zu einigen, um die daf├╝r notwendigen Summen zu ermitteln und zu sichern. F├╝r 2030 erwartet das Netzwerk Sch├Ąden von bis zu 580 Milliarden US-Dollar (rund 496 Mrd. Euro) allein in Entwicklungsl├Ąndern.

Unicef fordert bei den notwendigen Investitionen ein besonderes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche. "Die Vereinbarungen der Klimakonferenz entscheiden ├╝ber das Leben und die Zukunft von Millionen Kindern und zuk├╝nftigen Generationen", sagte Christian Schneider, Gesch├Ąftsf├╝hrer von Unicef Deutschland. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks sind bereits heute eine Milliarde Kinder wegen der Auswirkungen des Klimawandels extrem stark gef├Ąhrdet.

Auch die Naturschutzorganisationen WWF und Nabu sehen die deutschen Vertreter in der Verantwortung. "Ein ambitioniertes Klimaschutz-Sofortprogramm der kommenden Ampelkoalition w├Ąre ein wichtiges Aufbruchssignal an die Staatengemeinschaft", sagte Nabu-Pr├Ąsident J├Ârg-Andreas Kr├╝ger.

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