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So alternativlos wie Maggi

Von Christof Paulus

Aktualisiert am 27.03.2022Lesedauer: 3 Min.
Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) erwartet am Sonntag eine enge Wahl.
Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) erwartet am Sonntag eine enge Wahl. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Einmal wäre aus dem Saarland fast ein politisches Schwergewicht geworden. Doch nun ist alles wieder wie vorher. Über ein Bundesland, in dem ganz eigene Gesetzmäßigkeiten herrschen.

Dieser Text ist mit einer Handbremse geschrieben, die so festgezogen ist, dass es das Gewicht aller Saarländer bräuchte, um sie wieder nach unten zu drücken. Denn obwohl, oder gerade weil, sich an 1.800 von 1.826 Tagen kaum jemand für das Saarland interessiert, lieben die Saarländerinnen und Saarländer ihre Heimat so sehr, dass sie unendlich viel darüber zu berichten haben. Der Autor dieser Zeilen auch. Aber er wird Einhalt finden, das verspricht er.

Jene 1.826 Tage, das ist grob die Spanne zwischen zwei Landtagswahlen. Währenddessen ist das Land irgendwo zwischen Paris und Rhein meistens einfach da. Hingeschaut wird, wenn der FC Saarbrücken aufsteigt – oder ab –, Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) im Shitstorm steht oder in Kalifornien ein Waldbrand wütet, "so groß wie das Saarland".

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In den vergangenen 1.826 Tagen wurde das Saarland sogar fast zum politischen Schwergewicht – und ging den Weg dann wieder zurück.

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Landtagswahl im Saarland bietet Kurioses

Deshalb kann man diese Wahl verfolgen wie einen typischen Film mit Heiner Lauterbach, Bully Herbig oder Elyas M'Barek. Wählen Sie nach Ihrem Geschmack: Ein bisschen spannend ist es schon. Aber eigentlich kennt man das Ende vorher – hier: Die SPD gewinnt wahrscheinlich.

Und es geht schon um etwas, die Zukunft des Saarlands. Aber andererseits: Das Stadtoberhaupt von Köln regiert mehr Menschen als das Saarbrücker Kabinett. Was soll schon Weltbewegendes passieren? Französisch als neue Amtssprache? Trotzdem sehen alle zu. Zumindest die Saarländer. Wer nicht will oder muss, ignoriert die Wahl. Nur vergangenes Mal, da ging wirklich kein Weg am Saarland vorbei.

Vor 1.826 Tagen stand nach der Landtags- noch die Bundestagswahl an. Mit seinem berühmten imaginären Zug jagte SPD-Herausforderer Martin Schulz damals Kanzlerin Angela Merkel und sah schon ein bisschen wie ihr Nachfolger aus. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität wählte das Saarland. Ministerpräsidentin AKK hatte in den Umfragen zu kämpfen – und gewann am Ende doch mit zehn Prozentpunkten Vorsprung. Und irgendwie entgleiste etwa zeitgleich auch der Schulz-Zug, Merkel blieb Kanzlerin.

Drei Minister aus dem Saarland in Berlin

Es war ein Weckruf: Wird im Saarland etwa doch die große Politik gemacht? Irgendjemand musste das wohl geglaubt haben. AKK, Heiko Maas, Peter Altmaier: Im nächsten Bundeskabinett saßen drei Saarländer. Ihr Erfolg machte AKK sogar zur Topfavoritin auf die Merkel-Nachfolge. Ihr Schicksal glich dann dem von Schulz. Heute regieren in Berlin wieder null Saarländer.

Und seien wir mal ehrlich: Das passt zum Saarland. So wie diese ganze Wahl. Natürlich ist hier alles kleiner als im Rest des Landes, viel kleiner, und damit auch anders. Lange und oft hat das Saarland nicht zu Deutschland gehört. Nach beiden Weltkriegen abgetrennt, spielte das Saarland in der WM-Qualifikation 1954 gegen statt für Deutschland.

Und wie, wenn nicht mit ganz eigenem Saarländertum, erklären sich so viele Skurrilitäten rund um die Wahl?

Etwa: SPD-Frau Anke Rehlinger hat 2017 die Wahl verloren. Jetzt darf sie halt wieder antreten. So wie Heiko Maas vor ihr, der dreimal verlieren durfte. Im zweiten Anlauf gewinnt Rehlinger wahrscheinlich sogar. So viele andere Kandidaten gibt es eben nicht.

Das haben auch Grüne und AfD merken müssen. Die einen stellten zur Bundestagswahl, die anderen jetzt zur Landtagswahl keine Liste auf. Zerstritten haben sie sich, wie zwei Lager im Dorfverein, die sich schon seit der Kirmes 1978 nicht mehr leiden können.

Alte Strukturen im Saarland

Und so dominieren im Saarland, wie in West-Deutschland vor der Wende, die beiden Volksparteien. Ganz vielleicht holt die SPD sogar die absolute Mehrheit, die CDU hatte diese in diesem Jahrhundert bereits, einmal sogar in einem Zwei-Parteien-Parlament.

Saarländische Hochrechnungen sehen aus wie in den Siebzigern – zumindest wenn Oskar Lafontaine nicht bei den Linken ist. SPD und CDU sind als einzige groß genug, einen normalen Wahlkampf zu organisieren, und damit im Saarland fast so alternativlos wie Maggi – als Gewürz auf wirklich fast jeder Speise.

Vielleicht steht dahinter auch der Wunsch nach der Zeit, als Kohle, Stahl und das Land vom Erfolg dampften. Heute ziehen junge Leute weg, Perspektiven haben viele kaum. Und wollen doch in Scharen später heimkommen, spätestens zur Rente.

Wieso, fragen Sie sich jetzt vielleicht? Vielleicht ist das Saarland wie Kuba: arm, aber glücklich. Am besten selbst überzeugen, nur aufpassen: Kurz zu spät gebremst, schon ist man in Frankreich.

Für die Leute im "Reich" – so nennen die Saarländer den Rest Deutschlands – ist das Saarland meist höchstens eine Randnotiz. Wahrscheinlich selbst am Sonntag. Und wahrscheinlich wird das Wahlergebnis trotzdem irritieren. Aber haben Sie mal einen Saarländer sprechen hören? Das ist nun mal irritierend.

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