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Wo der nÀchste Corona-Lockdown droht

  • David Ruch
  • Saskia Leidinger
Von David Ruch, Saskia Leidinger

Aktualisiert am 23.10.2020Lesedauer: 7 Min.
Berchtesgaden am Dienstagnachmittag: Polizisten kontrollieren die am Vortag erlassenen AusgangsbeschrÀnkungen.
Berchtesgaden am Dienstagnachmittag: Polizisten kontrollieren die am Vortag erlassenen AusgangsbeschrÀnkungen. (Quelle: Leonhard Foeger/Reuters-bilder)
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Die Infektionszahlen in Deutschland steigen weiter an. Einige Landkreise ĂŒberschreiten dabei kritische Werte und die BĂŒrger fragen sich, wo der nĂ€chste Lockdown bevorsteht. t-online gibt einen einen Überblick ĂŒber die Lage.

Bayern hatte am Montag die Reißleine gezogen. Wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen wurde fĂŒr den Landkreis Berchtesgadener Land ein Lockdown verhĂ€ngt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Doch das Berchtesgadener Land im SĂŒdosten Bayern ist bei weitem nicht der einzige Landkreis in Deutschland, der auf der Übersichtskarte dunkelrot ins Auge fĂ€llt. Mehrere Dutzend Regionen in Deutschland weisen 7-Tage-Werte von ĂŒber 75 auf.

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Fahren Sie mit dem Mauszeiger ĂŒber einen Landkreis, um zu erfahren, wie viele Neuinfektionen es in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gab. Die Daten stammen vom Robert Koch-Institut und werden tĂ€glich aktualisiert. Bitte beachten: Landkreise und gleichnamige KreisstĂ€dte werden gesondert ausgewiesen. Um beispielsweise den Wert fĂŒr die Stadt Rosenheim im Landkreis Rosenheim zu sehen, mĂŒssen Sie gegebenenfalls in die Karte hineinzoomen.

Was sind die grĂ¶ĂŸten Hotspots in den am stĂ€rksten betroffen BundeslĂ€ndern und was sagen die MinisterprĂ€sidenten zur aktuellen Lage. t-online gibt Ihnen einen Überblick. (Stand 22.10., 0 Uhr)

Bayern

Alarmierend ist in Bayern auch die Lage in Weiden in der Oberpfalz , wo die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei rund 121 liegt. Es folgen mit 120 Augsburg, mit etwa 115 Schweinfurt Stadt und Neustadt an der Waldnaab mit annĂ€hernd 105. Verbessert hat sich die Lage in Rottal-Inn. Lag die 7-Tage-Inzidenz am Dienstag noch bei 134 ist sie wieder unter die 100er-Marke gerutscht – auf etwa 89. Auch in MĂŒhldorf am Inn hat sich die Lage leicht verbessert, auf jetzt 96.

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Markus Söder verkĂŒndete am Mittwoch eine neue Warnstufe. Regionen mit ĂŒber einer 7-Tage-Inzidenz ĂŒber 100 werden als "dunkelrot" gefĂŒhrt. Veranstaltungen aller Art dĂŒrfen dort nur noch mit 50 Personen stattfinden. "Der Lockdown ist nicht gewollt – aber er kann die Ultima Ratio sein", sagte Söder mit Blick auf den Landkreis Berchtesgadener Land. Wie Menschen die Situation vor Ort erleben lesen Sie hier.

Bayerns MinisterprÀsident Markus Söder (CSU): Will ein bundesweit einheitliches Vorgehen in der Corona-Pandemie.
Bayerns MinisterprÀsident Markus Söder (CSU): Will ein bundesweit einheitliches Vorgehen in der Corona-Pandemie. (Quelle: Peter Kneffel/dpa-bilder)

Bayern hat bereits eine der bundesweit schĂ€rfsten Infektionsschutzverordnungen. Ab dem Überschreiten kritischer Infektionswerte gilt unter anderem eine erweiterte Maskenpflicht – auch auf stark besuchten öffentlichen PlĂ€tzen, am Arbeitsplatz und in Schulen, GaststĂ€tten mĂŒssen dann frĂŒher schließen, im Freien wie im Privaten gelten KontaktbeschrĂ€nkungen. MinisterprĂ€sident Söder hatte zuletzt darauf gedrĂ€ngt, die Maßnahmen bundesweit zu vereinheitlichen. Um massive EinschrĂ€nkungen wie im FrĂŒhjahr zu vermeiden, mĂŒsse man nun "ernsthaft gemeinschaftliche Maßnahmen ergreifen". "Entweder schaffen wir es, in den nĂ€chsten vier Wochen wieder die Zahlen unter Kontrolle zu bekommen – oder es wird sehr schwierig."

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Sehr gut möglich

Baden-WĂŒrttemberg

So viele Landkreise mit einer 7-Tage-Inzidenz ĂŒber 100 wie Bayern hat das benachbarte Baden-WĂŒrttemberg bislang noch nicht. Am auffĂ€lligsten ist derzeit Heilbronn. Dort stiegen die Zahlen von 104 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen am Dienstag auf 123. Knapp an der 100er-Marke liegt jetzt der Alb-Donau-Kreis mit 96, gefolgt vom Landkreis Esslingen mit 83.

Weil die 7-Tage-Inzidenz zuletzt landesweit den Wert von 50 ĂŒberschritten hatte, rief die Landesregierung die höchste Corona-Alarmstufe aus. Seit Montag gelten im SĂŒdwesten eine verschĂ€rfte Maskenpflicht in der Öffentlichkeit und zusĂ€tzliche KontaktbeschrĂ€nkungen.

Baden-WĂŒrttemberg nĂ€hert sich damit einem Lockdown an. Die BĂŒrger mĂŒssten nun diszipliniert sein, sonst werde man auf einen Lockdown zurĂŒckgreifen mĂŒssen mit enormen KollateralschĂ€den, warnte MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. Man habe nicht mehr viele Dinge im Köcher bis zu dieser großen Maßnahme, sagte er mit Blick auf BeschrĂ€nkungen.

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Nicht ausgeschlossen

Hessen

In Hessen sind sind vor allem in Frankfurt die Zahlen stark angestiegen. Von 122 am Dienstag auf 143 am Donnerstag. Offenbach verzeichnet etwa 127 Neuinfektion auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Der Landkreis Groß-Gerau hat die 100er-Marke ĂŒberschritten und liegt derzeit bei 110. In Kassel verbesserte sich die Lage von 108 auf 70.

Die Landesregierung in Wiesbaden verschĂ€rfte erst am Montag ihre Corona-Regeln vor allem fĂŒr Feiern und Treffen. Ab einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 35 werden öffentliche Veranstaltungen auf maximal 150 Teilnehmer begrenzt, private Feiern in angemieteten oder öffentlichen RĂ€umen auf höchstens 25. FĂŒr Feiern in privaten RĂ€umen werden maximal 15 Teilnehmer empfohlen.

Steigen die Infektionszahlen weiter, sollen hĂ€rtere EinschrĂ€nkungen gelten. Private Treffen in der Öffentlichkeit sollen ab einem 7-Tage-Wert von 75 auf maximal fĂŒnf Menschen oder Angehörige von zwei HausstĂ€nden begrenzt werden. Gleichsam gilt auch in Hessen die PrĂ€misse, lokal auf steigende Corona-Zahlen zu reagieren. "Wir können nur reagieren durch lokale Shutdowns, insofern sind die auch angemessen", sagte MinisterprĂ€sident Volker Bouffier am Mittwoch der "Funke Mediengruppe".

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Nicht ausgeschlossen

Nordrhein-Westfalen

Im Umgang mit Hotspots kennt man sich aus in NRW. Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies war das öffentliche Leben in den Landkreisen GĂŒtersloh und Warendorf weitgehend runtergefahren worden. Die Stadt Hamm schrĂ€nkte jĂŒngst private Feiern nach einer Großhochzeit mit Dutzenden Infizierten stark ein. Derzeit sind im Westen besonders auffĂ€llig: Herne mit einer 7-Tage-Inzidenz von knapp 153, Solingen stieg von 109 auf 155, die Stadt Gelsenkirchen mit fast 124, der Landkreis DĂŒren mit rund 117 und Köln mit 112.

Mit Sorge blickt man in die benachbarten Niederlande, wo wegen der stark steigenden Infektionszahlen zuletzt ein teilweiser Lockdown verhĂ€ngt worden war, der vor allem die Gastronomie betrifft. Ein Szenario, in dem auch Kitas und Schulen geschlossen werden mĂŒssten, will MinisterprĂ€sident Laschet "mit aller Kraft" verhindern. DafĂŒr sei aber die Reduzierung der Kontakte "das Allerwichtigste", sagte er am Freitag. GemĂ€ĂŸ den BeschlĂŒssen von Bund und LĂ€ndern in der vergangenen Woche setzte die Regierung in DĂŒsseldorf eine verschĂ€rfte Maskenpflicht sowie Obergrenzen fĂŒr Veranstaltungen und private Feiern außerhalb der eigenen Wohnung fest, sollten kritische Infektionswerte ĂŒberschritten werden.

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Nicht ausgeschlossen

Niedersachsen

Noch am Dienstag registrierte das Robert Koch-Institut fĂŒr Delmenhorst einen 7-Tage-Wert von ĂŒber 210. Am Donnerstag sank die Zahl auf 125. Die meisten Neuinfektionen in Niedersachsen verzeichnet der Landkreis Vechta mit einer 7-Tage-Inzidenz von etwa 139. In den Landkreisen Cloppenburg und Northeim liegt der Wert bei rund 100.

Ein Lockdown in Delmenhorst dĂŒrfte damit zunĂ€chst abgewendet sein. Vom Vorschlag des RKI, in Corona-Hotspots nicht nur das öffentliche Leben einzuschrĂ€nken, sondern das betroffene Gebiet regelrecht abzuriegeln, distanzierte sich MinisterprĂ€sident Stephan Weil ausdrĂŒcklich. "Davon halte ich nichts", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Wir sind nicht in China und haben es auch bis jetzt im Rahmen unseres offenen Systems geschafft, die Pandemie in Grenzen zu halten."

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Niedersachsens MinisterprÀsident Weil (SPD): Will Hotspots auf keinen Fall abriegeln.
Niedersachsens MinisterprÀsident Weil (SPD): Will Hotspots auf keinen Fall abriegeln. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa-bilder)

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Eher unwahrscheinlich

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz ĂŒberschreiten derzeit drei Landkreise dreistellige 7-Tage-Werte: In Birkenfeld stiegen die Zahlen von 110 auf 146, der Eifelkreis Bitburg-PrĂŒm, der im Westen an die zu Risikogebieten erklĂ€rten LĂ€nder Luxemburg und Belgien grenzt, vermeldet einen Wert von rund 138. Auch der Landkreis Altenkirchen hat die 100er-Marke knapp erreicht.

MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer (SPD) blickt mit Sorgen auf die Infektionsentwicklung. Wenn es nicht gelinge, Infektionsketten zu unterbrechen, könne man das Virus nicht mehr aufhalten, sagte sie in der vergangenen Woche. "Keiner von uns will einen zweiten Lockdown. Deswegen mĂŒssen wir jetzt entschieden gegensteuern. Wir können das gemeinsam schaffen, auch ohne Lockdown, wenn alle mitmachen", sagte Dreyer.

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Eher unwahrscheinlich

Saarland

Im Saarland musste zuletzt der Landkreis St. Wendel auf einen starken Anstieg der Corona-FĂ€lle reagieren (7-Tage Inzidenz: 124). Die Behörden erließen KontaktbeschrĂ€nkungen und setzten die Teilnehmergrenze fĂŒr private Feiern auf zehn herab. Ein Mund-Nasen-Schutz muss nun auch im Freien an besonders belebten Orten getragen werden. Alkoholausschank ist ab 23 Uhr verboten.

MinisterprĂ€sident Tobias Hans rief die BĂŒrger in seinem Bundesland auf, jetzt mitzuziehen. "Es braucht ein Zusammenreißen, es braucht einen Abstand, es braucht mehr Hinwendung zu Hygienemaßnahmen und es braucht leider auch dort, wo Hotspots eingetreten sind, eine Reduzierung von persönlichen Kontakten." Anderenfalls drohten KontaktbeschrĂ€nkungen, wie es sie bereits im MĂ€rz und April gegeben habe.

"Wir werden alles daran setzen, das zu vermeiden", sagte Hans. Mit Blick auf die ans Saarland angrenzenden LĂ€nder erklĂ€rte Hans zusammen mit Malu Dreyer und Winfried Kretschmann: "Wir sind uns einig, dass an keiner dieser Außengrenzen das tĂ€gliche Leben, Arbeiten und Studieren durch einen kompletten Lockdown lahmgelegt werden kann." Deshalb dĂŒrfe es "keine EinschrĂ€nkungen im Grenzverkehr geben."

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Eher unwahrscheinlich

Sachsen

In Sachsen bereitet den Behörden vor allem die Entwicklung im Erzgebirgskreis Sorgen, wo die 7-Tage-Inzidenz auf jetzt 132 weiter ansteigt. Regierungschef Kretschmer sieht den Freistaat jedoch mit den beschlossenen Maßnahmen und einem neuen Stufenplan gut aufgestellt. Mit steigenden Infektionszahlen ist in den jeweiligen Regionen dann unter anderem eine Sperrstunde in der Gastronomie sowie eine Begrenzung bei Familienfeiern geplant.

Sachsens MinisterprÀsident Michael Kretschmer (CDU): Keinen zweiten "Lockdown" riskieren.
Sachsens MinisterprÀsident Michael Kretschmer (CDU): Keinen zweiten "Lockdown" riskieren. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-bilder)
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Man sei ungefĂ€hr wieder auf dem Niveau von April, was die Zahl der Corona-Infektionen angehe, sagte Kretschmer in einer Online-Diskussion mit BĂŒrgern. Zwar gebe es bei den meisten Erkrankungen leichte VerlĂ€ufe, aber auch die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen steige. "Wir mĂŒssen heute handeln, damit die Entwicklung abgebremst werden kann." Kretschmer betonte zugleich, einen zweiten "Lockdown" werde man nicht riskieren.

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Eher unwahrscheinlich

Berlin

Vor wenigen Tagen wurde der Berliner Bezirk Neukölln bundesweit zum Sinnbild fĂŒr ein entgleitendes Infektionsgeschehen, als dort die 7-Tage-Inzidenz auf einen Wert von ĂŒber 170 kletterte. Auch andere Stadtbezirke meldeten alarmierende Zahlen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) machte der Senatsverwaltung schwere VorwĂŒrfe, sie wĂŒrden die Einhaltung der geltenden Regeln kaum kontrollieren.

Inzwischen hat sich die Lage noch weiter verschĂ€rft, in Neukölln liegt die 7-Tage-Inzidenz bei fast 218. Im Bezirk Mitte sind es kritische 171, in Friedrichshain-Kreuzberg 139, in Tempelhof-Schöneberg 140. FĂŒr die Hauptstadt insgesamt liegt der Wert bei rund 104. Von lokalen Lockdowns, wie sie zwischenzeitlich diskutiert wurden, hĂ€lt man in den betroffenen Bezirken allerdings nichts. Die BezirksbĂŒrgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (GrĂŒne), sagte dem "Tagesspiegel": "Wenn wir hier alles dicht machen, gehen die Menschen doch einfach ĂŒber die Straße in den Nachbarbezirk."

Am Dienstag verstĂ€ndigte sich der Berliner Senat auf eine Masken-Empfehlung fĂŒr belebte öffentliche RĂ€ume. Derweil ĂŒberraschte Pankows BezirksbĂŒrgermeister Sören Benn (Linke) mit einem sehr weitgehenden Vorschlag: einem zeitlich befristeten Lockdown nicht nur fĂŒr Berlin oder einzelne Bezirke, sondern fĂŒr das ganze Bundesgebiet.

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"Zwei Wochen geordneter und gezielter Lockdown im November deutschlandweit wĂŒrde möglicherweise mehr helfen und weniger schaden, als diese SchĂŒsse mit immer mehr Steinschleudern in den dichter werdenden lnfektionsnebel", schrieb Benn bei Twitter.

Wahrscheinlichkeit fĂŒr einzelne Lockdowns: Sehr unwahrscheinlich

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