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"Hart aber fair"-Kritik: Frank Plasberg setzt auf Schulz statt Trump

Ein (fast) Trump-freier Talk  

Plasberg über den Chuck Norris der deutschen Politik

21.02.2017, 11:18 Uhr | Von Marc Merten, t-online.de

"Hart aber fair"-Kritik: Frank Plasberg setzt auf Schulz statt Trump. Die Montagabendrunde der ARD-Talkshow "hart aber fair", die aus Köln gesendet wird. (Quelle: dpa/Dirk Borm/WDR)

Die Montagabendrunde der ARD-Talkshow "hart aber fair", die aus Köln gesendet wird. (Quelle: Dirk Borm/WDR/dpa)

Donald Trump bewegt die Weltöffentlichkeit, Martin Schulz bewegt Deutschland - und am Montagabend auch die Talk-Runde bei Frank Plasberg. Ist er der Chuck Norris der deutschen Politik?

Die Gäste

  • Hannelore Kraft, NRW-Ministerpräsidentin (SPD)
  • Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender
  • Herbert Reul, CDU
  • Hajo Schumacher, Journalist und Moderator
  • Prof. Christoph Butterwegge, Linke-Kandidat als Bundespräsident

Das Thema

Gibt es einen deutscheren Namen als Schulz? Und gibt es einen besseren Kanzler, wenn dieser diesen Namen trägt? Schließlich war ein Schulze oder Schultheiß im Mittelalter eine Art Gemeindevorstand. Daher der Name.

Wie passend, mag sich die SPD denken. Aber denken das auch die Deutschen, die Schulz im Herbst zum neuen Kanzler und die SPD zur stärksten Kraft wählen sollen? Eines ist nach den ersten Wochen seiner Kandidatur klar: Er bewegt die Massen. Noch offen ist, ob er dies auch mit seinen Themen tun wird. Wofür er genau steht, das wird womöglich erst im Frühsommer klar sein. Am Montag brach Schulz immerhin schon mit der Agenda 2010: Fehler seien dazu da, korrigiert zu werden, so Schulz. Eine gute Grundlage für den Plasberg-Talk am Abend.

Moderatoren-Moment

Eines vorweg: Als der Journalist Hajo Schumacher versuchte, den omnipräsenten Präsidenten der USA ins Spiel zu bringen, schob Frank Plasberg diesem Spiel sofort einen Riegel vor: "Martin Schulz hat Glück mit Trump, weil seitdem Europa eine ganz neue Aufgabe hat", befand Schumacher. Doch Plasberg erklärte: "Wir versuchen eine Trump-freie Sendung hinzubekommen." Dies gelang tatsächlich, das T-Wort fiel nur noch wenige Male in Nebensätzen. Grundsätzlich angenehm und eine Empfehlung für Polittalks in der Zukunft.

Die Fronten

Generell war schnell klar, in welche Richtung die Diskussion laufen würde. Zunächst kam Überraschendes. Nicht dass Hannelore Kraft ihren Kanzlerkandidaten als Chance für Europa pries. Auch nicht dass Christoph Butterwegge deutlich machte, wie nahe sich die SPD und die Linke durch Schulz als "Projektionsfläche für viele Hoffnungen" gekommen seien.

Überraschend war, was Christian Lindner sagte: Der Erfolg der SPD sei ihr zu gönnen, so der FDP-Chef, wenngleich er diese moderaten Töne eher damit verband, dass die Sozialdemokraten der AfD wieder Stimmen wegnähmen. Doch Lindner zeigte sich angetan vom Ruck, der durch die SPD geht.

Ob sich da ein möglicher Koalitionspartner ins Gespräch bringen wollte? Lindner erklärte zwar, dass offen sei, wie Schulz' Europa aussehen solle. Doch selbst in den späteren Diskussionen um die Agenda 2010 und Steuerpolitik schien die FDP gar nicht mehr so weit von der SPD entfernt.

Ein Wunder wird es dagegen brauchen, damit sich Schulz und Herbert Reul noch mal verstehen. Der Vorsitzende von CDU und CSU im Europäischen Parlament warf dem ehemaligen Parlamentspräsidenten Günstlingswirtschaft und Machtmissbrauch vor. Ein eigens angefertigtes Dossier würde dies beweisen. Es wurde zum Aufreger des Abends.

Aufreger des Abends

Die Vorwürfe sind nicht neu, sie kamen unlängst an die Öffentlichkeit: Hat Schulz gezielt nahestehende Parteifreunde befördert? Haben seine Vertrauten falsch abgerechnet? Oder ist alles korrekt abgelaufen, wie ein Parlamentssprecher erklärte? Reul redete sich in Rage, war kaum zu bremsen, will da etwas aufgeklärt wissen.

Allein, seine Mitdiskutanten hatten dafür nur bedingt die Nerven. Butterwegge warf Reul eine Doppelmoral vor, denn wenn es einen solchen Missbrauch von Privilegien gäbe, müsse etwas verändert werden. "Aber ich sehe nicht, wann Ihre eigene Fraktion versucht hätte diese abzuschaffen. Das macht Sie nicht glaubwürdiger."

Und Lindner ächzte: "Bin ich der einzige, der von dieser Diskussion ermüdet ist?" Man müsse vielmehr über die Inhalte reden, über die Vision eines neuen Europas, über die Agenda 2010, über das Steuersystem. Da lasse Schulz noch viele Fragen offen.

Tiefpunkt des Abends

Noch einmal zurück zu Schulz und dessen Vorgänger Sigmar Gabriel: Frank Plasberg vergriff sich in einem frühen Moment der Sendung komplett im Ton, sprach von Gabriels "Selbstabschaltung" und der Frage, ob dessen Rücktritt einen "Fukushima-Effekt für die SPD" darstelle. Ein völlig inakzeptabler Vergleich mit einer Nuklearkatastrophe, den nicht nur Hannelore Kraft "nicht gelungen" fand. Er war eindeutig der Tiefpunkt des Abends.

Fakt des Abends

Einen interessanten Einblick lieferte Katharina Litz, eine junge Studentin, die nach der Schulz-Nominierung spontan in die SPD eintrat und damit wie die Hälfte aller Neumitglieder der SPD unter 35 Jahre alt ist. Sie erklärte, dass sie sich von Schulz' "Leidenschaft und Kampfgeist" habe mitreißen lassen.

Das Erstarken der Rechtspopulisten in Europa habe ihr zudem gezeigt, dass es wichtig sei, "klar Farbe zu bekennen". Schulz wirke authentisch und stehe für Europa.

"Es gibt viele Chuck-Norris-Parallelen", befand Litz und offenbarte damit einerseits die große Begeisterung für den neuen SPD-Chef, andererseits aber auch eine große Naivität in Bezug auf den inhaltlich bislang noch sehr vagen Kandidaten.

Und Naivität in Bezug auf die politische Einstellung des bekannten US-amerikanischen Kampfkünstlers und Action-Schauspielers: Chuck Norris ist nämlich ein bekennender konservativer evangelikaler Christ und Mitglied der Republikanischen Partei in den USA. Unter anderem ist er Kreationist und hält die Evolutionstheorie für falsch. Das dürfte nicht unbedingt den politischen Positionen von Martin Schulz entsprechen.

Es sei zunächst wichtig, dass Schulz die Menschen mitnehme und ihnen wieder einen Zugang zur Politik biete. Für Inhalte sei später auch noch Zeit. Ein Vorwurf, den sich Schulz seit seiner Agenda-2010-Abkehr am Montag zumindest nur noch teilweise gefallen lassen muss.

Was offen bleibt

Dennoch blieb trotz Diskussionen über Agenda 2010, die Abgeltungssteuer und Flüchtlinge die Frage offen, wofür Schulz wirklich steht. Da brachte der Talk die Zuschauer keinen Schritt weiter. Auch weil Hannelore Kraft nur immer wieder sagte: "Ja nu, warten Sie doch halt ab!" Das werden die Menschen wohl auch müssen. Seit der Schulz-Rede in Bielefeld gibt es zwar erste Hinweise. Klar ist bisher aber nur: Den noch vor zwei Monaten toten Begriff der "Wechselstimmung" hat Schulz wiederbelebt.

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